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Full text of "Geschichte des Ratsgymnasiums zu Osnabrück"

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HARVARD 
UNIVLRStT>- 
L-BRARV 



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f^arbarti College l^itirars. 



FBOM THB FUND OF 



THOMAS WREN WARD, 

Late Treasurer of Harvard College. 



Received 



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• v- * «^ jL^ 



Geschichte 



des 



Ratsgymnasiums zu Osnabrück. 



Von 
Oberlehrer Friedrich Runge. 



Osnabrück. 

Druck von J. G. Kisling. 
1895. 



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Vor^v\^ort. 



Als an den Verfasser der nachstehenden Abhandlung die 
Aufforderung gerichtet wurde, zu der dritten Centenarfeier 
des Ratsgymnasiums die Geschichte der Anstalt zu schreiben, 
war er sich der Schwierigkeit der ihm gestellten Aufgabe 
wohl bewufst; denn einerseits ist das Material, das für manche 
Perioden zur Verfügung steht, sehr bedeutend, so dafs die 
Verarbeitung grofsen Aufwand an Zeit erfordert; anderseits 
versagt es bisweilen auch fast ganz, so dafs die Untersuchung 
der Vorgänge und Zustände grofse Schwierigkeiten macht. 
Endlich hat das Eatsgymnasium in G. A. Hartmann seinen 
Geschichtschreiber gefunden, der, wie kein anderer dazu be- 
rufen, seine Aufgabe mit peinlicher Sorgfalt aufgenommen und 
mit musterhafter Genauigkeit gelöst hat. Wenn der Verfasser 
sich dennoch an die Arbeit gewagt hat, so geschah es in der 
Annahme, dafs den Freunden und Schülern der Anstalt gerade 
zu einer solchen Feier ein Bild ihrer Entstehung und Ent- 
wickelung wünschenswert sein würde. Da nun die Schulpro- 
gramme von 1865 und 1872, in denen Hartmanns Arbeit 
sich findet, sowie das von 1869, in dem der Direktor emer. 
Dr. Stüve J. C. Strodtmanns „Historie des Schulwesens und 
der Akademie zu Osnabrück" veröffentlicht hat, selten ge- 
worden sind, aber auch die Arbeit bis auf die Neuzeit fort- 
geführt werden sollte ; so schien e^ das Richtigste, .eine neue 
Bearbeitung vorzunehmen, die hiermit als eine Festgabe dar- 
geboten wird. 



1* 



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I. Abschnitt. 
Die Schule im Barffifserkloster. 1543—1547. 

Im Jahre 1543 kam, vom Rate der Stadt berufen, Hermann 
Bonnus, Superintendent in Lübeck, nach Osnabrück, um hier 
die Reformation einzuführen. Er, wie andere Reformatoren, 
sah wohl ein, dafs es, um das begonnene Werk zu schützen, 
notwendig war, vor allem sich der Jugend zu versichern: 
auch Luther hatte schon in einer besonderen, 1524 er- 
schienenen Schrift die Bürgermeister und Ratsherren aller 
Städte Deutschlands aufgefordert, „dafs sie christliche Schulen 
aufrichten und halten sollen". So wurde denn auch in Osna- 
brück eine neue Schule errichtet, wozu die Vorbereitungen 
schon früher getroffen waren. 

Der Rat hatte erwirkt, dafs das Augustiner- und das 
Barfüfserkloster für diese neue Schule freigemacht wurden ; die 
ersten Bemühungen in dieser Richtung scheinen aber weiter 
zurückzureichen, als bisher angenommen ist. Stüve nämlich 
bemerkt, ^) dafs der Bischof Franz von Waldeck, bevor er 
sich auf den Zug des schmalkaldischen Bundes gegen Braun- 
schweig eingelassen, die beiden Klöster und wenige Wochen 
später auch das der Dominikaner der Stadt „zur Unter- 
haltung einer neuen Schule und eines oder zweier Prädikanten" 



^) Geschichte des Hochstifts Osnabrück, 11, S. 86 und nach ihm 
Hartmann, Beiträge zur Geschichte des Schulwesens in der Stadt Osnabrück, 
(Programm des Ratsgymnasiums, 1861), S. 14. 



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6 

geschenkt habe, die entweder in den Klöstern oder in beiden 
Kirchspielen dem gemeinen Volke das Wort Gottes recht und 
lauter vorlegen sollten. Der Rat habe dann mit den 5 noch 
übrigen Augustinern einen Leibrentenvertrag abgeschlossen, 
der Gardian der Barfüfser mit seinen Mönchen das Kloster 
verlassen, die Dominikaner seien wahrscheinlich in dem ihren 
geblieben. Der Zug gegen Heinrich den Jüngeren von Braun- 
schweig fällt in den Juli und August 1542 ; ^) doch haben die 
Verhandlungen wegen der Übergabe der Osnabrücker Klöster 
an den Rat höchstwahrscheinlich schon 2 Jahre früher begonnen. 

Im* Ratsarchive zu Osnabrück 2) befindet sich nämlich 
ein Aktenstück, dd. XV^XL ipso die sancti Augustini (28. Au- 
gust 1540), nach welchem der Frater und Konventual des 
„closters ton Augustineren bynnen Osenbrugge" Johannes 
Lunnig (Lüning) den Prior Johannes Dammig, den Subprior 
Jakob Wantscherer, den Frater Johannes Wernekinck und 
diiB sämtlichen Brüder des Konvents bevollmächtigt, das 
Kloster mit Siegeln und Briefen in die Hände des erbaren 
Rates zu überlassen und zu verkaufen. Ein zweites Akten- 
stück, ^) undatiert, giebt den Entwurf einer weiter ausgeführten 
Vollmacht. Der Name des Ausstellers ist nicht angegeben, 
sondern an dessen Stelle nur „N. N" gesetzt; aber unter der 
Akte erklärt „broder Johan Hamelman" 1541 ipso die Matthei 
apostoli (21. September) schriftlich, dafs er die Konventualen, 
die mit dem Rate wegen des Verkaufs des Klosters in Unter- 
handlung getreten seien, bevollmächtige, diesen Verkauf zu 
vollziehen. Der Bischof überwies dann, wie schon oben ge- 
sagt, die beiden Klöster dem Rate zur Errichtung einer neuen 
Schule, und zwar am Donnerstag nach Jacobi Apostoli 
(27. Juli) 1542. 

Die betr. Urkunde zeigt, dafs der Bischof auch in 
anderer Beziehung geneigt war, in der fraglichen Angelegen- 



1) Vgl. Stüve, G. d. H. 0. II, S. 81 f. ; Havemann, Geschichte der 
Lande Braunschweig: und Lüneburg, II, S. 235 ff. ; Heinemann, Geschichte 
von Braunschweig und Hannover, II, S. 359 ff. 

^) .Katsarchiv, Stadtsachen, Ecclesiastica, 43. 

^) Ratsarchiv, Stadtsachen, Ecclesiastica, 43. 



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heit dem Rate entgegen zu kommen. Es findet sich nämlich 
darin folgende Stelle : „Demna hebbe wy uns oick an Borger- 
„meistere und Raidt unser Stadt Ossenbrugk vorspracken, 
„wenner alsolche Scholen in den CoUegiis vorbenomet ange- 
„richtz, dat wy alsdan allen und itlichen, so desulven Scholen 
„und Collegia ume leer guder kunsten unde seden to vorsoken 
„ankomen werden, mit unser velicheit unde vrien geleide an 
„unde darweder van to komen unde trecken in unsen landen 
„unde gebeden ane argelist Vorsorgen unde geven willen, 
„unde wo sich jemantz bynnen eder buten der Stadt Osen- 
„brugk .... darby schützen und schermen unde hand- 
„haven . . . ." Es wurde also allen denen,- welche die Schule 
besuchen wollten, beim An- und Abzug freies Geleit zugesichert. 
So wurde die Schule im Franziskanerkloster eingerichtet 
und als erster Rektor Wilhelm Sandfurt gewählt. Dieser,^) 
aus Borgel in der Nähe von Antwerpen gebürtig und in der 
berühmten Schule in Münster gebildet, war schon 1525 in 
Osnabrück gewesen und hatte als Kollege des Johannes 
Hü de pol (Hadepollius) an der Katharinenkirche gepredigt, 
war aber zur Zeit der Wiedertäuferunruhen von Bischof 
Erich II. abgesetzt und hatte Bürgerkinder in den Häusern 
unterrichtet. Dann wurde er Rektor der Schule an St. Johann 
und 1543 an der Ratsschule. Mit und neben ihm unterrichteten 
Georg Schnekamp als Konrektor und Hermann Büren 
(Burinus) als dritter „Kollege" (Lehrer). Sandfurt ging schon 
1544 ab, da er mehr Neigung zum geistlichen Stande hatte, 
und wurde Hofprediger des Bischofs Franz;-) er mufste 
während des Interims Osnabrück verlassen und ging zunächst 
nach Stade, wo er 1564 als Prediger an der Johanniskirche 
starb. Ihm folgte im Schulamte Christian Sleibing, 
aus Freckenhorst gebürtig und gleichfalls in Münster ge- 



^) Vgl. Strodtmann, Historie des Schulwesens und der Akademie 
zu Osnabrück (im Programm des Katsgymnasiums, 1869), S. 6 ff . ; Rohling, 
Osnabrücksche Kirchenhistorie, S. 9, 11 und öfter. Die Nachrichten über 
Sandfui-t widersprechen sich aber mehrfach. 

^) Vgl. aufsei' Strodtmann a. a. 0. auch Osnabrücker Geschichts- 
quellen, n, S. 283. 



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8 

bildet. ^) Er war zuerst Rektor an der Johannis-, dann an der 
Domscliule gewesen, war aber, nachdem er die letztere zu hoher 
Blüte gebracht, 1540 nach Wittenberg gegangen, um sich 
Luther anzuschliefsen. Noch im selben Jahre kam er als Rektor 
nach Hannover, wo er dann Prediger an der Ägidienkirche 
wurde, und 1544 als Nachfolger Sandfurts nach Osnabrück. 
Auch er blieb der Schule nicht lange treu, sondern ging 1547 
als Prediger an die Marienkirche. Er wurde ersetzt durch 
Heinrich Sibe (Sibaeus),^) nach seinem Geburtsorte Olphen 
im Münsterschen „Olphenius" genannt. Zögling der Münster- 
schen Schule, kam er nach einem wechselvollen Leben als 
Rektor an die Osnabrücker: er sollte der letzte sein. 

Aufser den Genannten werden noch als Lehrer erwähnt ^) 
Eberhard Barckhaus oder Barckhausen (Barckhusius), 
Ledebert Hoven, Meibom, Peter von der Neustadt 
(Petrus Neapolitanus) und die Kantoren Georg N. aus Han- 
nover und Wilhelm. Sie werden teils neben, teils nach ein- 
ander unterrichtet haben. 

Die Lehrer wurden stiftungsgemäfs vom Rate berufen. 
Schulgeld wurde nicht erhoben, und da in den Lohnrech- 
nungen (Stadtrechnungen) von Gehalt der Lehrer oder anderen 
Zuschüssen nicht die Rede ist, so mufs man annehmen, dafs 
die Einkünfte des Augustiner- und Barfüfserklosters — teil- 
weise wenigstens — für die Bedürfnisse der Anstalt ver- 
wandt sind. Zu diesem Zwecke waren sie vom Bischof der 
Stadt überwiesen, wie die oben erwähnte Urkunde vom 
27. Juli 1542 zeigt ; aber wir haben dafür noch ein weiteres 
Zeugnis. Im Ratsarchive befindet sich nämlich die Abschrift 
€iner zweiten Urkunde — sie ist vom Notar Statins Rode be- 
glaubigt — , dd. „am Donnerstage na dem Sondage Oculi 
(20. März) im vier unde virttigsten jare", in welcher der 
Bischof erklärt, ihm sei klagend vorgebracht, wie diejenigen, 
welche den drei Klöstern und den beiden Pfarrkirchen „zu 



') Vgl. Strodtmann a. a. 0. S. 4, 8 ; Allg. Deutsche Biogr., XXXIV, 
S. 452 ff. 

2) Strodtmann a. a. 0. II, S. 8 f.; AUg.Deutsche Bit)gr., XXXIV, S. 121 f. 
^) Vgl. Hartmann, Programm des K.-G. 1861, S. 17. 



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Unser Lieben Frauen" und zu St. Katharinen Zins und Rente 
zu entrichten schuldig seien, sich dieser Pflicht entzögen. Er 
habe diese Zinsen und Renten dem Rate zur Notdurft und 
Unterhaltung von Prädikanten, Schulmeistern und anderen 
Kirchendienern überwiesen und deshalb Provisoren über die 
Klöster und Pfarrkirchen gesetzt zur Einforderung und In- 
empfangnahme gedachter Zinsen und Renten. Daher empfehle 
er dem Rate, ernstlich dafür zu sorgen, dafs die Schuldner 
die Provisoren auf deren Ansuchen erstertags bezahlen, im 
Falle längeren Ungehorsams aber ihre Güter mit Arrest zu 
belegen, bis sie bezahlt haben. Das Mandat wird seine 
Wirkung schwerlich verfehlt haben. 

Da die neue Schule im engen Anschlufs an die Re- 
formation errichtet war, so nahm sich auch die Kirche ihrer 
an; daher erklärt es sich, dafs ihre Einrichtung durch die 
Kirchenordnung Bonns geregelt wurde. 

Dem Rektor und seinen „Mitgesellen" soll vom Rat 
ziemliche Besoldung und freie Wohnung im Barfüfserkloster 
gegeben werden, damit sie möglichsten Fleifs bei den Kindern 
anwenden, bei den kleinen sowohl wie bei den grofsen. 

Da nur erst kleine Kinder vorhanden sind, hat man 
einen Rektor mit zwei Schulgesellen angenommen und einen 
Kantor ; wenn mit der Zeit vielleicht mehr Jungen von aufsen 
kommen sollten, will man auch mehr Lehrer anstellen. 

Die • Kinder sollen auf drei Klassen („loca") verteilt 
werden: in der ersten sollen die „Fibulisten", die erst buch- 
stabieren und lesen lernen, sitzen ; diesen soll man auch abends 
schon zwei lateinische Vokabeln und dergleichen aufgeben, 
damit sie sie zu Hause lernen und am folgenden Morgen auf- 
sagen. In der zweiten Klasse sitzen diejenigen, welche 
deklinieren und konjugieren lernen. Diese sollen auch die 
Distichen Catos und daraus die Redeteile lernen. In der 
dritten Klasse sollen sie Etymologie und Syntax lernen, die 
Fabeln Äsops und die Komödien des Terenz lesen, auch 
Prosodie treiben ; etwa Vorgerücktere sollen in eine besondere 
Klasse kommen, in welcher Vergil, Ovids Metamorphosen u. ä. 
gelesen w^erden, und der Rektor soll diese Schüler Argumenta, 



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Briefe und Gedichte schreiben lassen. Er wird, wenn er ge- 
schickt ist, selbst wohl wissen, was den Kindern am nötig- 
sten ist. 

Von 12 — 1 Uhr sollen die Schüler täglich im Singen 
geübt und mit der Zeit die Regeln der Musik gelernt werden. 
Sonnabend vormittags sollen sie in allen drei Klassen den 
Katechismus lernen, die Kleinsten zuerst deutsch, dann la- 
teinisch, die der zweiten und dritten Klasse lateinisch mit 
der kürzesten lateinischen Auslegung. Aufserdem sollen sie 
repetieren, was in der Woche auswendig gelernt ist. Nach- 
mittags von 12 — 1 Uhr soll das Responsorium vom Sonntage 
oder dem bevorstehenden Feste, auch der lateinische Hymnus 
und, was sonst nötig ist, gesungen werden. Die kleinsten 
Kinder sollen deutsche Gesangbücher haben und die deutschen 
Psalmen „recht und wohl" singen lernen. Von 1 — 2 Uhr soll 
das Evangelium erklärt und sollen daraus die Regeln der 
Grammatik und die Konstruktionen examiniert werden. Den 
kleinsten Kindern soll man das Evangelium deutsch vor- 
schreiben und es sie lernen lassen. 

Der Rektor und die Lehrer sollen auch dafür Sorge 
tragen, dafs die Schüler wenigstens alle Quatember^) zur 
Beichte und zum Abendmahl gehen und besonders auch dann 
die Kirche besuchen, wenn der Katechismus für das gemeine 
Volk gepredigt wird. 

Alle halbe Jahr soll 8 Tage nach Ostern und Michaelis 
eine Visitation der Schule stattfinden. Dabei sollen die Lohn- 
herren, die Vorsteher der beiden Kirchspielskirchen, des 
Augustinerklosters und der Schule mit den Pastoren zugegen 
sein und etwaige Mängel erörtert werden, die sich bei den 
Kirchen und der Schule finden sollten; auch soll der Rektor 
mit seinen Lehrern -(„sampt sinen Gesellen") zur gehörigen 
Verwaltung ihres Amtes ermahnt werden. 

Eigentümlicli berührt es uns heutzutage, dafs von einem 



^) Quater Temper; „Quatemberf asten, die vier (Fast)inittwochen nach 
„Invocavit, Pfingsten, Kreuzerhöhung und dem dritten Adventsonntag; 
„Vierteljahr". Vgl. Lübben -Walther, Mittelniederdeutsches Handwörter- 
buch, S. 288. 



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11 

eigentlichen Schreibunterricht gar nicht die Rede ist, und 
Hartmanns Vermutung,^) dafs dieser sowie der Unterricht 
im Rechnen von Privatlehrern erteilt sei, verdient Beachtung ; 
doch braucht man das wenigstens für das erste Fach nicht 
notwendig anzunehmen : wenn die Kleinen buchstabieren 
lernten, könnte das Schreiben sehr wohl dabei zugleich geübt 
sein. Eine weitere Übung ergab sich dann, wenn ihnen 
das Evangelium vorgeschrieben wurde: sie werden es wahr- 
scheinlich nachgeschrieben haben. 

Die junge Schule wuchs sehr schnell. Das beweist die 
am 4. April 1547 an Kaiser Karl V. gerichtete Klage des 
Domkapitels, ^) dafs durch Gründung der Ratsschule die seine 
zu Grunde gegangen sei; das beweisen auch die Aussagen 
mehrerer der im späteren Schulprozesse vernommenen Kapitels- 
zeugen: doch möchte ich es für übertrieben halten, wenn 
einer derselben behauptet, es seien einmal an 700 Schüler 
dagewesen. Mit Zahlen wurde auch in jener Zeit noch grofser 
Unfug getrieben.^) Indes reichten die drei in der Kirchenord- 
nung ursprünglich festgesetzten Klassen nicht au>s : so wurden 
denn, wie das ja auch vorgesehen war, neue errichtet, und 
in den Zeugenverhören in dem Schulprozesse ist von einer 
Septima, Sexta, Quinta, Quarta, Tertia, Sekunda die Rede. 
Die ersten 4 waren die unteren, die letzten 3 die oberen 
Klassen: eine Prima gab es nicht. 

Wenn nun auch der Unterricht sich im wesentlichen 
nach den Bestimmungen der Kirchenordnung um Religion und 
Latein drehte — der Kirchengesang war wohl kaum Haupt- 
fach: er mochte aber nötig erscheinen, da die Schule ja 
in unmittelbarer Beziehung zu den Kirchen stand, in wel- 
chen die Reformation eingeführt war — so sind doch nach 
den im Schulprozefs vernommenen Zeugen auch „Griechisch, 



1) Programm des R.-G. 1861, S. 16. 

2) Vgl. Stüve, Geschichte des Hochstifts Osnabrück, ü, S. 105. 

^) Einen Beweis aus früherer Zeit bietet die Angabe, dafs die Pest 
i. J. 1350 in Osnabrück nur 7 Ehen ungetrennt gelassen habe; vgl. Mitth. 
d. Hist. Vereins zu Osnabrück, XVI (1891), S. 176 und Osnabrücker Ge- 
schieht squellen II. S. 91, Anm. 4. 

2* 



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12^ 

Hebräisch und Künste" gelehrt. Von den erwähnten Zeugen 
werden nur Lehr- und Lernbücher für Religion und Latein 
erwähnt, so für die Septima die Elementa Bonni,^) das Com- 
pendium declinationum et conjugationum, Dialogi Sebaldi 
Heyden; in der Sexta die Grammatica und Syntaxis Philippi 
(nämlich Melanchthons), Epistolae Erasmi ; sonst noch Donatus, 
die CoUoquia Erasmi, Terenz, Äsop, Ovidii ex Ponto, Vergils 
Bucolica und Cicero. 

Die so vielversprechende Schule hatte jedoch nicht langen 
Bestand. Es kann hier nicht die Aufgabe sein, die Ereignisse, 
welche ihr Ende herbeiführten, eingehend zu schildern; doch 
möge es gestattet sein — des Zusammenhangs wegen — das 
Wichtigste anzuführen. 

Die Reformation war in Osnabrück eingeführt, indes 
nicht ganz ohne Widerspruch von Seiten der beiden Kapitel 
an St. Johann und am Dome. Das an St. Johann hatte 
schon am 8. Juli 1543 Protest erhoben, der jedoch ge- 
heim gehalten wurde und deshalb erfolglos blieb ; das am 
Dome hatte sich mit dem zu Köln in Verbindung gesetzt, in 
welcher Stadt der Erzbischof Hermann von Wied mit Hülfe 
des Strafsburger Reformators Martin Butzer gleichfalls re- 
formierte; doch blieb auch dieser Versuch ohne Erfolg, und 
andere Bemühungen, zum Ziele zu kommen, blieben eben- 
falls ohne Resultat. Das lag nicht zum wenigsten an den in 
Deutschland herrschenden politischen Verhältnissen. 

Kaiser Karl V. hatte, um der noch immer von dem 
Nachbar im Westen, dem Könige Franz I. von Frankreich, 
drohenden Gefahr wirksam begegnen zu können, auf dem im 
Februar 1544 eröffneten Reichstage in Speier den protestanti- 
schen Ständen Zugeständnisse gemacht, die sie vorläufig vor 
jeder Gefahr zu schützen schienen. Doch sollte die Ruhe und 
Sicherheit nicht lange dauern: im September 1544 schlössen 
Karl und Franz den Frieden* zu Crespy, und eine der Be- 
dingungen desselben war, dafs Franz versprach, zu einem 
Zuge gegen die Türken mitzuwirken und seine Hülfe zu einer 



1) Vgl. Spiegel, Hermann Bonnus, 2. Aufl., Göttingen 1892, S. 17 if. 



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Wiedervereinigung der Religion zu leihen. So konnte denn 
der Kaiser endlich wagen, seine ganze Macht zur Bekämpfung 
der Protestanten zu verwenden. Die Schlacht auf der Lochauer 
Heide (bei Mühlberg) am 24. April 1547 war entscheidend, 
entscheidend auch für das Geschick der Reformation in Osna- 
brück und für das der Barfüfserschule. Nach langen Verhand- 
lungen unterwarf sich Bischof Franz voll und ganz den ihm 
gestellten Bedingungen, zu denen auch die Preisgabe der Schule 
gehörte. Der Rat versuchte sich noch zu sträuben, aber ver- 
geblich: um Michaelis 1548 wurde die Schule geschlossen. 
Die Schuld lag — wenigstens zum teil — am Bischof und 
Rat, da keiner den andern trotz des laut der Urkunde vom 
27. Juli 1542 gegebenen Versprechens gestützt und geschützt 
hatte. 

II. Abschnitt. 
Die Übergangszeit. 1548—1595. 

Bischof Franz hatte, um seinen Frieden mit dem Kaiser 
und dem Domkapitel zu machen, die Hülfe des Grafen Rein- 
hard von Sohns anrufen müssen, und durch dessen Vermitte- 
lung war am 11. Juli 1548 im Barfüfserkloster ein Vertrag 
geschlossen,^) welcher die Verhältnisse für die Zukunft regeln 
sollte. Darin war in Beziehung auf die Klöster abgemacht, 
dafs die Mönche im Natruperkloster wieder ungehindert und 
unbeschwert singen und ihren Gottesdienst ausüben, auch 
ihnen ihr Vermögen zurückgegeben, das der Barfüfser aber 
und der Augustiner unverzüglich dem Bischof mit allen Ein- 
künften übergeben werden sollte; von der bisherigen Ver- 
wendung der letzteren sollte ihm Rechenschaft abgelegt 
werden. Wenn in ihnen Personen vorhanden seien, denen 
der Rat versprochen haben sollte, jährlich etwas zu geben. 



') Vgl. Stüve, Geschichte des Hochstifts 0., II, S. 115 f. ; Gesch. d. 
Stadt 0., m, S. U f. ; J. E. Stüve, Beschreibung und Geschichte des Hoch- 
stifts und Ftirstenthums Osnabrück, S. 311 f. Dort ist auch der Vertrag im 
Anhange unter R. abgedruckt. 



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14 

sollte der Bischof mit diesen verhandeln, dafs sie sich 
zur Billigkeit bewegen lassen möchten, damit der Rat unbe- 
schwert bleibe. War durch diese Bedingungen schon die 
Existenz der Schule vernichtet, — der Rat war kaum in der 
Lage, anderweitig Mittel für sie flüssig zu machen — , so 
sorgte das Domkapitel noch durch eine weitere Bestimmung 
des Vertrages dafiLr, dafs das ihm verhafste Institut be- 
seitigt wurde. Diese Bestimmung besagte nämlich, dafs die 
Barfüfsers'chule zwischen jetzt (dh. dem 11. Juli) und Michaelis 
aufgehoben und in Zukunft der Rat dem Kapitel seiner Schule 
halber keinen Eintrag mehr thun wolle und solle ; das Kapitel 
werde dem nachzukommen wissen, was sich in Schulsachen 
gebühre. Damit war zunächst die alleinige Berechtigung der 
Kapitelsschule vom Rate — wenn auch nur unter dem Drucke 
äufserer Verhältnisse — anerkannt, aber auch dem Kapitel 
die Verpflichtung auferlegt, den Evangelischen gerecht zu 
werden. 

Das Kapitel suchte dieser Verpflichtung nachzukommen, 
und besonders war es der Scholaster Hermann Brawe, der 
es sich angelegen sein liefs, die in Mifskredit geratene Dom- 
schule wieder zu heben. Dazu war es vor allem nötig, dafs 
tüchtige Lehrer und Leiter angestellt wurden; aber gerade 
darin hatte man Unglück. Hubert Brinkaner (Brinkanerus) 
aus Kaisers werth, den man 1548 von Köln berief, war zwar 
ein Mann von grofser Statur, aber von ungenügender Gelehr- 
samkeit, wie Hamelmann^) sagt (homo magnae staturae sed 
qualiscumque eruditionis) ; er bekam, weil er in seinem lateini- 
schen Lektionsplan (elenchus) die Lutheraner beschimpft und 
grammatische Schnitzer gemacht hatte, als Konrektor den 
Bernhard Linge, der mehrere Jahre in Köln Professor der 
griechischen Sprache gewesen war. Dieser hatte zwar tüchtige 
Kenntnisse aber wenig Liebe zur Arbeit und führte aufserdem 
ein ausschweifendes Leben. ^) So wurden beide 1550 entlassen. 
Als Rektor trat nun Hermann Lithodius genannt Pelser, 
ein Verwandter des Syndicus des Domkapitels Wilhelm von 

^) Vgl. Hamelmann, Opera geneal.-hist., S. 1164 f. 
*^) Vgl. Hamelmann a. a. 0., S. 1165. 



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15 

Nuyfs (Novesianus), ^) ein. Nach einem in alter Zeit häufigen 
Gebrauche hatte er seinen deutschen Namen Steinhaus in 
Lithodius verwandelt. Als Konrektor erhielt er Adrian von 
Breda (Adrianus Bredanus). Lithodius „war", wie Strodt- 
mann^) sich ausdrückt, „kein Held in der Gelehrsamkeit", 
und aufserdem „schbiückte er sich mit fremden Federn" : er 
liefs nämlich einen Elenchus anschlagen, den früher schon 
Ewald Vintius in Breda veröffentlicht hatte, und machte in 
einem lateinischen Gedichte Fehler gegen die Prosodie, was 
ihn so diskreditierte, dafs er freiwillig seinen Abschied nahm 
und Arzt wurde. Ihm folgte Adrian als Kektor; da dieser 
jedoch wohl Gelehrsamkeit aber keine Autorität besafs,^) so 
entliefs ihn das Domkapitel sehr bald wieder. 

Nun berief es auf Brawes Betreiben einen Lutheraner 
und zwar Christian Sleibing, der zuletzt an der Schule 
zu Herford gewirkt hatte. Seine Bestallung^) überliefs es 
ihm, ob er sich den katholischen Gebräuchen anschliefsen 
wolle oder nicht; doch sollte er einen seiner Lehrer be- 
stimmen, der die Jugend „tho Chore" (zur Kirche) führe und 
sie beaufsichtige, dafs sie fleifsig sängen und keinen Unfug 
machten. Der Besuch der Kirche, d. h. die Wahl der Kon- 
fession, soll den Schülern freistehen. Sleibing soll frei und 
ungehindert lehren dürfen, was er vor Gott und der christ- 
lichen Gemeine mit gutem Gewissen verantworten kann, auch 
sollen ihm keine christlichen Bücher dazu verboten sein ; doch 
will das Kapitel die Schriften Luthers nicht gelesen haben, 
was er zugesteht. Die übrigen Lehrer kann er nach eignem 
Ermessen anstellen und entlassen. Sein Gehalt bestand in 
freier Wohnung und 94 Thalern. Er bekam als Konrektor 
Lorenz Hesse (Laurentius Hessus) aus Stadthagen, einen 
sprachkundigen Mann, der sich auch in der Dichtkunst ver- 
sucht hatte,*) und als weitere Kollegen Christian Hermann 
Quedlenberg aus Hannover, den späteren Schwiegersohn 



^) Hamehnann, Opera geneal.-hist., S. 1166. 

^) A. a. 0. 

*) Vom 4. Januar 1552. (Staatsarchiv Osnabrück, Abschn. 35, Nr. 2.) 

*) Hamelmann a. a. 0., S. 223. 1166. 



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16 

des Reformators ürbanus Ehegius, Jodocus Höcker, 
Justus Golding^) und andere, deren Namen von den Zeugen 
im Schulprozefs genannt werden, ohne dafs festgestellt werden 
kann, wann sie gekommen oder gegangen sind. Als Brawe 
1555 starb, ging das Kapitel mit dem Plane um, Sleibing zu 
entlassen; dieser aber kam dem zuvor, dankte freiwillig ab 
und ging nach Bremen, wo er eine neue Schule gründete.*) 
An seine Stelle trat Lorenz Hesse bis Ostern 1559. Da 
nämlich drang der Rat beim Domkapitel darauf, dafs es 
Sleibing, der wegen der Hardenbergschen Streitigkeiten und 
weil er in Osnabrück ein eigenes Haus besafs, Bremen wieder 
verlassen hatte und hierher zurückgekehrt war, das Rektorat 
wiederverleihen möge, und unter dem Domscholaster Gisbert 
Budde wurde er zum zweitenmal Leiter der Domschule unter 
denselben Bedingungen wie zuvor. ^) Sein Konrektor wurde 
wieder Lorenz Hesse, dritter Kollege Johannes Splete. Da 
aber Budde und die Domherren hofften, eines Osnabrücker 
Bürgers Sohn, der in Köln als Magister an der Schule und 
Universität lehrte, zu gewinnen und Sleibing sich auch wohl 
zu alt fühlte, so gab er nach drei Jahren seine Stelle auf 
und lebte zunächst als Privatmann. 1562 wurde er erster 
Prediger an St. Katharinen^) und starb als solcher 1566. 
Das Rektorat erhielt Ludolf Hanemann, ein geborener 
Osnabrücker. ^) Er war zwar ein rechtschaffener Mann, auch 
gelehrt ; aber sein Äufseres war zu jugendlich und zu wenig 
imponierend, so dafs er sich nicht die nötige Autorität ver- 
schaffen konnte. Dazu war er Katholik, was bei den Bürgern 
Mifstrauen erweckte; doch waren sein Konrektor Hermann 
Schreiber aus Herford und nach dessen Abgange Simon 
Hagemann aus Lemgo Lutheraner: so blieb vorläufig der 
Friede gewahrt. 

Da kam die erste Störung. Über die äufsere Veranlassung 



^) Hamelmann a. a. 0., S. 1166 f. 

'-*) Hamelmann a. a. 0., S. 1167. 

^) Staatsarchiv Osnabrück, Abschn. 35, Nr. 2. 

*) Röling, Osnabr. Kirchen-Historie, S. 94 f. 

°) Hamelmann a. a 0., S. 1167. 



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17 

sind wir unterrichtet ; die tiefer liegenden Gründe lassen sich 
dagegen nicht mit voller Sicherheit angeben : höchstwahrschein- 
lich lagen sie in dem Verhältnis der Konfessionen zu einander, 
wie es um jene Zeit sich im nordwestlichen Deutschland ge- 
staltete. Das Domkapitel wollte Johann Mellemius aus Köln 
als Kektor berufen und mit ihm noch 3 andere Lehrer anstellen. 
Dazu mag Anlafs gegeben haben, dafs unter Hanemann, der, 
wie oben gesagt, nicht genügende Autorität besafs, die Schule 
abzunehmen begann; wenigstens deutet darauf die in der 
Species facti des Kats, welche sich in der bei Gelegenheit 
des Schulprozesses abgegebenen Rechtsbelehrung der Uni- 
versität Rostock befindet, enthaltene Angabe hin, dafs „um 
das Jahr 1570 die Domschule in Abgang geraten sei".^) Doch 
waren noch wohl andere Gründe mafsgebend. „Im Anfang 
der siebziger Jahre fing in den geistlichen Gebieten die Gegen- 
reformation an", sagt Ranke. 2) Das spürte man auch im nord- 
westlichen Deutschland. Im Jahre 1570 wandte sich der 
Herzog Wilhelm von Cleve der alten Religion wieder zu und 
war von da an bemüht, diese in Cleve-Mark und Ravensberg 
wieder zur Geltung zu bringen. ^) In Münster war 1566 
Johann von Hoya zum Bischof gewählt, ein Freund des Her- 
zogs von Alba und des Jesuiten Canisius. Er war ernstlich 
bestrebt, dem S.Artikel seiner Wahlkapitulation nachzukommen, 
in welchem es hiefs: „Item es sollen wy in der alten warer 
„Catholischen und Christlicher Religion stedts uns verhalten, 
„dieselve unses bestens und utersten vermagens in dussem 
„Stifft Munster und Irer Jurifsdiction beforderen, vortsetzen, 
„hanthaven und verthedingen, dermaten sich schicken und 
„beweisen, dat old lovelick herkomnen und gebrucke der 
„hilligen Christlichen Kercken sonderlich in dem Stiffte Munster 
„Gott almechtig tho ehren und gemeiner frede tho gude under- 
„holden, ock ordentlich Regiment gehanthavet und aller ver- 



1) Vgl. Hartmann, Progr. des Ratsg., 1861, S. 27. 

^) Zui* Deutschen Geschichte. Vom Religionsfrieden bis zum dreifsig- 
jährigen Kriege, S. 83. 

*) Keller, Die Gegenreformation in Westfalen und am Niederrhein 
I, S. 27 ff. 



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18 

„boddenen Secten ungeschickt unbestendigh und uprorisch 
„Vernierung und Vornhemen, so der older warer Catholischen 
„Christlicher Kercken und derer ordenungh zu Widder, nicht 
„gestadet noch verhengdt werde." ^) Er war schon 1553 
nach dem Tode Franzens von Waldeck zum Bischof ge- 
wählt, 1568 wurde er noch Administrator von Paderborn, ^j 
War er auch früher nachsichtig gewesen, so begann er doch 
jetzt andere Saiten aufzuziehen. ^) Derartige Bestrebungen 
wurden aufserdem noch durch andere politische Vorgänge 
unterstützt. In den Niederlanden tobte der Freiheitskampf. 

1567 war Herzog Alba dort erschienen und hatte mit furcht- 
barer Energie seine Aufgabe, den Katholizismus wiederherzu- 
stellen und die Provinzen wieder unter die Botmäfsigkeit der 
spanischen Linie des Hauses Habsburg zu bringen, zu lösen 
begonnen. Zahlreich wanderten die Niederländer nach allen 
Gegenden Deutschlands, besonders nach dem nahe liegenden 
Westfalen, aus; aber andrerseits zogen „viele Bürger Osna- 
brücks und Quakenbrücks und andere Stiftskinder, alte er- 
fahrene Kriegsleute" ^) den Niederländern zu Hülfe. Am 21. Juli 

1568 hatte jedoch Alba das Glück, zwei Heerhaufen, die Wilhelm 
von Oranien unter dem Oberbefehl des Grafen Hoogstraten 
und seines Bruders Ludwig von Nassau vorgeschoben hatte, 
zurückzudrängen und bei Jemgum zu schlagen, und es war 
nicht unmöglich, dafs der Sieger sein Augenmerk auf die östlich 
der Niederlande gelegenen deutschen Länder richtete; denn 
„die Armee, welche König Philipp unter Herzog Alba's Füh- 
„rung in die Niederlande geschickt hatte, war nicht allein 
„dazu bestimmt, den Widerstand der Opposition in den Erb- 
„landen zu brechen, sondern auch das Übergewicht Spaniens 
„und Koms in den benachbarten deutschen Ländern wieder 
„zur Geltung zu bringen."^) 

Da mochte dem Domkapitel in Osnabrück die Gelegenheit 



') KeUer a. a. 0. I, S. 282 ff.; S. 365 f. 

^) KeUer a. a. 0. I, S. 539 ff. 

8) Stüve, Gesch d. Höchst. 0., II, S. 210 if. 

*) Stüve a. a 0., S. 207. 

5) KeUer a. a. 0., I, S. 10. 



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19 

günstig erscheinen, den entscheidenden Schritt zu thun und 
die ihm gehörige Schule in seinem Sinne zu reformieren : so 
erfolgte die Berufung jener vier neuen Lehrer. Das weckte 
aber den Widerstand des Kats. Er fafste den Plan, eine neue 
Schule zu gründen, berief einen neuen Rektor und wandte 
sich dann an Hamelmann, der damals Superintendent in Gan- 
dersheim war, mit der Bitte, sich nach Braunschweig zu be- 
geben und dort zwei geeignete Personen ausfindig zu machen, 
welche an der neu zu eröffnenden Schule das Amt des Kon- 
rektors und Kantors übernehmen könnten. Der Plan zur Er- 
richtung der neuen Anstalt mufs schon 1569 oder anfangs 1570 
gefafst sein, da der Brief, in welchem Hamelmann dem Braun- 
schweiger Superintendenten Martin Chemnitz jene Bitte mit- 
teilt und ihn ersucht, statt seiner den Auftrag zu erledigen, 
weil er selbst aus verschiedenen Gründen dazu nicht imstande 
sei, vom 20. Januar 1570 datiert ist.^) Der Rektor aber, den 
der Rat sich auserlesen hatte, war Rudolf Hildebrand, 
ein geborner Bremer, der damals seiner Studien wegen sich 
in Rostock aufhielt; 2) neben ihm wurden thatsächlich noch 
zwei andere Lehrer, ein Konrektor und ein Kantor, berufen, 
wie aus der Lohnrechnung von 1570 hervorgeht. Dort heifst 
es nämlich: „Und so ein Erbar Radt sampt allen Stenden 
„mit to Rade gehörig up dersulvigen nu etliche Jaren her 
„bescheene anholdent to merer Disciplin der Joget und Ceremo- 
„nien in den Kercken ere scholen ethwafs to bettern, einen 
„Rector, Conrector und Cantorn angenommen, jedoich solche 
„int werck to richten bifs to anderer erer gelegenheit noich 
„uth bewegenden Ursachen vorwielet, densulvigen tor besol- 
„dung gegeven 132 4> 10 /? 6 ^.'' 

Welcher Art die „bewegenden Ursachen" gewesen, welche 
den Rat bewogen, die Ausführung seines Planes aufzuschieben, 
und dann ganz aufzugeben, läfst sich nicht mit Sicherheit 
feststellen, wohl aber vermuten: es scheint kein anderer als 
der Bischof selbst gewesen zu sein, der zwischen ihm und 



^) Leuckfeldt, Historia Hamelmanniana, S. 101 f. 
^) Rethmeyer, Braunschweigische Kirchenhistorie, III, S. 508 f. und 
Aussagen von Zeugen im Schulprozefs. 



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20 

dem Kapitel vermittelte und — vorläufig wenigstens — den 
Frieden wiederherstellte. Am 24. Januar 1570 nämlich wandte 
er sich an den Rat und schrieb : ^) „er habe gehört, dafs 
„dieser eine Partikularschule ^) einrichten wolle. Da er nun 
„aus Erfahrung wisse, dafs durch solche Neuerung allerhand 
„Sekten und Rottereien entständen, wie denn auch einige Un- 
„ruhige vor dieser Zeit mehr als einmal ähnliche Neuerung 
„vorgehabt hätten; so rate er davon ab, eine solche Schule 
„einzurichten : andernfalls müsse er einschreiten." Ein weiteres 
Aktenstück 3) enthält eine Instruktion für seine Räte zu den 
mit den Abgeordneten von Bürgermeister, Rat, Gilde und 
Wehr wegen derselben Angelegenheit am 28. Juni in Iburg 
zu führenden Verhandlungen. „Er sei der Stadt geneigt," 
so lautet im wesentlichen der Inhalt; „aber es stehe ihm bei 
„seinem Nachdenken die „fundation und privilegirung" der 
„Domschule im Wege, die aufrecht zu erbalten er versprochen 
„habe. Schon Franz von Waldeck habe 1546 oder 1547 (!) 
„eine neue Schule eingerichtet, aber auf Beschwerde des Ka- 
„pitels durch Vermittelung Reinhards von Solms sie wieder 
„beseitigt. Da es nun klar liege, dafs der Rat bis dahin gegen 
„dieses Privilegium keinen Einspruch gethan, da ferner 1555 in 
„der Reichskonstitution und dem Religionsfrieden bestimmt sei, 
„dafs nach dem Tage keine Neuerung geschaffen werden solle, 
„so zu der Religion pertinentz könne verstanden werden" ; so 
„solle der Rat der Stadt aufgefordert werden, um des Privilegs 
„und des Friedens willen von seinem Vorhaben abzustehen. 
„Er wolle dafür sorgen, dafs, wenn die Rektoren der Dom- 
„schule nicht tauglich sein sollten, dem abgeholfen werde." 

Wie die Verhandlungen weiter sich gestalteten, entzieht 
sich unserer Kenntnis: sicher ist, dafs die Schule nicht er- 
öffnet wurde. Hildebrand blieb noch eine Zeitlang in Osna- 
brück und ging dann nach Herford und von da nach Braun- 



^) Kön. Staatsarchiv Osnabrück, Abschnitt 35, Nr. 3. Konzept. 

^) Partikularschulen waren „lateinische Schulen im Gegensatz zu den 
studia generalia oder Universitäten" ; vgl. Ziegler, Geschichte der Pädagogik 
mit besonderer Rücksicht auf das höhere Unterrichtswesen, München 1895, S.96. 

^) Kön. Staatsarchiv Osnabrück, Abschnitt 35, Nr. 3. Original. 



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21 

schweig als Kektor.^) Als solcher wurde an der Domschule 
Mellemius angestellt. ^) Auf ihn folgte Ostern 1575 Hermann 
Capp, der sich auf 4 Jahre gebunden hatte. Seine Bestallung 
lautet bezüglich der Religionsfreiheit zwar wesentlich anders 
als die seiner Vorgänger, da er mit den Kollegen verpflichtet 
wird, sich mit Leben und Lehre nach der alten Religion zu halten ; 
doch scheint man den Schülern gegenüber in diesem Punkte 
keinen Zwang geübt zu haben.^) Auf ihn folgte zum zweitenmal 
Ludolf Hanemann^) und auf diesen Ostern 1582 Hermann 
von Kerssenbroick, der bekannte Geschichtschreiber der 
Wiedertäufer. ^) Er mufste zwar dem Rate verdächtig erschei- 
nen, da er als strenger Katholik galt und als Rektor am mün- 
sterschen Paulinum den Katechismus des Jesuiten Canisius ein- 
geführt hatte ; indessen vermied das Kapitel doch zunächst alles, 
was hätte Anstofs erregen können. So ist denn auch die Bestal- 
lung des Neugewählten ungleich versöhnlicher als die Capps : er 
soll sich so verhalten, wie er es vor Gott und seinem Ge- 
wissen verantworten kann, damit ferner in dieser Stadt christ- 
licher Friede und Einigkeit erhalten bleibe, auch der Jugend 
Gottesfurcht, soviel als möglich eingebildet w^erde. Die Schüler 
sollen sich die Kirche, zu der sie sich halten wollen, frei 
wählen dürfen; der Rektor soll alle halbe Jahr die Lehrer 
bestimmen, welche auf dem Chor der Kirche zu Unsrer Lieben 
Frauen und zu St. Katharinen die Aufsicht zu führen haben. 
Es wird auch auf das gute Einvernehmen, das bisher zwischen 
den beiden Konfessionen geherrscht habe, hingewiesen.^) Der 
Grund zu diesem Kompromifs ist vielleicht in den damaligen 
politischen Verhältnissen, den allgemeinen sowohl wie denen 
des Stifts insbesondere, und in der Stellung des Bischofs 



^) Vgl. Kethmeyer a. a. 0. 

2) Vgl. Hartmann, Progr. des R.-G., 1861, S. 28. 

^) RatsarcMv, Stadtsachen, Ecclesiastica 57, Streit mit dem Dom- 
kapitel, Zeugenverhör 2 ; Staatsarchiv, Abschn. 35, Nr. 2. 

*) Der Kapitelszeuge im Schulprozefs Viktor Wernekinck, Vikar am 
Dome, sagt dies aus : Stadtsachen, Ecclesiastica 57, Streit mit dem Dom- 
kapitel, Zeugenverhör 2 ; Staatsarchiv, Abschn. 35, Nr. 2. 

*) Vgl. die Allgem. Deutsche Biographie, 15, S. 647 ff. 

«) Vgl. seine Bestallung vom 30. August 1581 im Staatsarchiv, Ab- 
schn. 35, Nr. 2. 



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22 

Heinrich III. von Sachsen - Lauenburg zu suchen, der dem 
Frieden geneigt war.^) Dennoch aber scheint der Rat nicht 
völlig getraut zu haben : wenigstens deutet darauf eine Nach- 
richt hin, der zufolge er 1583 die Kirchspielsschule an St. 
Marien so ausbauen liefs, dafs bei entstandenem Zwiespalt gleich 
eine lateinische Schule angeordnet und die Kollegen einge- 
wiesen werden konnten. Hartmann 2) erwähnt diese Notiz 
und beruft sich dabei auf Fortlages Programm von 1817 („und 
anderswo"), in dem sie sich ebenso wie in dem unter den 
Akten des Ratsgymnasiums befindlichen Manuskript Fortlages 
zu dem Programm ohne Angabe der Quelle findet. Es ist bis- 
lang nicht gelungen, in den Akten des Ratsarchivs, wo am 
ersten zu suchen wäre, einen Beleg dafür zu finden, und es 
ist höchst wahrscheinlich, dafs die Angabe auf Strodtmann^) 
zurückgeht: Stüve nämlich, der dessen Arbeit veröffentlicht 
hat, bemerkt im Vorwort dazu, dafs Fortlage von dem in der 
Form der damaligen (d. h. Strodtmanns) Zeit abgefafsten Kon- 
zepte wahrscheinlich noch gegen Ende des vorigen Jahrhun- 
derts eine Abschrift zum Behuf Abdrucks habe besorgen lassen.^) 
Woher Strodtmann seine Nachricht hat, ist allerdings — vor- 
läufig wenigstens — nicht festzustellen. 

Wenn nun auch die eben genannte Mafsregel des Rates 
starkes Mifstrauen erkennen läfst, so suchte man doch offen- 
bar auf beiden Seiten mit einander auszukommen. Dazu trug 
wohl auch bei, dafs Kerfsenbrock ein alter Mann war,^) dem 
der Kampf nicht mehr behagte — auch mit der Disciplin 
scheint es gehapert zu haben — ; die Zeugenaussagen sind 
auch in Beziehung auf seine Stellung zur Bürgerschaft nicht 
ungünstig füi' ihn. Er starb plötzlich am 5. Juli 1585 und 
wurde auf dem Herrenkirchhofe begraben.^) Ihm folgte im 
Rektorate zunächst wieder Hermann Capp,^) „der eben jetzt 

1) stüve, Gesch. d. Höchst. 0., II, S. 246 ff. 

2) progr. des R.-G. 1861, S. 30. 

3) A. a. 0. S. 17. 

*) Das Manuscript Strodtmanns ist leider! nicht mehr aufzufinden. 
Die Bibliothek des Ratsgymnasiums besitzt es jedenfaUs nicht mehr. 
°) AUgem. Deutsche Biogr. a. a. 0. 
®) Strodtmann a. a. 0., S. 16. 
') Vgl. S. 21 ; Stüve, Gesch. d. Höchst. 0. II, S. 325 f. ; Ratsarchiv a. a. 0. 



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23 

von der den Jesuiten iibergebenen Salentinischen Schule zu 
Paderborn entfernt wurde", und diesem, nachdem er „aus er- 
heblichen Ursachen", wie man sagte, abgedankt war, „bis zu 
anderer Gelegenheit" der bisherige Konrektor Nellius. ^) 
Nellius starb aber bald — und nun kam der Konflikt. 

In Nordwestdeutschland, wie auch anderswo, hatten sich 
die konfessionellen Gegensätze verschärft.^) Die Reformation 
hatte die Kräfte des Katholizismus geweckt, das Tridentiner 
Konzil sie konzentriert. Die Jesuiten traten als eine geist- 
liche Armee auf den Kampfplatz, nicht blofs um das Terrain 
zu behaupten, sondern auch um das . verlorene wiederzuge- 
winnen. 1557 war ihnen in Köln ein Gymnasium zugewiesen,^) 
1580 zogen sie zuerst in Paderborn ein,^) am 24. Januar 1588 
kamen die ersten nach Münster und im Oktober übernahmen 
sie die Leitung des dortigen Gymnasiums^): da mochte das 
Osnabrticker Domkapitel glauben, dafs die Zeit gekommen 
sei „rein Bord zu machen", um so mehr, als schon 1589 sich 
die münsterschen Jesuiten an dasselbe gewandt hatten. ^) Nach 
Nellius' Tode war zunächst der bisherige Konrektor Jod ocus 
Kirchhof mit der Leitung der Schule betraut; aber schon 
im September 1594 hatte das Kapitel mit dem münsterschen 
Rektor Matthäus Timpe Verhandlungen angeknüpft, der 
zwar nicht selbst Jesuit war, aber doch auf demselben Boden 
wie der Orden stand. 7) Am Freitag vor Palmarum 1595 
(11. April) wurde Kirchhof und allen übrigen Lehrern — mit 
Ausnahme eines einzigen — gekündigt; Timpe übernahm das 
Rektorat und berief noch drei andere katholische Lehrer von 
Köln. Sie wurden für Jesuiten gehalten; doch widersprach 
das Kapitel dem, und auch wohl nicht mit Unrecht. Die 
neaen Lehrer suchten allerdings ihre Zöglinge für den 



1) Stüve a. a. 0., II, S. 371. 

2) Vgl. Keller, Die Gegenreformation in Westfalen und am Nieder- 
rhein. 1. Teil, Leipzig 1881; 2. Teil, Leipzig 1887. 

^) Progr. des Kön. kath. Gymn. an MarzeUen zu Köln, 1886, S. 10. 

*) KeUer a. a. 0., II, S. 424. 

^) Keller a. a. 0., n, S. 277. 

«) Stüve, Gesch. d. Höchst. 0., ü, S. 371. 

') Stüve, Gesch. d. Höchst. 0., H, S. 371. 



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24 

Katholizismus zu gewinnen. Timpe schaffte Luthers Kate- 
chismus ab, führte den des Canisius ein und suchte „die 
Hauptartikel ihrer (d. h. der Stadt) Religion in Streit zu 
ziehen;" die andern Lehrer liefsen sich in der Schule ver- 
nehmen, „daz die, so von den Knaben in die Domkirche und 
„zu St. Johan zur Kii'chen gingen, allein in den hemel 
„quemen und saligh werden, die anderen zusamen zur helle 
„fahren musten und sei der Junge, der es nachgesagt, darum 
„gestrichen (d. h. geprügelt)." Sie entzogen sich auch „der 
„Beiordnung zur Aufsicht der Jugend in beiden Unser Lieben 
„Frauen und St. Katharinen Kirchen."^) Sie verhinderten die 
Kinder, Donnerstags die Katechismuslehre zu besuchen, und 
zwar dadurch, dafs sie sie in Prozession nach der Blumenhalle 
zum Spielen führten u. dgl. mehr. 

Dieses Vorgehen erregte die Bürgerschaft ganz gewaltig, 
und der Rat wurde gedrängt dagegen einzuschreiten. Am 
30. Mai, 28. Juli, 29. August, 24. September und 30. Sep- 
tember fanden Verhandlungen statt, die aber resultatlos ver- 
liefen, da das Kapitel behauptete, es habe den Jodokus ent- 
lassen, weil er „der Schule untauglich und nicht qualifiziert" 
gewesen sei, und die neuen Lehrer berufen, um die Schule in 
besseren Stand zu bringen. 2) Dafs es solle verhaftet sein, 
„beiderseits Religion bei der Schule zu bestellen," stehe bei 
ihm gutwillig. Es erklärte sich bereit, Lehrer zur Beauf- 
sichtigung der Jugend in die Marien- und Katharinenkirche 
zu schicken; aber diese könnten der Buben wegen keine 
Sicherheit haben. Der Rat dagegen verlangte, dafs der vorige 
Stand wiederhergestellt und auch evangelische Lehrer berufen 
werden sollten, da beide Konfessionen gleichberecl^tigt seien. 
Die Vermittelungsversuche des Bischofs Philipp Sigismund 
und seiner Räte blieben erfolglos ; da that der Rat der Stadt 
einen entscheidenden Schritt. 



^) ProtokoU einer Verhandlung der bischöflichen Räte mit dem Rate 
der Stadt. (Der Anfang fehlt. Das Schriftstück gehöi-t anscheinend in das 
Jahr 1596). Ratsarchiv, Stadtsachen. Ecclesiastica 57. Ratsgymnasium, 
Stiftung, 1. 

^) Protokoll vom 29. Dezember 1595. Ratsarchiv a. a 0. 



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25 

III. Abschnitt. 
Das Ratsgymnasium. 

I. Kapitel. Von 1595—1628. 

a) Von der Stiftung bis zur Aufhebung durch 
Bischof Franz Wilhelm. 
Jodokus Kirchhof war nach seiner Entlassung in der 
Stadt geblieben und erteilte einer Anzahl von Bürgerkindern 
Privatunterricht. Das kam indes dem Domkapitel sehr unge- 
legen, da die Gefähr bestand, dafs seiner eigenen Schule da- 
durch Abbruch geschah. Daher trat es denn mit der Forde- 
rung auf, der Rat solle Kirchhof das Unterrichten verbieten; 
was aber abgelehnt wurde : man habe Kirchhof nicht ange- 
nommen oder bestellt. Dieser habe wohl Privatschüler, die 
er unterrichte, was man nicht abschaffen könne, da es einem 
jeden freistehe, seinön Kindern einen Privatlehrer zu halten. ^) 
Das Kapitel führte dem gegenüber aus, es habe Privilegien 
und sei an die achthundert Jahre im Besitz. Der Bischof 
habe auch in seiner Kapitulation versprochen, dafs er es bei 
seinen Privilegien schützen werde. Dafs Jodokus nicht vom 
Rate angenommen sei, nehme er als bekannt an, bitte aber 
die Räte, anstatt des Bischofs ihn, da er doch kein Bürger 
sei und wenn er das auch sei, vorzuladen und ihm unver- 
züglich aufzuerlegen, solche Dinge abzustellen bis zur An- 
kunft des Fürsten, ziumal es scheine, als ob er sich nach mehr 
Kollegen umsehe. Die Räte lehnten ein Vorgehen ihrerseits 
ab, indem sie erklärten, der Befehl des Bischofs hindere sie 
und Kirchhof sei ja nur Privatlehrer; einen solchen aber 
seinen Kindern zu halten stehe jedem frei. ^) 



^) Protokoll einer Verhandlung der bischöflichen Räte mit Bürger- 
meister und Rat. (Der Anfang fehlt ; doch ist es vor dem 24. September 
1595 abgefafst, da ein solches über eine Verhandlung mit dem Kapitel von 
diesem Datum sich unmittelbar anschliefst.) Ratsarchiv a. a. 0. 

'^) Protokoll über eine Verhandlung zwischen den beschöfl. Räten 
und dem Domkapitel vom 24. September 1595 und Bericht der Räte vom 
26. September. (Abschriften.) Ratsarchiv a. a. 0. 

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26 

Das Kapitel berief sich also anf alte Privilegien, die 
von Karl dem Grofsen gegeben sein sollen. Für diejenigen 
der Leser, welchen das betr. Werk nicht zur Hand sein 
sollte, sei hier ans dem Osnabrticker ürknndenbnche *) die in 

Frage kommende Stelle angegeben : „ Inmper rero 

„eidem epiMcopo tmisque successorihus perpetuam concedimua 
,,lihertatem et ab omni regali sermtio confirmamus abmlu- 
„tionem, nisi forte contingat, ut Imperator Rom^nonim rel 
yyrex Grecorum conjugalia federa inter filioa eorum contrahere 
yydisponant, tunc aecciesiae HUum epi^copux omni sumptu a rege 
„vel imperatore adhihito lahorem tnmul et honorem illius le- 
^^gationis aasumut; et hoc ea de cauaa atatuimuH, quia in 
y,eodem loco Grecan et Latinas scolas in perpetuum manere 
„ordinavimuH et numquam clericos utriusque linguae gnaros 
,,ihidem deesse in Dei misericordia confidimus/* (Anfserdem 
gewähren wir demselben Bischof (nämlich Wiho) und seinen 
Nachfolgern ewige Freiheit und Entlastung von jedem Königs- 
dienst, es sei denn, dafs der römische Kaiser und der grie- 
chische König ein Eheband zwischen ihren Kindern stiften 
wollen und dann der Bischof dieser (Osnabrticker) Kirche die 
Mühe und zugleich die Ehre der Gesandtschaft übernimmt, 
für welche die Kosten vom Könige oder Kaiser getragen 
werden; und das bestimmen wir aus dem Grunde, weil wir 
angeordnet haben, dafs an demselben Orte für ewige Zeiten 
griechische und lateinische Schulen bleiben, und das Zutrauen 
hegen, dafs es dort niemals an Geistlichen, die beider Sprachen 
kundig sind, fehle.) In der Urkunde wird .also nur eine Schule 
an dem Bischofssitze errichtet; dafs aber diese die einzige 
sein oder gar Einzelnen verboten sein soll, sich aufser der- 
selben — etwa durch Privatunterricht — Kenntnisse in 
den gelehrten Fächern zu erwerben — davon ist nicht die 
Rede, und es kann auch wohl kaum aus dem Wortlaute der 
Urkunde ^geschlossen werden. Der Rat bestritt denn auch 
wiederholt die Zulässigkeit einer solchen Auslegung. 

^) Osnabrticker ürkundenbuch. Im Auftrage des Hist. Vereins zu 
Osnabrück bearbeitet und herausgegeben von Staatsarchivar Dr. F. Philippi. 
Bd. I. Urkunde Nr. 5, S. 6. Über die Fälschung derselben vgl. Philippis. 
Ausftihrungenjin der Einleitung. 



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27 

Hartmann ^) behauptet, der Eat habe sich an den Bischof 
gewandt mit der Bitte, eine evangelische Partikularschule 
gründen zu dürfen, sei aber nach langem Warten abschläglich 
beschieden. Die Richtigkeit dieser Angabe ist — vorläufig 
wenigstens — nicht zu kontrollieren ; sicher ist aber, dafs der 
Eat einen entscheidenden Schritt that und am Gallustage 
(16. Oktober) 1595 Jodokus Kirchhof in die Kirchspielsschule 
zu Unser Lieben Frauen (Marienkirchspielsschule) einführte, 
um ihm dort das Rektorat über eine neue Eatsschule zu über- 
tragen. Das war der Anfang des Ratsgymnasiums. 

Dafs die Eröffnung der Anstalt in diese Zeit fällt, steht 
unzweifelhaft fest : es ergiebt sich aus den im Ratsarchive be- 
findlichen Akten betreffend den Schulprozefs ; aber auch der 
Stiftungstag läfst sich feststellen, obgleich keine Stiftungs- 
urkunde existiert. Eine solche hat sich bis auf den heutigen 
Tag nicht auffinden lassen und wird auch nicht aufzufinden 
sein ; denn bei der oben geschilderten Sachlage war eine Ver- 
ständigung zwischen den streitenden Parteien aussichtslos, 
und der Rat that am besten, wenn er überhaupt sich nicht 
fügen wollte, den Ge^er vor eine vollendete Thatsache zu 
stellen. 2) In diesem Falle wurden alle vorausgehenden Er- 
örterungen vermieden. 



1) Programm 1865, S. 9. 

*) Ebenso dachten 1582 die Jesuiten in Köln. Sie hatten von den 
Nonnen Kirche und Kloster des heil. Achatius gekauft und dachten erst, 
als die Verhandlungen darüber beinahe zum Abschlufs gebracht waren, 
daran, den Rat, der damals noch als ,,Oberster aller in der Schule befind- 
lichen klösterlichen Stiftungen" galt, um seine Zustimmung zu ersuchen. 
Der Rat schlug das Begehren rundweg ab und liefs sich auch durch ein 
das Gesuch der Jesuiten befürwortendes Schreiben des Kaisers nicht um- 
stimmen ; vielmehr verbot er den Nonnen selbst die Veräufserung des 
Klosters und liefs sich von ihrem Superior, dem Prior der Dominikaner, 
das Versprechen geben, den Verkauf zu hindern. „Dennoch brachten die 
„Jesuiten, im Vertrauen darauf, dafs der Rat vor einer vollendeten That- 
„sache die V^aifen strecken und ebenso wenig auf der Durchführung seines 
„Beschlusses bestehen werde, wie er seinem gegen die Bildung eines förm- 
„lichen Konvents gerichteten Verbote Nachdruck verschafft hatte, den Ver- 
„kauf mit den Nonnen zu einem Preise von 3000 Thalern zum Abschlufs. 
„Obgleich sie wohl wufsten, dafs wegen ihres Ungehorsams gegen die 
„städtische Obrigkeit im Rate der Antrag auf ihre Ausweisung aus der 

3* 



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28 

Als den Stiftungstag bezeichnet C. Sttive in der „Ge- 
schichte der Stadt Osnabrück" HI, S. 92 den Gallustag 1595 
und sagt in einer x\nmerkung, diese Angabe beruhe auf „Rö- 
lings Osnabr. Kirchengeschichte und Archivalischen Nach- 
richten". Der unbestimmt gehaltene Ausdruck „Archivalische 
Nachrichten" läfst vermuten, dafs er kein bestimmtes Schrift- 
stück vor Augen gehabt hat: wahrscheinlich hat er den Tag 
aus schriftlichen Aufzeichnungen konstruiert. 

Nun wird in dem Berichte der fürstlichen Räte an den 
Landesherrn vom 26. September 1595, wie schon oben gesagt, 
ausdrücklich erwähnt, der Rat der Stadt habe ausgeführt, 
dafs „Jodocus Kirchhof etliche burger Kinder privatim in- 
„stituire. Und stunde je einem jeden frei, seinen Kindern einen 
„eigenen paedagogum zu halten." Das Domkapitel habe dann 
erklärt, „dafs der Schuelmeister Jodocus von dem Radte nit 
„angenommen, das nhemen sie für bekannt an." Ebenso lauten 
auch die Worte der beiden Parteien im Protokoll über die 
Verhandlung vom 24. September.^) Bis zu diesem Tage kann 
folglich von einer Schule des Rats noch nicht die Rede sein. 
Wesentlich anders liegt dagegen die Sache zwei Monate 
später. Nach einem Berichte nämlich an den Bischof vom 
23. November 1595 2) hat das Domkapitel erklärt, dafs der 
Rat „wider unsere plus minus Siebenhundertjehrige possession 
„vel quasi. So wjt titulo privilegii cum contradictione contra 
„senatum herogepracht, anfangs nicht allein turbative, Sun- 
„dem nach E. F. G, abzugh auch widder genhomenen mit dem 
„Herrn Cantzler und Rlieten abscheid mit einthuung und 



„Stadt werde gestellt werden, so glaubten sie doch an der Überzeugung 
„festhalten zu düi'fen, dafs sie unter dem Schutze des Papstes, des Erz- 
„bischofs von Köln, Mainz und Trier, des Bischofs von Ltittich und des 
„Herzogs von Jülich schliefslich siegen und die Achatiuskirche behalten 
„würden." (Progr. des Kön. kath. Gymn. an Marzellen zu Köln, 1886, Progr. 
Nr. 394, S. 16 f.). Konnte der Osnabrticker Rat sich auch nicht auf solche 
Mächte verlassen, wie die Kölner Jesuiten, so durfte doch auch er bei der 
bisherigen im ganzen wohlwollenden Haltung des Bischofs Philipp Sigismund 
annehmen, dafs er an diesem wenigstens keinen Gegner finden werde. 

') Vgl. S. 25. 

'^) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 57. Original. 



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29 

„wurcksamer einsetzungh Ihrer vermeintenn Schulmeistere in 
„die Schulen zu unser L. Frauwenn directo gehandelt." Schon 
vorher aber hatte es am 26. Oktober vor dem versammelten 
Landrate geklagt, Kirchhof nehme, sie wtifsten nicht ob mit 
oder ohne Erlaubnis des Rats der Stadt, die Marienschule in 
Besitz und habe noch einen Kollegen angenommen.^) 

Aus unsrer Ausführung geht somit hervor, dafs die Über- 
führung Kirchhofs in das Gebäude der Kirchspielsschule „zu 
Unser Lieben Frauen" zwischen dem 26. September und dem 
26. Oktober stattgefunden haben mufs. Wir können aber noch 
weiter gehen und den Tag innerhalb dieser Grenzen mit 
SicKerheit bestimmen. Das Osnabrücker Kön. Staatsarchiv 
besitzt nämlich eine kleine Handschrift, 2) deren Abfassung 
der Schrift nach etwa in die Mitte des 17. Jahrhunderts ver- 
wiesen werden mufs. Sie enthält kurze Angaben über die 
Einführung und Entwickelung der Reformation in unsrer Stadt 
und ist offenbar bei Gelegenheit der Säkularfeier der Osna- 
brücker Reformation verfafst, wie unter anderem ein am 
Schlüsse sich findendes Chronodistichon, welches auch Röling 
erwähnt,^) beweist. In ihr findet sich folgende Notiz: „ ^ . . . 
„Gott hat auch gnade geben, dafs von Anno 1595 ä die Galli 
„am 18. Octobr. Rectore Duo Jodoco Kirchhovio die löbliche 
„Rahtsz-Sciiule hieselbst bis auf Vorbenandtes 1628. Jahr in 
„herrlichem Flor und wolstande ist geblieben." Dies ist die 
erste nachweisbare schriftliche Aufzeichnung über das ge- 
suchte Datum ; sie ist aber um so wertvoller, als der Schreiber 
zu einer Zeit *lebte, in der es sicher noch Leute gab, welche 
mit Kirchhof in die Kirchspielsschule eingezogen waren. Er 
konnte mithin, wenn er nicht gar selbst dessen Schüler ge- 
wesen war, seine Nachricht aus authentischer Quelle haben. 

Nun heifst es in der Handschrift: „ä die Galli am 
18. Octobr.", und auch Röling a. a. 0. S. 122 giebt als Tag 
der Stiftung den Gallustag, „welcher einfiel am 18. Oktober", 



') Stüve, Gesch. d. Höchst. Osn., II, S. 374. 
*^) Msc. 249. 

^) Röling, Osnabrücksche Kirchenhistorie, S. 174. Über das Chrono- 
distichon vgl. auch Spiegel, Hermann Bonnus, 2. Anfl., S. 103 f. 



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30 

an. Dieser ist aber stets der 16. Oktober, und so könnte es 
zweifelhaft erscheinen, ob der 16. oder 18. das. in Frage 
kommende Datum sei; doch wird man sich für den 16. ent- 
scheiden müssen. Der Schreiber jenes Manuskripts oder sein 
Gewährsmann konnte sich nach fast 50 Jahren wohl in dem 
Monatsdatum irren; der Heiligentag lebte dagegen in der 
Erinnerung fort. In der Handschrift ist allerdings die Ziffer 18 
mit frischer Tinte und anscheinend von jüngerer Hand, in 16 
geändert; Eöling aber hatte sie wahrscheinlich vor der 
Änderung vor Augen, und so erklärt es sich, dafs auch er 
die falsche Angabe hat: er hat sie aufgenommen, ohne sie 
auf ihre Kichtigkeit zu prüfen, und ihm sind dann auch spätere 
Autoren gefolgt. 

Nach unsern obigen Ausführungen ist also der 
16. Oktober 1595 als der Tag anzusehen, an welchem 
das Ratsgymnasium gestiftet wurde. 

Bevor wir aber in unsrer Darstellung fortfahren, haben 
wir noch einen Punkt zu erledigen. Man könnte behaupten, 
der Rat habe gar nicht eine neue, der Kirchspielschule nicht 
konforme Schule stiften wollen, vielmehr diese nur unter 
seinen Schutz genommen und erweitert. Dem stehen aber 
aufser allgemeinen Erwägungen ganz besonders die Angaben 
der Kirchenrechnungen von St. Marien und der Lohnrech- 
rechnungen (Stadtrechnungen) gegenüber. In den ersteren 
nämlich finden sich sowohl vor wie nach dem Jahre 1595 
Ausgaben für die Kirchspielsschule, als deren Lehrer, wenn 
auch noch andere gleichzeitig an ihr unterrichtet haben, der 
Organist Rudolf Kotte erscheint, der also sicher der Haupt- 
lehrer war: die Lohnrechnungen dagegen weisen erst von 
1596 an Ausgaben für die Schule auf. Daraus ist zu ent- 
nehmen, dafs beide Anstalten von verschiedenen Behörden 
ressortierten, wenngleich die — niedere — Kirchspielsschule 
auch für die höhere Ratsschule vorbereitete : ein Verhältnis, 
wie es noch heute zwischen der Volks- und Bürgerschule 
einer- und dem Ratsgj^mnasium andrerseits besteht. 

Das Domkapitel beruhigte sich aber nicht; vielmehr 
entspann sich zwischen ihm und dem Rate der Stadt ein 



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31 

Streit, der bis in die Zeit des dreifsigjährigen Krieges dauerte 
und dessen Verlauf wir schon hier kurz — eine weitere Ausfüh- 
rung würde nicht am Platze sein ^) — angeben wollen, bevor 
wir auf die Entwickelung der Schule selbst eingehen. 

Schon am 23. November hatte das Kapitel, wie oben 2) 
erwähnt, gegen die Errichtung einer neuen Schule Protest 
eingelegt, indem es sich auf das ihm von Karl d. Gr. erteilte 
Privileg^) berief und ein sofortiges Einschreiten des Fürsten 
zu seinen Gunsten verlangte.^) Der Fürst und seine Räte 
waren der Stadt wenigstens nicht feindlich gesinnt, und so 
waren die letzteren der Ansicht, dafs zuvor der Eat der Stadt 
gehört, auch die Ritterschaft als der dritte Stand zu den 
Verhandlungen hinzugezogen werden müsse, was aus einem 
Schriftstücke, welches über die am 12. Oktober 1595 in Iburg 
stattgefundene Beratung der bischöflichen Räte unter sich, 
sowie über die am 13. Dezember gepflogene Verhandlung des 
Drosten Werpup und des Dechanten von St. Johann mit dem 
Kapitel berichtet,^) hervorgeht. 

Am 29. Dezember 1595 trugen dann Abgesandte des 
Kapitels dem Fürsten und seinen Räten ihre Beschwerden 
vor. ^) Sie betonten in erster Linie das dem Kapitel von Karl 
d. Gr. verliehene Privilegium. Der Rektor sei . kein Jesuit, 
sondern nur ein Clericus ; er habe beteuert, dafs er die Äufse- 
rung, „wer in die Marien- 'oder Katharinenkirche gehe, komme 
in die Hölle," nicht gethan habe. Wenn der Rat verlange, 
dafs von den Lehrern der Domschule an Sonn- und Festtagen 
je einer in die beiden Pfarrkirchen gehen sollen, um dort 
unter den Schülern Disziplin zu halten, so könne das auch 
ferner geschehen; doch seien die Lehrer dort nicht sicher: 
der Rat gebe das nur als Deckmantel an. Schon 1574 habe 



^) Vgl. die eingehende Darstellung bei Hartmann, Progr. 1865, S. 33 ff. 

'^) S. 28 f. 

») Vgl. S. 26. 

*) Vgl. auch das Schi'eiben des Kapitels an den Bischof vom 23. No- 
vember 1595. Katsarchiv. Stadtsachen. Ecclesiastica 57. Ratsgymnasium, 
Stiftung 1. 

*) Ratsarchiv a. a. 0. Abschrift. 

^) Ratsarchiv a. a. 0. Protokoll. Abschrift (oder Konzept?). 



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_32 _ _ 

das Kapitel sich beim Rate beschwert, dafs „Winkelschule'' 
gehalten werde; der Rat habe darauf erklärt, dafs ihm das 
nicht gefalle. Die fürstlichen Räte hatten dann wieder Ver- 
handlungen mit dem Rate der Stadt und dem Kapitel, die 
resultatlos verliefen, da der erstere vor allem das Vorhanden- 
sein eines Privilegs bestritt. Der Fürst und seine Räte 
suchten zu vermitteln, aber vergebens. Am 27. Januar 1597 
waren abermals Gesandte des Domkapitels beim Bischof in Iburg 
und legten vier Rechtsgutachten — der Universitäten Köln, 
Ingolstadt, Rostock und Marburg — vor, die verlesen wurden; 
sie verlangten dann, dafs der Fürst tlimi solle, „was er zu 
thun schuldig sei", d. h. dem Rate das Halten einer Schule unter- 
sagen. Die Räte erwiderten, die Rechtsgutachten seien „zu 
hoch" und müfsten gelehrten Leuten vorgelegt werden; sie 
baten deshalb um Abschriften, die ihnen versprochen wurden. ^) 
Die Gutachten gingen von dem Vorhandensein eines Privilegs 
aus und waren einseitig gefärbt, da sie auf der Darstellung 
des Kapitels fufsten: sie waren einig darin, dafs die Neue- 
rung während der Verhandlung abgestellt werden sollte. 

Dem Rate wurde dann am 31. März 1597 aufgegeben, 
sich über die Rechtsbelehrungen zu äufsern. Er schlug zu- 
nächst 31 noch lebende Zeugen vor, die von den fürstlichen 
Räten verhört werden sollten, und das Kapitel 6 Wochen 
später noch 47 weitere: sie wurden vernommen, sagten aber 
meistens zu gunsten der Stadt aus. Am 25. Juni erklärte sich 
der Rat in einem weitläufigen Aktenstücke, welches in Iburg 
überreicht wurde, gegen die Forderungen des Gegners:^) ein 
Privilegium des Kapitels, allein eine Schule halten zu dürfen, 
sei ihm nicht bekannt. Das „Privilegium Caroli Magni" kenne 
er wohl; es sei aber nicht ein „Privileg", sondern eine 
„oneratio" des Kapitels, indem es dem letzteren die Ver- 
pflichtung auferlege, für die empfangenen Wohlthaten eine 
Schule zu halten. Die alleinige Berechtigung des Gegners, 
in der Stadt eine Schule zu halten, habe er niemals aner- 
kannt; wenn er seine Schule aufgeben müsse, so liege die 

^) Ratsarchiv a. a. 0. 
^) Katsarchiv a. a. 0. 



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33 

Gefahr vor, dafs die Kinder gezwungen würden, zu katholischen 
Lehrern zu gehen, und nicht blofs sie, sondern die ganze 
Bürgerschaft der reinen evangelischen Lehre verloren gehen 
würden. Wenn er auch endlich den Prozefs gegen das Kapitel 
gewinne, so werde der Schaden doch für Stadt und Stift zu 
grofs sein, als dafs er wieder gut gemacht werden könne. 
Schiefslich wird der Fürst gebeten, die Umstände abzuwägen 
und nicht zu gestatten, dafs in „dieser hochwichtigen Sache, 
„so Gotts Ehr, unser Jugent und nachkommen seelen heil und 
„wolfart betrifft," die Stadt „durch einen executions oder 
„anderen summarischen Procefs übereilet und in eufserste ge- 
„fhar nicht allein der Schulen und christlichen ertziehung der 
„Jugent, sondern auch wharer Christlicher religion gesetzt" 
werde. Dabei wird nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dafs 
ein solches Verfahren dem Bischof selbst „als einem christ- 
„lichen und der Augfpurgischen Confession zugethanen Fürsten 

„ einen stoifs und schwere gedanken verursachen 

„mochte." ^) 

Der Rat begnügte sich mit dieser Erklärung nicht; er 
wandte sich nach Minden, Halberstadt und Hildesheim und 
ersuchte die Magistrate dieser Städte um Mitteilung über die 
dortigen Schulverhältnisse : in allen dreien hatten seit langem 
neben den Domschulen eigene Schulen der Städte bestanden. ^) 
Zwei Rechtsgutachten — der Universitäten von Leipzig und 
Rostock — kommen zu dem Schlufs, dafs der Rat auf einen 
summarischen Prozefs nicht einzugehen brauche, aber auch im 
geordneten Gerichtsverfahren nichts zu fürchten habe.^) 

Zu gleicher Zeit hatte man sich mit der Bitte um Schütz 
an Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg ^) und 



^) Die im Katsarchive a. a. 0. befindliche Abschrift trägt den Ver- 
merk: product. 1596; doch ist die Überreichung erst 1597 erfolgt. 

^) Die Antworten von Minden, dd. 19. Juli 1597 (Abschrift), von 
Hildeshei^i, dd. 21. Juli 1597 (Original) und Halberstadt, dd. 1. Juli 1597 
(Original) im Ratsarchiv, Stadtsachen. Ecclesiastica 57. Stiftung des Rats- 
gymnasiums. Streit mit dem Domkapitel 1. 

^) Ratsarchiv a. a. 0. 

*) Das Antwortschreiben des Herzogs im Staatsarchiv Osnabrück 
Abschn. 340^, Nr. 2. Original. 



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'34 

Friedrich Wilhelm, Herzog von Sachsen- Altenburg, den Vormund 
des minderjährigen Kurfürsten Christian von Sachsen, i) gewandt. 
Friedrich Wilhelm weist den Bischof auf die Gefahr hin, welche 
für den evangelischen Glauben daraus entstehen könne, wenn 
den Katholiken „dergleichen Wege gelingen sollten", und bittet 
ihn, die Sache in den Weg des ordentlichen Prozesses zu ver- 
weisen. Ähnlich äufsert sich auch der Herzog von Lüneburg. 
Im Winter ruhte der Streit, hauptsächlich wohl deshalb, 
weil verschiedene andere strittige Punkte beide Parteien er- 
regten und in Anspruch nahmen.^) Am 20. April 1598 da- 
gegen ging das Kapitel den Fürsten wieder um Hülfe an, 
dessen Eäte dann am 10. Mai abermals über die Klagen 
mit dem Stadtrate verhandelten ; dieser behauptete jedoch, er 
sei im Rechte; das Kapitel habe den Frieden gestört. Am 
2. August schlug der Bischof auf einem Tage zu Malgarten, 
w^o die Räte, die Ritterschaft und das Kapitel versammelt 
waren, vor, dieses solle den Zustand von 1591 wieder- 
herstellen, in welchem alle Lehrer der Domschule bis auf 
einen evangelisch gewesen seien: wenigstens sollen der Kon- 
rektor, der Lehrer der 4. und der der 5. Klasse der Augs- 
burgischen Konfession angehören. In der untersten Klasse 
verlange der Rat den Katechismus Luthers, in den oberen 
den des Chyträus, im übrigen aber Mitaufsicht über die Schule. 
Wenn man darauf nicht eingehen wolle, verlange er die 
Entscheidung des Reichskammergerichts. Das Kapitel berief 
sich auf sein Privileg und forderte die Entscheidung des 
Reichshofrats, die der Fürst indes ablehnte.^) Am 2. August 
wurde abermals verhandelt und zwar in Ösede. Der Rat 
brachte ein umfangreiches Gutachten des Rostocker Juristen 
Cothmann bei,^) der auf Grund des Rechts der freien Religions- 
übung das Recht der Stadt, eine eigene Schule zu halten, be- 

^) Das darauf bezügliche Sclireiben des Fürsten an den Bischof be- 
findet sich in der Bibliothek des Ratsgymnasiums, Hdschi-. A. XXXVI. 6. 

^) Auf diese hier einzugehen wüi-de zu weit fühi-en ; man vgl. darüber 
Sttive, Gesch. d. Höchst. Osn., II, S. 381 ff. 

») Stüve, Gesch. d. Höchst. Osn., II, S. 388 f. 

*) Ratsarchiv. Stadtsachen. Ecclesiastica57. Ratsgymnasium. Stiftung 1. 
Abschrift. 



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35 

hauptete. Man legte aufserdem eine Abschrift des Gutachtens 
der Marburger juristischen Fakultät vor, das dem Kapitel doch 
nicht so günstig war, wie es annahm, worauf auch Cothmann 
hinwies. Als der Fürst nun vorschlug, man solle die Sache 
dem Reichskammergericht, das ja mit Eichtern beider Kon- 
fessionen besetzt sei, zur Entscheidung vorlegen, äufserte der 
Eat ernste Bedenken dagegen: wenn dieses Gericht in erster 
Instanz entscheide, seien ihm die folgenden Instanzen ab- 
geschnitten.^) In einem Schreiben vom 9. September weist 
das Kapitel die Gutachten der nichtkatholischen Fakultäten 
und Juristen zurück und meint, man solle die Sache an den 
Kaiser oder, falls man das nicht wolle, an das Eeichskammer- 
gericht bringen: das sei dann statthaft, wenn der Vorder- 
richter das Urteil ablehne. Eine Eevision sei auch dann noch 
möglich. 2) (Ein solches Verfahren war übrigens nur angängig, 
wenn beide Parteien damit einverstanden waren.)^) 

Der Fürst erbat dann unter Einsendung der Akten an 
das Eeichskammergericht und Darlegung des Sachverhalts für 
sich von diesem ein Urteil, das indes zweimal verweigert 
wurde, mit der Begründung, dafs das Gericht kein Urteil er- 
lasse, welches nicht publiciert und vollstreckt werden solle.*) 

Wieder fanden Verhandlungen statt, die resultatlos 
blieben.^) Am 7. September 1601 konferierten der Fürst und 
seine Eäte auf der Kanzlei in Osnabrück mit dem Eate und 
den Predigern der Stadt.^) Diese erklärten aber nun, die 
Schulsache gehe Eeligion und Gewissen an. Wenn man jetzt 
sich wieder auf die Domschule einlasse, so sei man doch nicht 
sicher, dafs nicht später, wenn einmal andere jüngere Personen 
im Domkapitel mafsgebend sein sollten, abermals gefährliche 
Neuerungen stattfinden würden. Man müsse an dem Eechte, 

1) Hartmann, Progr. 1865, S. 37 f.; Stüve, Gesch. d. Höchst. Osn., II, 
S. 389. Das Original befindet sich im Ratsarchiv. 

^) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 57. Ratsgymnasium, Streit 
mit dem Domkapitel, 3. 

^) Vgl. das genannte Schreiben des Kapitels. 

*) Mehrere Schreiben aus dem Jahre 1600 im Ratsarchiv. Stadtsachen, 
Ecclesiastica 57. Ratsgyinnasium. Streit mit dem Domkapitel, 5. 

*) Die Akten im Ratsarchiv a. a. 0. 

®) Protokoll im Ratsarchiv a. a. 0. 



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36 

eine lateinische Schule halten zu dürfen, festhalten, wolle 
aber um des Friedens willen versprechen, nie weniger als 
sechs Lehrer zu halten. 

Vorher schon hatte das Domkapitel beantragt, die Sache 
einem Schiedsgericht, das aus Mitgliedern des Reichskammer- 
gerichts und Rechtsgelehrten, die beiden Konfessionen an- 
gehören sollten, bestände, zu übertragen ; der Rat aber hatte 
das abgelehnt.^) 

Der Bischof wandte sich nun an 3 auswärtige Juristen, 
die DD. Wippermann aus Wiedenbrück, Ulrich und Deich, 
die (Juni 1663) erklärten, der Stadt sei das Recht, Schule zu 
halten, vorläufig zu belassen, doch dem Kapitel der ordent- 
liche Rechtsweg zu gestatten, was den Parteien am 21. Juni 
1603 mitgeteilt wurde. 2) Das Domkapitel protestierte dagegen 
und appellierte an den Reichshofrat, wobei dann aber der 
Thatbestand nicht richtig angegeben wurde,^) und Kaiser 
Rudolf IL gab nun unter dem 29. November 1603 dem Rate 
auf, binnen 36 Tagen, vom Tage der Insinuation der Ladung 
an gerechnet, sich durch einen Anwalt am kaiserlichen Hofe 
„einzufinden", d. h. vertreten zu lassen. Das Schreiben wurde 
aber dem Rate erst am 7. Mai 1604 vom Kapitel zugestellt,*) 
und es begann jetzt einer jener Prozesse, die Jahre dauerten, 
viel Geld kosteten und doch kein greifbares Resultat lieferten. 
Die Einzelheiten desselben hier zu verfolgen, geht über den 
Rahmen unsrer Darstellung hinaus. Bischof Philipp Sigismund 
starb am 19. März 1623, ohne dafs er das Ende des Streites 
erlebt hätte. Er hatte sich bestrebt, Recht und Gerechtigkeit 
nach allen Seiten hin walten zu lassen, wie auch der Iburger 
Abt Maurus Rost hervorhebt;^) das war auch der Grund, 
weshalb er die uns hier interessierende Angelegenheit zu 
keinem Ende führte: die streitenden Parteien Waren eben 



1) Stüve, Gesch. d. Höchst. Osn., II, S. 414. 

^) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 57. Ratsgymnasium. Streit 

mit dem Domkapitel, 6. Abschriften. 

^) Ratsarchiv a. a. 0. Undatierte Abschrift. 

^) Ratsarchiv a. a. 0. Original. 

^) Osnabrticker Geschichtsqnellen, III, S. 90. 



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37 

nicht zu versöhnen, und durch Gewaltmafsregeln war nichts 
zu erreichen. 

Als Nachfolger wählte das Domkapitel den Kardinal 
Itel Friedrich von HohenzoUern, einen der katholischen Kirche 
ergebenen Fürsten, der bestrebt war, den Glauben, dem er 
anhing, wieder zur Geltung zu bringen.^) Wie er einerseits 
sich bemühte, in der katholischen Kirche vorhandene Mifs- 
stände zu beseitigen, so suchte er anderseits die evangelische 
Lehre, die zahlreiche Anhänger in seiner Diözese zählte, zurück- 
zudrängen; 2) aber seine Eegierung dauerte zu kurze Zeit, als 
dafs es ihm gelungen wäre. Nennenswertes zu erreichen; er 
starb schon am 19. September 1625. Die Ratsschule war im 
wesentlichen unbehelligt geblieben. 

Das wurde anders unter seinem Nachfolger, dem Grafen 
Franz Wilhelm von Wartenberg, einem bairischen Prinzen, 
der am 27. Oktober 1625 gewählt wurde — einem streng 
katholischen Fürsten, der alles daran setzen zu müssen meinte, 
seinen Glauben wieder zur Herrschaft zu bringen. Dabei kam 
ihm die politische Lage zu statten. Der niedersächsisch- 
dänische Krieg griff auch in die hiesige Gegend über, die 
bald von den Scharen Ernsts von Mansfeld und Bernhards 
von Weimar, bald von denen der Liga überschwemmt wurde. 
Erst nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge — 17. August 
1626 — konnte der Bischof es wagen, seine Absichten zu 
verwirklichen.^) Am 4. Dezember 1627 hatte der Kaiser der 
Stadt eine Besatzung auferlegt, die am 19. Januar 1628 in 
Stärke von 1600 Mann eintraf; dazu mufste eine wöchentliche 
Kontribution von 3000 4 erlegt werden, ganz abgesehen von 
sonstigen schweren Leistungen.^) So war denn die Bevölkerung 
entmutigt, und der Bischof konnte seine Pläne durchführen. 
Am 19. März forderte er die beiden Pfarrkirchen von St. 
Katharinen und St. Marien zurück; am 25, März, als die Ge- 
meinde in der Marienkirche versammelt war, wurde diese mit 
Gewalt von der katholischen Geistlichkeit in Besitz genommen 

') Mittheüungen des Hist. Ver., Xn, S. 15 ff.; S. 35 ff.; S. 37; S. 39 ff. 

2) Mittheilungen des Hist. Ver., XII, S. 43. 

^) Vgl. Sttives Darstellung in den Mitth. d. H. V., XII, S. 74 ff. 

*) Mitth. des H. V., XII, S. 97 f. 



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_ J8 

und am 26. die Katharinenkirche desgleichen.^) Am 13. Mai 
wurde dann auch die Eatsschule durch ein strenges Mandat 
aufgehoben. 2) Da der Rat beim Fürsten dagegen vorstellig 
wurde, zog sich der definitive Schlufs derselben noch einige 
Zeit hin; er scheint aber anfangs Juni erfolgt zu sein.^) 

b) Die innere Entwickelung der Schule. 

Die neugestiftete Schule nahm bald einen bedeutenden 
Aufschwung. Im Sommer 1597 erklärte der Rektor Jodokus 
Kirchhof vor den Beauftragten des Rates in der Katharinen- 
kirche: Als er mit seinem Gehülfen Barthold an St. Marien 
Schule gewesen, habe er 40 Schäler gehabt, jetzt aber habe 
er deren 200. Von den Tertianern seien etliche auf Akademien 
gegangen. Wenn er noch einen „Gesellen" (Lehrer!), der den 
lateinischen Alphabetariis, und noch einen, der den sextanis 
und septanis(!) vorstehe, bekomme und dann bessere Aufsicht 
auf dem Chor und bei dem Singen geschehe; so hoffe er, die 
Schule werde mit den andern westfälischen Schulen wohl 
konkurrieren können.*) 

Die ersten Lehrer waren Kirchhof als Rektor, Barthol- 
dus Ringen und der Lehrer der Kirchspielsschule Rudolf 
Kotte.^) In der Lohnrechnung von 1596 heifst es: „Den 
„zwein angenhommen Schulmeistern und derselben gehulpfen 
„seint vur diefs jhar gehabte muhe und arbeit in alles ge- 
„geben und verehret 86 thal," Unter dem Ausdruck „ge- 
hulpfen" kann Kotte allein verstanden werden, notwendig ist 
es jedoch nicht: auch die Annahme ist zulässig, dafs damit 
auch der M. Münstermann und der Hauslehrer Schraders ge- 
meint sind, die nach einer Eingabe des Domkapitels an den 



1) Mitth. d. H. V., Xn, S. 104; XI, S. 374 f.; R. von BeUinckhausen, 
Jahrbücher der Stadt Osnabrück im Auszuge, in der Bibliothek des R.-G., 
Hdschr. A. VI. 

^) BeUinckhausen a. a. 0. 

^) Die darauf bezüglichen Akten finden sich im Osn. Staatsarchiv, 
Abschn. 340^, Nr. 2; doch geben auch sie über das Datum keinen Aufschlufs. 

*) Protokoll im Ratsarchiv, Ecclesiastica 57, Stiftung des Rats- 
gynmasium, Streit mit dem Domkapitel. 2. 

^) Vgl. das genannte Protokoll. 



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39 

Bischof an der Schule — wohl aushülfsweise — unterrichtet 
haben sollen. Die drei Lehrer hatten anfangs nur eine münd- 
liche Bestallung erhalten, und es war ihnen eröffnet, dafs hin- 
fort die Kirchspiels- und die Ratsschule nur eine sein und sie, 
die Lehrer, sich friedlich verhalten sollten. Sie waren auf 
vierteljährliche Kündigung angestellt. 1597 werden nach der 
Lohnrechnung den Lehrern an Besoldung 161 4 gegeben^ 
1598 dagegen den fünf angenommenen Lehrern: 182 4y 
1599: 200 i^.^) Klassen gab es anfangs 4: Sexta, Quinta^ 
Quarta und Tertia, aus welcher die Schüler zur Universität 
gingen — eine Einrichtung, die noch bis ins 18. Jahrhundert 
bestanden hat. An Gehältern wurden im Jahre 1600 gezahlt 
aufser einem Stipendium von 25 i^, welches „nicht vergeben 
gewesen und nur diefsmall hiezu gepraucht" : 111 4 10 ß 6 ^y 
1601 aufser einem nicht vergebenen und für dies Mal hierzu 
verwandten Stipendium: 118 4 10 ß 6 ^\ 1602 aufser 26 V2 4 
nicht vergebenen Stipendiatengeldes : 224 4 10 /9 6 ^ ; 160S 
aufser 5 1^, die der Organist für das Vesperläuten am Sonn- 
abend erhalten hat, fär V4 Jahr: 373 V4 4; 1604— 1608 aufser 
den genannten 5 4:300 4] 1609 ebenso : 300 1# ; 1610—1612 : 
320 4; 1613: 329 4; 1614—1616: 338 4] 1617: 340, i#; 
1618: 331 4 oß 3^; 1619: 360 4] 1620: 350 1^; 1624 :2) 
368 1$; 1625: 353 4; 1626: 345 w^; 1628:») 112 4 5 ß 3 ^. 
Nach dem Ratsprotokoll von 1627 lautete der Voranschlag 
für 1627 auf 660 4, weil aufsergewöhnliche Umstände aufser- 
gewöhnliche Ausgaben verlangten: 607 4 glaubte man aus 
verschiedenen Quellen zusammenbringen zu können ; ^) ob sie 
aber gebraucht sind, erscheint mehr als fraglich, da die Auf- 
hebung der Schule im folgenden Jahre einen Strich durch die 
Rechnung zog. 



^) Nach Hartmann, Progr. 1865, S. 8 waren es 6 Lehrer ; indes werden 
die „zum Teil jetzt unbekannten QueUen", auf die nach seiner Angabe 
Fortlage im Progr. von 1808 sich stützen soU, wohl auf Strodtmann hinaus- 
kommen, der aber nur 5 kennt und Weiner als Konrektor auf Glaser 
folgen läfst. 

2) Die Rechnungen von 1620—1623 fehlen. 

^) Die Rechnung von 1627 fehlt. 

*) Hartmann, Progr. 1865, S. 30. 



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40 

Die Einnahme der Lehrer bestand aus einer — wie die 
obengenannten Posten zeigen — nur geringen festen Besol- 
dung, zu der das Schulgeld und die Accidenzien sowie die 
Befreiung von bürgerlichen Lasten traten. Wenn auch die 
letzteren Kompetenzen verhältnismäfsig hoch gewesen sein 
mögen, so würde man doch über den geringen Betrag sich 
wundern, bedächte man nicht den ungleich höheren Wert des 
Geldes in damaliger Zeit.^) In Roermonde betrug die Haus- 
miete des Rektors (nach modernem Ausdruck die „Mietsent- 
schädigung") 1579 bei 100 4 zu 30 Stüber Gehalt: 8 Ritter- 
gulden zu 24 Stüber, 2) also annähernd Vi 6 des Gehaltes: 
welcher Lehrer an einer höheren Schule würde heutzutage unter 
solchen Verhältnissen wohnen können ? In Jülich kostete aller- 
dings um das Jahr 1600 der Malter Roggen 4V2 — 6 Gulden^) 
in Osnabrück 1624: 4 ,$ 23 5?^/: 1 ^!^) Verhältnismäfsig hoch 
erscheinen dagegen die den neugewählten Lehrern zugebilligten 
Reisekosten: Arnold Blessäus, 1612 von Rostock berufen, er- 
hält an solchen 15 4 und 5 4 7,pro arrha" ; 1614 der Kantor 
Panzer pro arrha : 5 4\ 1618 der Subkonrektor Schröder, 
von Giefsen vociert : Reisekosten 14 4i pro arrha 5 •$ ; in 
demselben Jahre Petrus Pechlin, von Rostock berufen : 30 1^, 
und Johann Wennemar, „den septimanis vorgestellt," 3 4-^) 

Rektor war bis zum Jahre 1627, in dem er seines Alters 
wegen emeritiert wurde, der mehrfach genannte Kirchhof. 
Ihm folgte M. Sylvester Pribenius, der vorher Rektor in 
Herford gewesen, aber dort abgesetzt war. Er scheint nur 
kurze Zeit sein Amt verwaltet zu haben, ^) da noch in dem- 
selben Jahre Christoph Schröder als sein Nachfolger ge- 
nannt wird.^) Er ging, nachdem die Schule aufgehoben war, 
nach Herford, wo er gleichfalls Rektor wurde. 



^) Vg:!. darüber Kühl, Geschichte des früheren Gymnasiums zu Jülich, I. 
Jülich 1891, S. 56 ff. 

2) Kühl a. a. 0., S. 56. 

») Kühl a. a. 0., S. 57. 

*) Fischer in den Mitth. d. Hist. V., X, S. 291. 

^) Vgl. die Lohnrechnungen. 

6) Hartmann, Progr. v. 1865, S. 9 ; Strodtmann, Progr. v. 1869, S.21. 

^) Hartmann a. a. 0., S. 9 ; Strodtmann a. a. 0., S. 21. 



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41 ^ 

Konrektoren waren Weiner von 1597 — 1599 ; Glaser von 
1599 — 1613; Arnold Blessäus, von Rostock berufen, von 
1613 — 1618; Peter Pechlin, ebenfalls von Rostock geholt, von 
1618—1621; David Sylvester Thomas von 1621—1624; 
Christoph Schröder von 1624 — 1627; Philipp Evering^) 
Pechlin ging 1621 als Rektor nach Minden, kam aber 1633 
als Prediger an der Marienkirche wieder nach Osnabrück und 
starb 1664;^) sein Leichenstein ist in der Marienkirche. 
Thomas Sylvester wurde als Geistlicher in sein Vaterland 
Hessen berufen und verunglückte auf der Heimkehr in der 
Eder. Der Rat bewilligte seinen Hinterbliebenen 30 if.^) 

Als Subkonrektoren erscheinen Glaser von 1597 — 1599; 
Joachim Neithmann von 1600 — 1617; Christoph Schröder 
von 1618 — 1623, in welch letzterem Jahre er Konrektor wurde ; 
Hermann Evering von 1623 — 1627 und Heinrich Arcu- 
larius. Neithmann war anscheinend von 1614—1617 Gehülfe 
des schwächlichen Magister Wolfgang Helvicus, wurde 1617 
dritter und 1625 zweiter Geistlicher an St. Marien und 1628 
mit vertrieben. Er starb als Pastor zu Schortens in Ost- 
friesland.*) 

KoUaboratoren waren nach Strodtmann der Reihe nach : 
David Sylvester Thomas, Hermann Evering, Theodor 
Kruse. 

Als Kantoren fungieren: Barthold Ringen 1595, Bern- 
hard Panzer oder Loricius von 1613 — 1628;^) als Lehrer der 
7. Classe: Joachim Neithmann 1598—1599, Henning Bax- 
mann von 1599—1600, Peter Heismann ß) von 1600—1610, 
Heinrich Gofs 1610—1618, Johann Wennemar aus Strelitz 
1619—1628; als Lehrer der 8. Klasse: Albert tor Molen, 



^) Hartmann a. a. 0., S. 9 f. ; Strodtmann a. a. 0., S. 30 f. 

^) Hartmann u. Strodtmann a. a. 0. ; Röling, Osnabrücksche Kirchen- 
historie, S. 164 ; 201 f. 

^) Lohnrechnung von 1624. 

*) Hai-tmann a. a. 0., S. 10; Strodtmann, a. a. 0., S. 34. 

®) Er wurde 1628 vertrieben und ging als Kantor nach Ahlfeld, kam 
aber 1634 zurück; Strodtmann, a. a. 0., S. 35. 

^) Er wurde Prediger an St. Marien und starb als solcher 1626; 
vgl. Strodtmann a. a. 0., S. 36. 

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' 42 

Johann Wiclimann, Peter Willicli und Johann Goddäus 
(Gödde). 

Als Schulgebäude diente die Marienkirchspielsschule; in 
den ersten Jahren nach der Gründung der Anstalt finden sich 
in den Lohnrechnungen mehrfach kleine Ausgaben, die aus- 
drücklich als für das Gebäude gemacht bezeichnet werden. 
So z. B. werden 1596 an Gerdt Hammacher für neue Fenster 
und Ausbesserung alter in der Hegerpforte, auf der Schule, 
des Rats Stelle, auf der Legge und im Weinkeller 22 Mk. 4 ß 
3 Pf. bezahlt ; in demselben Jahre erhält der „Kleinschnitzer" 
Gerhard Lange für allerlei Arbeit auf der Schule 9 Thaler 
19 ß. Im Jahre 1597 bekommt „Johann Schurmann vur vier 
„Tafeln auf der SchuU zum exercitio musices et arithmeticae 
„unnd ein Sonnenzeiger vur der Heger Pforten anzustreichen 
„und zu vermahelen" 2 ♦$ 15 /? 9 ^. Andere Posten mögen 
noch in den allgemein als „für des Rats Häuser" ausgegebe- 
nen enthalten sein. Das Domkapitel berichtet zwar schon im 
Januar 1597 an den Bischof, dafs, wie es gehört habe, der 
Rat Steine zum Bau einer Schule anfahren lasse ; aber in den 
Lohnrechnungen findet sich keine Andeutung darüber, dafs 
das, wenn es überhaupt geschah, für die Ratsschule bestimmt 
sein sollte. Dagegen heifst es in der Lohnrechnung von 1600: 
„Item difs Jhar ein Neuw Medtlein Schul erbauwen lassen^ 
„wilche in alles Costett 50.^17/?2^1 hell.," und diese 
„Kinder oder Metgen SchuU" ist nach der Lohnrechnung von 
1613 bei der grofsen Feuersbrunst am 11. März mit abge- 
brannt ; vielleicht waren jene Bausteine für diese Schule be- 
stimmt, wenngleich bislang irgendwelche andere Nachricht 
über dieselbe sich nicht gefunden hat.^) Röling berichtet, 2) 
bei dem Brande sei „des Rats Schule, obschon das glühende 
Creutz vom Thurm (der Marienkirche) darauf gefallen und 
sie an die brennende Kirche und Wehme gebauet war," doch 

1) Vgl. Bohr in den Mitth. des Hist. Ver., XX, S. 229 f. (Auf den dem- 
nächst erscheinenden verdienstvollen Aufsatz über das „ Osnabrücker • Volks- 
schulwesen" sei hier ausdrücklich hingewiesen.) Stüve (Mitth. des Hist. Ver. XI^ 
S. 147) berichtet, die Mädchenschule sei in das alte Domschwesternhaus^ 
welches an der Westseite der Tumistrafse gestanden habe, gelegt : doch läfst 
sich die Richtigkeit dieser Angabe vorläufig wenigstens nicht kontrollieren. 

2) S. 135. 



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43 

erhalten geblieben. Die Kirchspielsschule ist später verlegt; 
wann aber? entzieht sich unsrer Kenntnis. 

Was nun den Unterricht in der neuen Anstalt anbetrifft, 
so sind wir über diesen nur durch die Schulordnung von 1627 
unterrichtet, die zwar ihrer Zeit gedruckt aber nur noch in 
einem handschriftlichen Exemplar erhalten ist.^) 

Danach stand auch jetzt noch die Religion im Vorder- 
grunde des Unterrichts. Lehrbücher waren die Bibel, die augs- 
burgische Konfession nebst der Apologie, die schmalkaldischen 
Artikel und die beiden Katechismen Luthers. 

Es folgen „die artes sammt ihren autoribus," d. h. 
Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Musik, Arithmetik, in den 
oberen Klassen, wie auch schon vorher gebräuchlich, Physik, 
Ethik, Geschichte und Geographie. Nur das für die Schüler 
Notwendige soll gelehrt werden; will jemand sich weiter 
bilden, so mag der Lehrer das mit Erlaubnis der Scholarchen 
(des Kuratoriums oder Schulvorstandes) und des Rektors 
privatim fördern. Von den Lehrbüchern, unter denen des 
Ramus Logik und des Talaeus Rhetorik genannt werden, zu 
denen in den oberen Klassen die Schriften des Aristoteles 
und Melanchthons treten, dürfen die Lehrer ohne Bewilligung 
des Scholarchen nicht abweichen, da vielerwärts die Regeln 
oft verändert und auf diese Weise die Knaben verwirrt 
werden. Auf keiner Stufe sollen die Schüler mit Diktaten 
„beschwert", vielmehr sollen sie im praktischen Gebrauche 
der Regeln geübt werden, damit diese in einem halben Jahre je 
nach dem Klassenpensum durchgenommen werden und festsitzen. 

Dazu treten nun Deklamations- und Disputationsübungen, 
wie sie u. a. auch von Melanchthon wieder eingeführt waren 2) 
und durchweg in lateinischer Sprache abgehalten wurden. 
Bei den Disputationen waren Thesen, die auf die Religion 
Bezug hatten, verboten, was sich aus der oben geschilderten 
Entstehung und Stellung der Schule erklärt. Die Disputationen 
fanden Sonnabends statt und zwar gleich nach dem um 12 Uhr 
mittags in der Kirche abgehaltenen Vespergebet, an dem alle 

1) Vgl. Runge in den Mitth. d. Hist. Ver., XVII, S. 200 ; 327. 
^) Vgl. Ziegler, Geschichte der Pädagogik, München 1895, S. 73. 

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44 

Schüler teilzunehmen verpflichtet waren. Sie konnten in allen 
Klassen abgehalten werden, und jedem wurde gestattet, zu 
opponieren. Auch in lateinischen Reimereien wurden Versuche 
angestellt ; doch beschränkte man sich hier auf Nachahmungen 
lateinischer Vorbilder, indem Wörter und Phrasen, die in der 
Lektüre vorgekommen waren, benutzt wurden. (N. B. Der 
Verfasser und seine Mitschüler haben noch vor 23 Jahren als 
Primaner einige Male unter der Leitung eines Lehrers Ver- 
suche in dieser Richtung angestellt : die Resultate „waren 
aber auch danach".) Das Studium der Sprachen, besonders 
der lateinischen, griechischen und hebräischen, sollte sorg- 
fältig und eifrig betrieben werden. 

Aus der Quinta (heutzutage = Tertia) sollte keiner nach 
der Quarta (unserer Sekunda) versetzt werden, der nicht seine 
Gedanken gehörig ausdrücken, somit in der Prosalektüre der 
Klassiker selbst fortkommen und „in artibus logicis von den 
Lehrern etwas Nützliches fassen möge". Der Lehrer soll 
darauf sehen, dafs auch die, welche nicht studieren, sondern 
einen anderen Lebensberuf ergreifen wollen, von dem, was sie 
auf der Schule gelernt, später einigen Genufs haben. ^) Von 
dem Betriebe in den übrigen Klassen — die Schüler, welche 
in das praktische Leben übergehen wollten, traten wohl mei- 
stens aus der Quinta aus — erfahren wir nur wenig; auch 
in den unteren standen Latein und Religion im Vordergrunde. 

Die Zeit, welche den einzelnen Unterrichtsgegenständen 
zugewiesen war, läfst sich mit Sicherheit nicht angeben. Nach 
der Schulordnung sollten jedenfalls morgens 2 und nach- 
mittags 2 Stunden gegeben werden, wobei am Donnerstag 
nachmittags der Unterricht ausfiel und am Sonnabend nach- 
mittags, wie schon erwähnt, der Vespergottesdienst besucht 
und nachher disputiert werden sollte. Soweit würden 2x6 
Morgenstunden und 2x4+1 (oder 2) Nachmittagsstunden 
herauskommen, also im ganzen etwa 21 oder 22 Stunden. Dem 
entspricht ein älterer Stundenplan, der zwar kein Datum auf- 



^) Vgl. die BestaUung des Subkonrektors Evering vom 25. April 1623. 
Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 60. 61. Acta die Conrectores betr., 
Konzept, und etwas abgeschwächt in der Schulordnung von 1627. 



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45 

weist, aber der Schrift nach etwa um 1600 zu setzen isl.^) 
Den Löwenanteil erhält auch hier das Latein, während von 
Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Mathematik, Rechnen 
und deutscher Sprache ebensowenig die Rede ist, wie in der 
von Hartmann erwähnten Mindener Schulordnung. 

Unterrichtet wurde morgens von 7 — 9 Uhr und nach- 
mittags von 12 — 2 (bezw. 3) Uhr, und zwar auch im Winter. 
Begonnen wurde mit dem Aufsagen von Gebeten und mit dem 
Lesen eines Abschnittes aus der Bibel; aber schon 1627 
wurde vom Rate den Lehrern eine Ermahnung zugestellt, 
pünktlich anzufangen, worauf diese erwiderten : der Rat möge 
die Küster und Türmer veranlassen, auf ihre Uhren mehr 
achtzugeben und sie nicht diesem oder jenem zu liebe bald 
vor- oder nachgehen zu lassen. Es könne nicht schaden, wenn 
der Türmer an der Marienkirche seine Uhr etwas später 
schlagen lasse als die übrigen. 2) 

Öffentliche Prüfungen fanden am Ende eines jeden Halb- 
jahres statt in Gegenwart des Rats, der Geistlichen und 
sonstigen Gönner der Anstalt. Ferien gab es nur zweimal 
jährlich, und zwar Ostern und Michaelis je 4 Wochen. 

Aufser den öffentlichen Lehrstunden gab es nun auch 
noch Privatlektionen, die für die unteren Klassen Cella, für 
die oberen Kollegium genannt werden. Hartmann meint, 
was hier getrieben sei, sei unbekannt ; indes ist es vielleicht 
gestattet, aus späterer Zeit auf die 'frühere zu schliefsen. In 
einem Programm vom 9. Mai 1764 3) giebt der damalige 
Rektor Wagner eine Übersicht über die Lektions- und Stunden- 
verteilung. Nach derselben ist der Privatunterricht doppelt. 
Dem ordentlichen müssen alle Schüler von 9 — 10 Uhr, und 
von der Quinta an bis zur untersten Klasse einschliefslich 
auch von 3 — 4 Uhr beiwohnen. Der aufserordentliche hängt 



^) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 59. Unterricht (Unterrichts- 
plan). Siehe Anlage 1. Vielleicht ist es der erste Stundenplan der 
Anstalt. 

^) Ratsarchiv. Stadt Sachen, Ecclesiastica 57, 3. Ältere Schulordnungen. 
Original. 

^) Bibliothek des R.-G. 



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/ 46 

von dem Gutbefiiiden und der Abrede der Lehrer und Schüler 
ab. In dem aufserordentlichen lehrt der Eektor Arithmetik 
und Geometrie und liest ein Cursorium über das ganze grie- 
chische Neue Testament; der Konrektor Richard liest in den 
ordentlichen über Ovids Metamorphosen, Ciceros de officiis, 
Livius, Terenz, Tacitus' Germania, Plinius, Sueton, Curtius 
und Justinus ; der Subkonrektor Wifs behandelt in den ordent- 
lichen Justin, Geschichte und Geographie, auch erteilt er An- 
leitung im Briefschreiben: die ordentlichen will er nach dem 
Befinden der Anfänger und Geübteren einrichten ; der Kantor 
Michaelis erklärt in den ordentlichen den Eutrop und be- 
handelt Geschichte und Geographie, in aufserordentlichen 
Litterae und Musica ; der Lehrer der untersten Klasse (Oktava) 
will morgens von 9 — 10 die Deklinationen und nachmittags 
von 3 — 4 die Konjugationen „einpauken". Analog wird auch 
in der ersten Periode unsrer Anstalt verfahren sein. 

Aufser diesen Privatlektionen wurde noch Privatunter- 
richt in heutigem Sinne erteilt; auch darüber enthält die 
Schulordnung Bestimmungen: für jüngere Schüler kostete er 
halbjährlich nicht mehr als 1 i^, für ältere nicht mehr als 
IV2 "f- Die Lehrer sind gehalten, auf das Vermögen der 
Eltern zu sehen und ihre Privatstunden abzugeben, wenn sich 
geeignete Pädagogen finden. 

Diese Pädagogen waren Schüler der oberen Klassen, 
welche in dem Hause ihrer Zöglinge freie Station und die 
Verpflichtung hatten, die Arbeiten aber auch das Leben der 
ihnen Anvertrauten zu überwachen. Alle Schüler mufsten 
solche „Privatpräceptoren", wie Hartmann sie nennt ^), haben, 
wenn sie nicht selbst solche waren. Dafs sie manchen Nutzen 
bringen konnten, läfst sich nicht verkennen; doch hebt auch 
Hartmann schon hervor, dafs in dieser Einrichtung eine grofse 
Gefahr lag 2). Man suchte dem aber zu begegnen, indem 



^) Progr. 1865, S. 20. Vgl. übrigens über diese Einrichtung noch 
Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts, S. 226. 

'-*) Hartmann a. a. 0. S. 21. Die von ihm angeführte „Lebens- 
geschichte Heinrich Laags'*, die jetzt sehr selten geworden ist — ein 
Exemplar besitzt die Bibliothek des K.-G. — ist zwar selir drastisch ge- 



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47 

l)estimmt wurde, dafs der Rektor die Pädagogen allmonatlich 
auf einen bestimmten Tag vor sich bescheiden und von ihnen 
Rechenschaft ihrer Präfektur fordern solle. 

Da die Jugend noch „fast roh und wild" ist und „in 
etzlichen Häusern allerlei Zecherei und sonst auf den öffent- 
lichen Strafsen mancherlei Unordnung vorfällt," sollen die 
„Wirthsheuser, Tabernen und Strafsen" ernstlich beaufsichtigt 
werden, und der Rektor soll nicht blofs solche Unordnung 
verbieten, sondern auch, wenn es notwendig sein sollte, sogar 
mit einigen Stadtdienern, welche ihm dazu gestellt werden, 
die Visitationen vornehmen und Schüler, die sich etwas zu 
schulden kommen lassen, in der Schule bestrafen. Ebenso 
soll er seinen Schülern verbieten, die Lehrer oder Zöglinge 
der Domschule wie auch die Geistlichen zu belästigen und 
Zuwiderhandelnde streng bestrafen; wenn aber die Rats- 
schüler von den andern beleidigt werden, sollen sie dem Rektor 
Anzeige machen, der dann das weitere veranlassen wird. 

Die Lehrer sollen sich so verhalten, dafs die Schüler 
sich ein Beispiel daran nehmen können: sie sollen sich daher 
fleifsig zur Kirche und zu den Sakramenten halten, allen 
unpassenden Verkehr meiden und ihre Lektionen gehörig 
halten. Besonders wird ihnen Einigkeit unter einander ein- 
geschärft : entsteht Zwietracht zwischen dem Rektor und den 
Lehrern, so sollen die Scholarchen diese beilegen; ist es 
zwischen Lehrern der Fall, so sollen die Scholarchen und der 
Rektor sich ins Mittel legen. Der letzere soll nicht blofs 
„nudus coUega in docendo et disputando sondern das Haupt 
des gantzen Gymnasii in regendo" sein; Schüler und Lehrer 
sollen ihm daher, „soweit ihr Ampt sich erstrecket und des 
Gj^mnasii salus erfurdertt", unweigerlich gehorchen. Kein 
Lehrer soll ohne seine Einwilligung Privatkollegien halten 
noch Schüler, welche die Anstalt nicht besuchen, annehmen 
oder Nebenschulen errichten. Jeder Lehrer soll vor dem An- 
tritt seines Amtes die Schulordnung durchlesen und durch 
seine Namensunterschrift sich verpflichten, sie zu halten. Sie 

schrieben; ob aber die Farben nicht manchmal etwas zu stark aufgetragen 
j?ind, möchte ich annehmen. 



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48 

soll dem Rektor und den Kollegen jedes halbe Jahr vor Be- 
ginn des Unterrichts vorgelesen, auch ihnen abschriftlich zu- 
gefertigt werden. Der Lehrplan (elenchus), der vom Rektor 
und Konrektor entworfen wird, wird gedruckt und öffentlich 
— auch in andern Städten, um auswärtige Schüler heranzu- 
ziehen — angeschlagen. Hartmann ^) meint, aus jenen Zeiten 
sei keiner erhalten; doch ist es nicht unmöglich, dafs der 
S. 45 erwähnte einer der drei in den Lohnrechnungen bis 
1628 erwähnten ist: 1603 wurden nämlich für den Druck 
eines solchen 2 4 o ß 3 .^, 1613 4 4 o ß 9 ^ und 1620 2 4 
10 /? 6 ^ verausgabt. 

Die Aufsicht führten als vorgesetzte Behörde die Scho- 
larchen. In der Schulordnung von 1627 werden als solche 
genannt der Superintendent Wolfgang Helvicus, der 
Syndicus Johann Walfeldt, der Senator Manto Dalde, 
welcher später die Stadt bei den Friedensverhandlungen in 
Münster vertrat 2), und der Rektor emer. Kirchhof. Sie 
hatten aufser den oben genannten Funktionen auch die Pflicht^ 
den Unterricht öfter unvermutet zu inspizieren und auf eines 
jeden Ernst und Fleifs Achtung zu geben. 

Dafs auch damals schon, wie später, die Schüler bei 
Leichenbegängnissen angesehener Leute zu singen hatten, er- 
fahren wir nebenbei, indem bei Leichenbegängnissen begangener 
Unfug unter Strafe gestellt wird. 3) 

Auch die Musik, dh. Gesang wurde getrieben ; das geht 
aus der oben^) erwähnten Ausgabe für Tafeln, die im Rechen- 
und Gesangunterricht gebraucht werden sollen, hervor, sowie 
aus einer Bemerkung in der Schulordnung, wonach Schüler aus 
der Rectorei am Donnerstag, „wie vorhin breuchlich", die 
halbe Stadt durchsangen. Eine Eingabe der Lehrer an den 
Rath vom 16. Mai 1627 bittet,^) dafs „die Cantoreiburss 
wöchentlich zweymahl singen mögen umb Vermehrung willen 



') Progr. von 1865, S. 29. 

-) Mitth. des Hist. Ver., XV., S. 330. 

») Hai-tmann a. a. 0. S. 23. 

*) S. 42. 

^) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 57, 3. Ältere Schulordnungen. 



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49 

„der Schulen, Inmafsen gäntzlich zu vermuthen, dafs durch 
„minderung der gewöhnlichen CoUekten sie uns entgehen 
„werden/' Wenn man dagegen einwende, dafs das früher 
nicht gewesen sei, so sei zu bedenken, dafs durch den Brand 
die Zahl der Häuser in der Stadt verringert, diese etwas ver- 
armt und durch Kontributionen „karger" geworden sei, wes- 
wegen die Kollekten gering ausfielen. Der Rektor solle „ohne 
„erhebliche Ursache andern fremden vaganten für den thüren 
„zu musiciren nicht gestatten". Den Unterricht leitete der 
Kantor. 

Zu den lateinischen Übungen der Zeit (nämlich des 
Humanismus im 15. — 16. Jahrh.) gehört noch eines — die Auf- 
führung lateinischer Dramen.^) Auch Luther hält solche Auf- 
führungen (von Komödien, wie die Stücke allgemein genannt 
wurden), nicht blofs für zulässig, sondern für angemessen : ^) 
„Komödien spielen soll man um der Knaben in der Schule 
„willen nicht wehren sondern zulassen, erstlich, dafs sie sich 
„üben in der lateinischen Sprache; zum andern, dafs in Ko- 
„mödien fein künstlich erdichtet, abgemalet und fürgestellet 
„werden solche Personen, dadurch die Leute untemchtet und 
„ein jeglicher seines Amts und Standes erinnert und vermahnet 
„werde". Damit „ist die nächste Absicht der Sache genau 
„bezeichnet". Nachdem in unsrer Stadt die erste Aufführung 
durch Bürger 1576 stattgefunden hatte, wofür der Rath 10 4 
verehrt, folgte eine zweite 1577 (Verehrung: 9 4)^ 1590 eine 
dritte von Esther, Tobias und Acolastus (16 4) und 1592 
eine vierte vom reichen Manne und dem armen Lazarus (4 4)»^) 
In der Lohnrechnung von 1596 heisst es dann: „Item den 
„Schulmeistern vur die Comedien vom Christlichen Ritter zu 
„agiren gegeben 6 •!". In den folgenden Jahren finden sich 
für den gleichen Zweck folgende Posten: 1601 — 12 -f, 
16»7 — 12 4, 1612 (für die Aufführung von 2 Komödien) 
— .10 4- An die Aufführung des „Christlichen Ritters" knüpfte 



^) Ziegler, Geschichte der Pädagogik, S. 85 ; Paulsen, Geschichte des 
gelehrten Unterrichts, S. 243 ff. 

2) Luthers V^erke, Erl. Ausg., LXII., S. 336. 

^) Vgl. die Lohnrechnungen aus den betr. Jahren. 



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50 

sich ein weiterer Streit mit dem Domkapitel, welches darin 
eine Verhöhnung der katholischen Kirche sah. ^) 

Das Schulgeld betnig nach der Schulordnung von 1627 
in der 3. und 4. Klasse 7 ß, in der 5. und 6. 5 /? 3 ^, in 
der 7. und 8. 4 ,^ 3 ^ halbjährlich. 

Lehrerwohnungen kommen zuerst 1618 vor, in welchem 
Jahre zwei Öfen, die auf dem Rathause nicht mehr zu ge- 
brauchen waren, dorthin versetzt wurden.^) Es sollen nach 
Hartmann ^j nur 2 gewesen sein; doch findet sich eine andere 
Notiz, nach der — bald darauf wenigstens — 4 vorhanden 
gewesen sein müssen. In einem im Ratsarchive^) befindlichen 
Bande nämlich, welcher Angaben über die der Schule gemach- 
ten Schenkungen enthält und nach einer vorausgeschickten 
Einleitung des zeitigen — ungenannten — Ratsschulpflegers 
aus dem Jahre 1670 stammt, ist ein Heft von 16 Blättern 
eingelegt, das gleichfalls Angaben über Stiftungen für die 
Schule macht. Es enthält keine Angabe des Jahres der Ab- 
fassung und des Schreibers;^) indes können wir, was das 
erstere betrifft, wenigstens den terminus ad quem feststellen, 
da in demselben von dem „modernus Consul (dem 
jetzigen Bürgermeister) Ludolph Grothe" die 
Rede ist. Grothe war aber Oberhaupt der Stadt im J. 1634 : 
folglich mufs das Heft in diesem Jahre geschrieben sein. Dort 
steht nun auf Fol. 6a zu lesen: „Die Vier CoUegen Heuser 
„hinter D. Mariae thurm, seint der Schulen angehorig, dero 
„behueff ex decreto Senatus die abgebrandte Haufsstette vor 
„bahr geldt erkaufft und von newen bebawet worden, kosten 
„an die 1500 Rthlr." Es haben mithin später, und zwar 1634, 



^) Hartmann giebt a. a. 0. S. 28 den Titel: „Der christliche Ritter 
„aus dem 6. Kapitel St. Pauli zu den Ephesern. In ein geistlich Spiel oder 
„Comedien gefasset durch M. Frideiicum Dedekindum. Ulssen (Ülzen) 15 J6." 
Das Stück ist mir nicht zu Gesicht gekommen. 

'^) Lohnrechnung. 

«) A. a. 0. S. 32. 

*) Ratsarchiv. Stadtsächen, Ecclesiastica 37. Stiftung des Gymna- 
siums 12. 

^) Es trägt den Titel : „Memoriall Bericht von dem hiehevorigen 
7? Schnell wesen des Rathfs zu OfsnaBrugk". 



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51 

4 Lehrerwohnungen existiert, die hinter der Marienkiixhe 
lagen. 

Schon früh wurde die Schule mit Schenkungen bedacht, 
über welche eine besondere Schrift mit dem Titel: „Ehren- 
„gedächtnifs und Nachricht von den Schenkungen und Ver- 
„mächtnissen zur Begründung und mehrern Aufnahme des 
„ßaths-Gymnasii zu Osnabrück" Auskunft giebt. Sie ist ge- 
druckt 1797 und beginnt die Aufzählung erst mit dem Jahre 
1618; aber es sind die schon vorher gemachten Zuwendungen, 
soweit sie sich in den Rechnungen fanden, mit hineingezogen. 
Hartmann meint, in dem Jahre 1602 sei der Anfang mit der 
Bildung eines eignen Schulvermögens gemacht und am Schlüsse 
dieser Periode habe es 4767 Vg 4 betragen. Diese Angabe läfst 
sich vorläufig auf ihre Richtigkeit nicht prüfen, da das Mate- 
rial zu umfassend und zu sehr zerstreut ist. Er scheint u. a. 
anzunehmen, dafs eine Summe von 40 ^, welche der Rat aus 
einem Streit mit dem Weinhändler Düster in Worms wegen 
eines in den Ratsweinkeller gelieferten Fasses Wein, das den 
Anforderungen nicht entsprach, erhielt und um 60 4 ver- 
mehrte, den Grundstock gebildet habe ; doch enthält das oben 
erwähnte Heft folgende Angabe: „Beim Anfange defs 
„Rathfs Schneie sein von verschiedenen Burgeren so viell 
„an Capitall Beigesteuret, dafs sich die Summa an Capitall 
„belauffet zu 850 Rthlr." Es folgt dann eine Reihe weiterer 
Schenkungen, die beweisen, dafs die Bürgerschaft bereit war, 
für ihre Schule Opfer zu bringen. 

II. Kapitel. Von 1634—1798. 

Von der Wiedereröffnung bis zur Reorganisation. 

Bischof Franz Wilhelm hatte vorläufig seinen Willen 
durchgeseszt. Die lutherischen Prediger und Lehrer hatten 
Amt und Stadt verlassen müssen, Jesuiten waren eingezogen, 
und es schien, als ob der Katholizismus endgültig wieder zur 
Herrschaft gelangen solle. Ganz besonders dem Schulwesen 
wandte der Fürst seine Fürsorge zu : wer die Kinder hat, hat 
ja die Zukunft des Volkes. So gründete er neben dem Gym- 



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52 

nasium Carolinum ein „Seminarium Carolinum", welches einen 
tüchtigen Clerus heranbilden sollte ;i) so erweiterte er die 
Domschule zu einem „Gymnasium Academicum",^) das auch 
die philosophischen und theologischen Wissenschaften in seinen 
Unterricht zog. Dann fafste er den Plan, eine eigentliche 
Akademie zu gründen, die, nachdem die kaiserliche und die 
päpstliche Bestätigung erfolgt war, am 25. Oktober 1630 ein- 
geweiht wurde. 3) Zu dieser Feier wurde von dem Osnabrücker 
Buchdrucker Martin Mann das „Athenaeum Christianum", 
eine Art Festschrift, gedruckt, dessen hervorragende Aus- 
stattung seinem Zwecke entsprach.^) Mit dieser Akademie 
sollten 13 Konvikte oder Seminare verbunden werden, in 
welchen die Studenten Kost, Wohnung und auch Unterricht 
erhalten sollten.^) 

Indes hinderten die politischen Ereignisse den Fürsten, 
seine Pläne in ihrem vollen Umfange zu verwirklichen. In 
der ersten Periode des dreifsigjährigen Krieges war das Hoch- 
stift zwar nicht eigentlicher Schauplatz desselben gewesen; 
doch hatte es durch Truppendurchzüge und die unvermeid- 
lichen Kontributionen schwer zu leiden gehabt. Als die Dänen 
es 1627 verlassen hatten, waren die Truppen der Liga längere 
Zeit in unbestrittenem Besitze gewesen, unter deren Schutze 
der Bischof seine Reformen hatte durchführen wollen. Da 
erschien 1630 Gustav Adolf in Deutschland. Am 7./17. Sep- 
tember 1631 wurde Tilly bei Breitenfeld aufs Haupt geschla- 
gen, im Frühjahr 1632, nach dem Gefechte am Lech, verlor 
er sein Leben. Am 16. November wurde auch Wallenstein 
bei Lützen besiegt, und wenn auch der Schwedenkönig hier 
fiel: die Übermacht des Kaisers und der katholischen Partei 
war doch gebrochen. Noch im Winter 1632 waren schwedische 
Scharen unter Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg in 

^) Iber, Programm des Gymnasium Carolinum, 1889, S. 12. 

2) über die akadem. Gymnasien vgl. Paulsen a. a. 0., S. 199; 
E. Hom in den „Beiheften zum Centralblatt für BibliotheksAvesen, IV. Band, 
11. Heft, S. 73 ff. 

3) Iber a. a. 0. S. 13 f. 

*) Mitth. des Hist. Ver. XVII., S. 213 if.; S. 328 f. 
ö) Iber a. a. 0., S. 14. 



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53 

Westfalen eingedrungen, hatten Fürstenau erobert und waren 
bis in die Nähe Osnabrücks, ja einzelne Haufen bis unter die 
Mauern der Stadt gelangt und hatten den Gertrudenberg be- 
setzt, sodafs Franz Wilhelm es für gerathen hielt, sie zu ver- 
lassen. Doch hatte Herzog Georg seine Stellung wieder auf- 
gegeben, da die wichtigen Weserübergänge noch im Besitz 
der Gegner waren, war nach der Weser gerückt, um Hameln 
zu belagern und sich die Weserlinie zu sichern, und hatte 
seine Gegner bei Hessisch-Oldendorf geschlagen. Hameln er- 
gab sich, und nun rückten die schwedischen Truppen aber- 
mals ins Stift; am 13. August a. St. um 3 Uhr erschienen 
sie vor Osnabrück. (Der Bischof hatte die Stadt inzwischen 
wiederholt besucht und verlassen.) Sie belagerten den gut 
befestigten Platz; am 12. September ergab sich dieser, und 
noch an demselben Tage rückten jene ein. Am 5. Oktober 
kapitulierte auch die Besatzung der Petersburg. Damit war 
dann für den Rest des Krieges nicht blofs die Stadt, sondern 
auch das Stift in die Hände der Schweden gelangt.^) 

Nachdem noch am l./ll. Oktober der unter Hochdruck 
des Fürsten gewählte katholische Rat abgetreten war, wurde 
am folgenden Tage ein neuer gewählt. Die evangelischen 
Geistlichen kehrten zurück. So glaubte man, auch die Schule 
wiedereröffnen zu sollen. 

Man berief nun als Rektor den M. Martin Stracker- 
jan, der aus Halle in Westfalen gebürtig war und seit 1631 
in Hessisch-Oldendorf als Rektor gewirkt hatte. Er mufs im 
April 1634 nach Osnabrück gekommen sein, da das Konzept 
eines Schreibens des Stadtsekretärs Gerhard Meyer an ihn 
und Kugelmann vom 7. April 2) die Freude des Osnabrücker 
Rats ausspricht, dafs beide in den Ostertagen hierher kommen 
wollen. Als Konrektor kam der eben genannte Kugelmann 
— er wurde von Gustav Gustavson, Grafen von Wasaburg, 
dem natürlichen Sohne Gustav Adolfs, dem das Fürstentum 



^) Vgl. über die hier geschilderten Ereignisse Mitth. d. Hist. Ver., 
XII., S. 143 ff. ; über die Belagerung der Stadt Mitth. d. Hist. Ver., XVIII, 
S. 257 ff. 

^) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 60. 61. Lehrer 1. Konzept. 



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54 

übertragen war, zu seinem Hofprediger ernannt — , als Sub- 
konrektor Johann Kruse oder Krause, als Kantor der 1628 
mit vertriebene Panzer, als Lehrer der 7. Klasse der gleich- 
falls vertriebene Joh. Goddeus und als Lehrer der 8. Peter 
Willich, der ebenfalls vertrieben worden war.^) Stracker jan 
blieb nicht lange; denn schon 1637 verliefs er sein Amt und 
ging nach Stade als Rektor — er starb als Superintendent 
und Konsistorialrat in Oldenburg — „weil er dem wiederher- 
gestellten Frieden nicht trauen wollte", wie Strodtmann^) 
meint; thatsächlich scheint er mit den Kirchenräten und 
Predigern an St. Marien Differenzen gehabt zu haben, wie 
sich aus einem Schreiben der letzteren an den Eat, dd. 25. April 
1637, ergiebt.'^) Ihm folgte im Rektorat M. Jakob Dtirfeld, 
von Dürfeids Erbe in der Bauerschaft Klein-Mimmelage, Kirch- 
spiels Menslage, gebürtig, der 1657 starb. Nach einer am 
15. Mai 1637 angestellten Vocation erhielt er, ,,cum Idbor 
praemio gaudeat/^ an Gehalt 135 4, daneben freie Wohnung 
und alle anderen „Immunitäten, Freiheiten und Accidenzien", 
wie Kirchhof sie genossen habe. Beide Teile hatten halb- 
jährliche Kündigung „zu bequemer Zeit". Dürfeid war ein ge- 
lehrter Mann, wie die von ihm verfafsten Schriften zeigen, 
wie auch die folgenden Rektoren litterarisch eifrig thätig ge- 
wesen sind. Sein Nachfolger wurde der Konrektor Kugel- 
mann (1657 — 1681), von dem Strodtmann bemerkt, dafs er 
das Muster eines geschickten lateinischen Poeten gewesen sei. 
Auf diesen folgte Christian Grubel, 1681—1687. Er wurde 
abgesetzt und kam als Rektor nach Minden, wo er 1715 
starb. Auf ihn folgte Georg Wilhelm Ponatus, den der 
Rat am 27. Januar aus Osterode berief. 1697 wurde er — wie 
aus einem eigenhändigen Schreiben an den Rat^) zu schliefsen 
ist — gegen seinen Willen und, wie er selbst sagt, infolge 
von Intriguen seines Nachfolgers seines Amtes enthoben, aber 



1) strodtmann a. a. 0. 

2) A. a. 0. S. 22. 

^) Eatsarchiv a. a. 0. Abschrift. 

*) Eatsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica, 60.61. Lehrer 1. Vocationes 
Rectorum. 



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55 

mit dem Titel eines Inspektors bedacht. Er starb 1703. Der 
genannte Nachfolger war Zacharias Götze, geboren 1662 
in Mühlhausen in Thüringen, vor seiner Berufung nach Osna- 
brück Eektor in Lippstadt. Das Verhältnis Götzes zu seinem 
Vorgänger war kein gutes: es handelte sich dabei aufser 
um die Verteilung des Unterrichts auch um die Einkünfte, 
besonders um die Accidenzien, und der Ton, welcher in den 
Yorhandenen gewechselten Schriftstücken ^) angeschlagen wird, 
ist nicht eben ein freundlicher zu nennen. Unter den zahl- 
reichen Schriften, die Götze veröffentlichte, sind bemerkens- 
wert: De monumentis Honensi et Krodescensi 1725 (Über die 
Steine im Hone und bei Gretesch) ; ein lateinisches Programm 
über den Pumpernickel (1725); ein gleichfalls lateinisches 
Programm über die Wittekindsburg (1726), ein anderes über 
den Bucksturm (1727) und mehrere numismatische Schriften. 
Er starb am 6. Mai 1729 am Schlage. — Ihm folgte Johann 
Christoph Köcher, aus Lobenstein im Vogtlande gebürtig.-) 
Er wurde am 29. Juni 1729 aus Jena, wo er als Magister 
Kollegien las, berufen und erhielt 100 4 zu seinem Umzüge.^) 
1742 wurde er dritter und bald darauf zweiter Geistlicher 
an der Marienkirche, ging aber noch in demselben Jahre als 
Superintendent nach Braunschweig, wo er in das Curatorium 
der Akademie (des Carolinums) eintrat. 1750 wurde er. als 
Professor der Theologie nach Jena berufen; dort ist er in 
hohem Alter gestorben. Strodtmann^) führt von ihm allein 
28 in Osnabrück gedruckte Scliriften an; doch ist auch die 
Zahl der in Jena und Braunschweig verfafsten bedeutend.'') 
— Das Eektorat erhielt Gottfried Schwarz aus Iglau im 
Zipser Komitat (in Ungarn). Seine Vokation ist nach einem 
ßatsprotokoll 6) datiert vom 2. Oktober 1742. Schon 1749 
ging er als Professor, Superintendent und Mitglied des Kon- 
sistoriums nach Rinteln, wo er 1786 starb. Noch im Jahre 

^) Ratsarchiv a. a. 0. 

Vgl. über ihn die AUg. Deutsche Biogr. XVI, S. 409. 

^) Eatsarchiv a. a. 0. 

*) A. a. 0., S. 27 f. 

^) Eine gröfsere Zahl besitzt die Bibliothek des Ratsgymnasiuras. 

®) Ratsarchiv a. a. 0. 



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56 

1752 richtete er an den Osnabrticker Rat mehrere Schreiben, 
in denen er um eine Hauskollekte für die zu seiner Diözese 
gehörige Gemeinde Wagenfeld Amts Auburg (jetzt im Kreise 
Diepholz), die eine Kirche bauen wollte, bat: sie scheinen 
von Erfolg gewesen zu sein. Durch seine zweite Frau Ger- 
hardine Bruning wurde er Schwager Justus Mosers. ^) ' — Ihm 
folgte der mehrfach genannte Johann Christoph Strodt- 
mann. Er war 1717 in Wehlau in Ostpreufsen geboren und 
wurde am 5. November 1749 von Harburg, wo er Rektor 
war, nach Osnabrück berufen. In Harburg war er zugleich 
Direktor der in Hamburg erscheinenden Gelehrten lateinischen 
Zeitung. Da nun mehrere Epigramme, welche dort erschienen 
waren und Mifsfallen erregten, ihm zugeschrieben wurden, so 
wurden von verschiedenen Seiten, u. a. auch von dem bekannten 
Abt Jerusalem, Versuche gemacht, die Vokation zu verhindern ; 
Strodtmann klärte jedoch in einem längeren Schreiben die 
Angelegenheit zu seinen Gunsten auf. 2) Er starb 1756.^) 

Am 29. Mai desselben Jahres erhielt dann vom Bürger- 
meister und Rat einen Ruf als Rektor der Schule J. D. Heil- 
mann, der, in Osnabrück geboren, zwei Jahre als Rektor in 
Hameln thätig gewesen war.^) 1758 ging er als Professor der 
Theologie nach Göttingen, wo er 1764 starb. ^) — Man scheint 
sich nun an den Abt Jerusalem in Braunschweig gewandt zu 
haben mit der Bitte, sich nach einem für das Amt geeigneten 
Manne umzusehen. In erster Linie hatte Jerusalem den Braun- 
schweiger Professor Seidler im Auge; da diesen aber das 
dortige Kuratorium nicht ziehen lassen würde, wie er meinte, 
so lenkte er die Aufmerksamkeit u. a. auch auf den zum 
Rektor an der neu errichteten Schule in Holzminden er- 
nannten J. R. Nahmmacher, der denn auch gewählt wurde. 
Am 16. April 1759 teilte er dem Stadtsekretär Menschen mit. 



1) Vgl. über ihn die Allg. Deutsche Biogr. XXXIII, S. 237. 
^) Ratsarchiv a. a. 0. 

3) Vgl. Allg. Deutsche Biogr. XXXVI, S. 611 f. 
*) Eatsarchiv a. a. 0. 

*) Fortlage, Progr. von 1808, S. 11 ; Schwarz, Progr. von Rinteln, 
1758, S. 15 ff. 



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57 

dafs er die Wahl annehme, und bat um den Titel eines 
Direktors, den auch sein Vorgänger gehabt habe, sowie um 
einen Vorsc^ufs von 200 i^, der ihm nach beliebig bestimmten 
Terminen abgezogen werden solle. Den letzteren erhielt er; 
der Titel eines Direktors dagegen wurde ihm nicht gewährt, 
da er nur dem obersten Rate zukomme. Seine Vokation ist 
ausgestellt am 30. März 1759 ; die Lektionen begann er am 
18. Juni. Bald darauf wurde er dritter Prediger an St. Marien 
und 1763 Direktor in Ilfeld; dort starb er 1768. i) — Ihm 
folgte Johann Franz Wagner, geboren in Ulm, nach Nahm- 
machers Fortgang Konrektor des Gymnasiums in Helmstädt, 
1762 Konrektor am Gymnasium in Braunschweig und Pro- 
fessor honoris causa am Carolinum, am 27. Oktober zum 
Eektor des Ratsgymnasiums ernannt. Am 12. Dezember wurde 
er durch den Superintendenten Krochmann in sein Amt ein- 
geführt.2) Er starb am 9. Mai 1778. — In seine Stelle wurde am 
6. Juni 1778 gewählt und am 15. September eingeführt Johann 
Friedrich Kleuker, in Osterode 1748 geboren und zuletzt 
am Gymnasium in Lemgo thätig.^) Er ging 1798 als Professor 
der Theologie nach Kiel und erhielt zum Nachfolger Franz 
Arnold Fortlage, der 1752 zu Osnabrück geboren und seit 
1779 am Ratsgymnasium thätig war. 

Konrektoren zählt Fortlage im Programm von 1808 12, 
Subkonrektoren 12, Kantoren 8, erste KoUaboratoren 11, 
zweite KoUaboratoren 14. 

Als Schulgebäude diente wieder das schon früher ge- 
nannte ; doch waren die Zustände anscheinend recht trostlose, 
da das ganze Haus nur 60 Fufs Länge, 24 Fufs Tiefe und 
2 Stockwerke hatte. Das obere Geschofs enthielt 2 Zimmer, 
die durch einen Gang getrennt waren und je 3 Fenster hatten. 
Bei öffentlichen Prüfungen und anderen Gelegenheiten, bei 
denen eine gröfsere Zahl von Teilnehmern sich versammelte, 
wurden hier die hölzernen Scheidewände entfernt, wodurch 
man ein einziges Zimmer herstellte; im Notfall benutzte man 



^) Katsarchiv a. a. 0. ; Fortlage a. a. 0. 

2) Katsarchiv a. a. 0. ; Progr. 1763 ff. ; Progr. 1778 ; Fortlage a. a. 0. 
») Ratsarchiv a. a. 0. ; Fortlage a. a. 0. ; Progr. 1778. 

5 



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58 

den grofsen Saal des alten Rathauses.^) Geheizt konnte an- 
fangs überhaupt nicht werden. Im Jahre 1681 wurden aller- 
dings vom Bürgermeister Mühlenkamp zur Heizung der 
untersten Klasse 30 4^ geschenkt und 1766 von „Lohnherr 
„ Joh. Friedr. von Lengerke und dessen Ehefrau Marg. Gerdr. 
„Jäger zur Erwärmung der Ciassen 160 4",^) auch waren 
eiserne Öfen im vorigen Jahrhundert schon vorhanden; doch 
unterblieb die Heizung: man safs bei kaltem Wetter be- 
deckten Hauptes und in den Mantel gehüllt da. Als Spiel- 
platz diente der Marienkirchplatz, der bis in den Anfang 
unsers Jahrhunderts (1809) noch als Begräbnisplatz diente. 
Dafs das zu ünzuträglichkeiten führte, kann man sich denken, 
und dafs es nicht gerade würdig war, wenn die liebe Jugend 
sich auf den Gräbern tummelte, wird jeder zugeben; aber 
man mufste mit den gegebenen Verhältnissen rechnen. 

Die Schulordnung von 1634^) ist der von 1627 nach- 
gebildet, teilweise sogar mit ihr übereinlautend ; doch finden 
sich auch Abweichungen, die durch die veränderten Verhält- 
nisse bedingt waren. Als Scholarchen werden genannt der 
Superintendent und Pastor an der Marienkirche Magister 
Gerhard Grave und die drei Ratsmitglieder Manto Dalde, 
Konrad von Gülich und Johann Bruning. Die Bestimmung, 
dafs der Rektor ohne Zustimmung des Rates keine Lehrer 
annehmen, der letztere jenem keinen aufdrängen („obtrudieren") 
soll, ist weggelassen, da der Rat jetzt schon alle berief. 
— Für den Unterricht in der Religion sollen mafsgebend 
sein die 3 Symbole (das apostolische, nicänische und athana- 
sianische), die Katechismen Luthers, das kleine und grofse 
Bekenntnis Luthers (vom Abendmahl), die erste unver- 
änderte Augsburgische Konfession, die Wittenberger 
Konkordienformel und das Konkordienbuch von 1580; es 
soll auch weder privatim zu Hause noch öffentlich in der 
Schule in irgend einer anderen Lehre unterrichtet und er- 



^) Hartmann, Programm von 1865, S. 12 f. Vgl. auch das Programm 
von 1817, S. 7 f. 

2) Ehrengedächtnia fol. Ib und 2b. 

^) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 57. Ältere Schulordnungen. 



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zogen werden. Unter den Lehrgegenständen wird neben der 
Physik auch die Metaphysik aufgeführt. Der Mittwochnach- 
mittag soll frei sein, die Schüler des Kantors sollen aber dann 
die halbe Stadt durchsingen ; an halben Festtagen wird auch 
nachmittags unterrichtet. Der Eektor erhält für die Inspektion 
der Kantorei und die Verwahrung des Geldes (das für das 
Singen von den Bürgern gespendet wurde), oder des Schlüssels 
zur Büchse zwei Thaler, und der Kantor ein Zehntel der 
Kollekte, während das Übrige unter die Sänger nach Mafs- 
gabe ihrer Leistungen im Singen verteilt wird. — Die De- 
klamations- und Disputationsübungen werden zwar nicht er- 
wähnt, haben aber doch fortgedauert. — Das Schulgeld wird 
in Tertia und Quarta auf 10 /? 6 ^ (1627 : 7 ß\ in Quinta 
und Sexta auf 5/9 3^, in Septima und Oktava auf 4 ß halb- 
jährlich festgesetzt. — Wenn sie Privatunterricht erteilen, 
sollen die Lehrer vor allem die Leistungsfähigkeit der Eltern 
in Betracht ziehen und für die kleinen Schüler nicht mehr 
als einen Thaler, für die fortgeschritteneren nicht mehr als 
IV2 ^ halbjährlich nehmen; haben sie Knaben ganz im Hause 
mit Bett, Wäsche u. dgl., so sollen sie auch „discretlich" 
verfahren. 

Die Lehrer sollen Bürgermeister und Rat, den Scholarchen 
und dem (geistlichen) Ministerium die schuldige Ehrerbietung 
erweisen. Der Eektor, der Kantor und der Lehrer der Septima 
erhalten Plätze in der Marien-, die übrigen in der Katha- 
rinenkirche. Bei Leichenbegängnissen hat jeder Lehrer neben 
seiner Klasse zu gehen, um Ordnung zu halten; der Rektor 
und Konrektor folgen allein neben einander. Nur die ganze 
Schule soll bei Leichenbegängnissen folgen, wofür 2 1^ ge- 
geben werden, von denen der unterste Lehrer 5 /?, der der 
Septima 5 ß 6 ^, der Kantor 7 /?, der Lehrer der Quinta 
6 /? 6 ^, der Konrektor 7V2 ß und der Rektor V2 ■** erhält. 
Die Schule soll aber deswegen nicht ausgeseszt werden. Bei 
Leichenpredigten gehen die Gesangschüler allein in die Kirche, 
die übrigen wieder zur Schule. 

Das sind die Abweichungen und Zusätze aus dem Jahre 

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60 

1634. Die Schulordnung von 1678^) enthält dann abermals 
einzelne Änderungen. Die Aufgaben, die aus den klassischen 
Schriftstellern gegeben werden, sollen kurz sein. Die Schüler 
in den unteren Klassen sollen durch die „observatores", d. h. 
diejenigen älteren Knaben, welche über die anderen eine ge- 
wisse Aufsicht übten, verhört, die dem Lehrer angezeigten 
und auch sonst nachlässigen und unpräparierten zum Aufsagen 
aufgefordert, und es soll möglichst dahin gesehen werden, 
dafs mit dem Rezitieren nicht Zeit vergeudet wird, die sonst 
besser gebraucht werden kann. Am Freitagnachmittag ist 
von 1 — 2 Uhr Gesangstunde ; am Sonnabend von 12 — 1 werden 
die Kirchengesänge geübt und die Schüler dann zur Vesper 
geführt. Was von Hochzeiten und Leichenbegängnissen ein- 
kommt, soll unter alle Schüler vertheilt werden. Das Schul- 
geld beträgt in der Sekunda, Tertia und Quarta 10/^6/^, 
in der Quinta und Sexta 7 ß^ Septima und Oktava 5/^3^. 
In den oberen Klassen, nämlich in der Sekunda und Tertia, 
werden wöchentlich und zwar am Montag nachmittags und 
am Freitag nach der Gesangstunde Übungen im gebundenen 
Stil angestellt, ferner auch am ersten Freitag jeden Monats 
in beiden Nachmittagsstunden Redeübungen abwechselnd im 
gebundenen und ungebundenen Stil abgehalten. Diese Übun- 
gen sollen weniger feierlich sein und nur in Gegenwart der 
Patrone und wissenschaftlich gebildeter Gönner („Fautoribus 
literatis"), auch nicht in Anwesenheit der übrigen Klassen 
stattfinden ; jedes Semester dagegen sollen vor dem Schul- 
schlufs feierliche Übungen vor den versammelten Klassen und 
einem gröfseren Publikum angestellt werden. 

In der Quarta werden aufser den gewöhnlichen häus- 
lichen Exercitien auch lateinische und griechische im unge- 
bundenen und gebundenen Stil abgehalten, dergestalt, dafs 
am Montag nachmittags eine lateinische Übersetzung mit 
einer Übung im Briefstil abwechselnd, am Dienstag in der 
ersten Nachmittagsstunde eine poetische und am Donnerstag 
um dieselbe Zeit eine griechische „aulfgegeben, erst viva voce 



^) Katsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 57. Ältere Schulordnungen. 



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61 

„Und per periodos von etzlichen vertirt, Und von andern va- 
„riirt, dan folgendefs schrifftlich componirt, exhibirt, Und 
„exhibitis omnibus eines jeden Discipuli composition audienti- 
„bus reliquis corrigirt Und, wo gefehlet, angezeiget werde." 

In der Quinta, Sexta und Septima Averden aufser den 
gewöhnlichen häuslichen Arbeiten am Montag und Donnerstag 
nachmittags lateinische Eeproduktionen aufgegeben und erst 
mündlich, dann schriftlich „componirt, exhibirt und cum iudicio 
„emendatorio restituirt". 

Mit den übrigen Schülern der Septima und Oktava wird 
die Wort- und Satzlehre zur selben Zeit und wenigstens zwei- 
mal wöchentlich eingeübt. Nicht blofs alle halbe Jahre, 
sondern möglichst auch monatlich werden sie nach ihren 
Extemporalien gesetzt. 

Das Original dieser Schulordnung ist von einer ganzen 
Anzahl von Lehrern unterschrieben, zuerst von dem Eektor 
Kugelmann, zulezt am 27. Juni 1718 von dem Kantor und 
Lehrer der Sexta Vatke. 

Noch eine Schulordnung ist in diesem Zeitraum entstan- 
den:^) sie ist vom Eate beschlossen am 16. November 1723 
und von den Lehrern (dem Rektor Götze, dem Konrektor 
Ponatus, dem (Subkonrektor und) Lehrer der Quinta Rud. 
Georg Fortlage, dem Kantor Vatke, dem Lehrer der Septima 
Spiegelberg und (dem Lehrer der Oktava) Leistmann am 24. 
November unterschrieben. Auch sie enthält Abweichungen 
und Zusätze. Zunächst wird die Kombination der Klassen 
untersagt. Am Freitag sollen die Schüler nachmittags — 
ausgenommen, wenn an den monatlichen Bufs- und Bettagen 
die Scholarchen die Exercitia stili werden verlesen hören — 
von 1 — 2 Uhr Musicam exerciren. In die unterste Klasse 
sollen keine Knaben aufgenommen werden, die nicht wenigstens 
deutsch und lateinisch lesen können, auch zum Schreiben einen 
guten Anfang gemacht haben. Bei der Aufnahme soll nur 



*) Das Original befindet sich im Ratsarchiv, Stadtsachen, Ecclesiastica, 
Schulsachen 58, Schulordnung 6. Es ist zuletzt am 24. April 1792 unter- 
schrieben von J. H. B. Fortlage, Adjunctus Cantoris. 



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62 

auf die Kenntnisse, nicht auf Statur, Empfehlung oder dgl. 
gesehen, auch zwischen Auswärtigen und Einheimischen kein 
Unterschied gemacht werden. Das Schulgeld wird halbjähr- 
lich in Sekunda, Tertia und Quarta für den Eektor und Kon- 
rektor auf 14 /?, in Qumta für den Subkonrektor auf 10 ß 
6 ^, für den Eektor auf 7 /?, in Sexta, Septima und Oktava 
aber auf 7 ß für die Lehrer und den Rektor erhöht. Ver- 
setzungen in eine höhere Klasse sollen nur einmal jährlich 
und zwar nach Ostern stattfinden, da dann neue Schüler ge- 
meinhin einzutreten pflegen. Für die Versetzung aus der 
Quinta wird, wie früher, Fertigkeit im Lateinsprechen und im 
Griechischen in der Formenlehre verlangt; aber neu ist der 
Zusatz: „damit in der Quarta der Konrektor das griechische 
„neue Testament und aus demselben das sonntägliche Evange- 
„lium nach der Syntax treiben und die Schüler aus demselben 
„Übersetzungen machen können". 

Die Ferien dauern Ostern vom Donnerstag nach Palma- 
rum bis Mittwoch nach Quasimodogeniti und Michaelis zwei 
Wochen vor und zwei Wochen nach dem Feste; doch soll 
auch dann täglich wenigstens 2 Stunden etwas gelesen werden. 

Die Lehrer haben Montags die Schüler über die Predigt 
zu examinieren, auch selbst bei der Katechismuslehre zugegen 
zu sein und auf Ordnung zu sehen. Der Rektor soll die 
Lehrer in der Disziplin unterstützen und zu dem Ende, auch 
wenn er picht unterrichtet, in der Schule bleiben. Die Aus- 
schreitungen der Schüler sollen nicht bemäntelt, Strafen nicht 
im Zorn, sondern, wenn der Schüler überführt ist, „mit Be- 
scheidenheit und ernsthafter Sanftmuth" vorgenommen, „vor 
„der Execution aber dem Delinquenten aus Gottes Worte des 
^,Excessus Abscheulichkeit vorgeführt" werden. 

Über die Verteilung der Stunden sowie über die be- 
handelten Fächer geben die Lektionspläne, die wir am Ende 
dieser Arbeit mitteilen, Auskunft. 

In dieser Periode werden besonders häufig Schauspiele 
aufgeführt, die, wie die erhaltenen Proben zeigen, allerdings 
unserm Geschmacke wenig zusagen würden. Im J. 1648 wurden 
bei der Friedensfeier zwei Komödien aufgeführt, darunter 



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63 

eine, welche die Greschichte von Judith und Holofernes be- 
handelte.^) In einem undatierten Schreiben ersucht der Eektor 
Götze den Rat, 2 Schauspiele aufführen zu dürfen, 2) 1) Unge- 
ratener Kinder Lasten abgestraft oder Absalom und Ammon; 
2) Plagium Principum Electoralium oder die geraubten Chur- 
prinzen durch Kunzen von Kauffungen. Am 25. Februar 1751 
bittet Strodtmann um Instandsetzung des Theaters, in die 
Schüler ihn gebeten haben, eine Aufführung veranstalten zu 
dürfen; am 26. Juni 1752 petitioniert er abermals um die Er- 
laubnis, eine Komödie spielen lassen zu dürfen. Am 20. März 
1765, 15. Juli 1766, 30. April 1767 und 31. August 1773 
bittet Wagner in demselben Sinne; am 2. Dezember 1766 und 
9. Februar 1775 thun die Schüler der Anstalt ein Gleiches. 
Ob diese Vorstellungen danach angethan waren, immer die 
Disziplin aufrecht zu erhalten, wird billigen Zweifeln unter- 
liegen: ein Fall wenigstens ist bezeugt, der diese Zweifel 
unterstützt. Allerdings findet sich darüber nur ein Protokoll 
über eine Verhandlung, die am 27. Januar 1747 „coram Cen- 
soribus et Domino Tribuno Storck" stattgefunden hat.^) Die 
Schüler hatten die Erlaubnis erhalten, zwei Tage für sich zu 
spielen, und der Eektor Wagner hatte sich erboten, die Gel- 
der einzusammeln und nachher zu vertheilen. Am ersten Tage 
der Aufführung nun (Montag, 23. Januar) kam es wegen der 
Büchse, in der das Eintrittsgeld gesammelt wurde, zwischen 
dem Rektor und einem Schüler Wellenkamp, der der Ansicht 
war, dafs jener, wie schon das vorige Mal, das Geld für sich 
behalten wolle, zu einem heftigen Wortwechsel. Die Sache 
endete damit, dafs Wellenkamp schriftlich Abbitte leistete.^) 
In einem Stücke, welches der Rektor Köcher am 15. Juli 
1732 aufführen liefs und das den Titel trug : „Der beigelegte 
„Streit der vornehmsten europäischen Völker um den Vorzug 
„ihres Verstandes," trat u. a. der damals zwölfjährige Justus 



1) (Sttive), Geschichte der Stadt Osnabrück, HI, S. 269. 
') Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 59. Unterricht 10. Schauspiele 
*) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica, 59. Unterricht 10. Schauspiele 
*) Ratsarchiv. Ebenda. 



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64 

Moser als Engel auf;^) in einem andern, welches bei dem 
Schulschlufs im Herbst 1738 gegeben wurde („Dialogus de 
praestantia et usu historiae litterariae") erscheint er gleich- 
falls unter den 8 MitA^irkenden.^) 

Die Einnahmen und Ausgaben für die Schule 
scheinen zum erstenmal in der Schulrechnung von 1639 ge- 
nauer angegeben zu sein. Die ersteren betrugen im ganzen 
705 4 n ß 9 Ai die letzteren 113 4 ^ ß SVg A, darunter 
462 .^ 1 /? 9 ^ an Gehältern der Lehrer; 1678 die Einnahmen 
619 4n ß 6V2 Ai die Ausgaben 617 .# 19 /? 9V2 Ai woruirter 
an Gehältern 431 .# 15 /9 9 ^; 1679 die Einnahmen 553 4 
6/5 2^, die Ausgaben 590 4 1 ß (darunter an Gehältern 
und Accidenzien 536 4 10 /? 6 ^); 1798 die Einnahmen 
1035 4 10 ß 6 ^, die Ausgaben 1286 4 3 ß 4^ (Gehälter 

891 4 4: ß 7V2 A)' 

Unter der grofsen Zahl der Schenkungen und Vermächt- 
nisse, welche das. „Ehrengedächtnis" aufweist, findet sich zuerst 
1770 eine solche, welche den Hinterbliebenen der Lehrer zu 
gute kommt : eine Summe von 1000 4, welche die Wittwe des 
Caspar Franz von Gülich, Catharina Lucia Moser, legiert mit 
der Bestimmung, dafs die Wittwen der Lehrer die Zinsen 
geniefsen sollen; wenn aber nur eine Wittwe da ist, erhält 
diese die eine Hälfte, die andere aber wird zum Kapital ge- 
schlagen. 1793 vermacht die Wittwe des Lehrers Leistmann 
geb. Dunkel zu gleichem Zwecke 300 4 und 1796 die Wittwe 
des Werkmeisters' Klövekorn geb. Schierbaum 200 4- Im 
übrigen genossen die Lehrerwittwen zwar die Privilegien 
ihrer verstorbenen Gatten; aber Pension erhielten sie nicht. 

Über das Thun und Treiben der Schüler, den Unterricht 
selbst, überhaupt auch über das Leben in der Schule fehlen 
uns aus dem 17. und dem Anfange des 18. Jahrhunderts alle 
Nachrichten; aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts dagegen 
haben wir Aufzeichnungen, die um so wertvoller sind, als 



^) Programm von 1732. Bibliothek des Ratsgymnasiums. 
*) Programm von 1738. Bibliothek des Ratsgymnasiums. 



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65 

sie von einem* Manne herrühren, der später selbst ein hervor- 
ragender Lehrer der Anstalt war, von B. K. Abeken.^) 

Eine weitere, wenn auch nur kurze, doch wertvolle 
Nachricht findet sich in (J. C. B. Stüve), „Heinrich David 
Stüve, Doktor der Eechte und Bürgermeister der Stadt Osna- 
brück. Zur Erinnerung für dessen Kinder und Enkel. Jena, 
1827." 2) Da das Buch nur. wenigen unsrer Leser zugänglich 
sein dürfte, so setzen wir die betreffende Stelle ihrem Wort- 
laute nach hierher. „Unterricht fand Stüve auf dem Rats- 
„gymnasio zu einer unglücklichen Zeit. Den unteren Classen 
„standen Kosengarten und Leistmann vor, zwei durchaus 
„untüchtige Menschen; der dritten der Cantor Miachaelis, ein 
„guter Musiker und auch sonst ein fleifsiger Lehrer. Dann 
„folgte der Subconrector Läger, ein in hohem Grade lächer- 
„licher Pedant ; auf diesen der Conrector Wifs, etwas schöner 
„Geist, frömmelnd und ohne Wirksamkeit für die Schule. An 
„der Spitze stand als Kector Professor Wagner, der durch 
„mancherlei Unternehmungen um des Erwerbs willen, zumal 
„durch theatralische Unternehmungen von den Schülern ab- 
„hängig geworden war. Unter diesen herrschte Rohheit, ja 
„Zügellosigkeit; gelernt wurde wenig oder nichts. — Dies' 
„fühlend gewann Stüve es über seinen Vater, dafs ihm Privat- 
„Unterricht im Lateinischen von dem Prediger Ringelmann 
„gegeben wurde, und was er lernte, verdankte er diesem. 
„Griechisch lernte er nicht; auch nichts von Musik, obgleich 
„ihm ein glückliches Ohr zu Theil geworden, und der Vater 
„sehr musicalisch war." St. war Schüler der Anstalt bis zu 
seinem Abgange auf die Universität Jena im April 1776. 

III. Kapitel. Von 1798—1867. 

Von der Reorganisation bis zur Abtrennung 
der Realschule. 
In der vorigen Periode hatte das Gymnasium mancherlei 



^) Vgl. die „Erinnerungen B. K. Abekens" von A. Heuermann in 
dieser Festschrift. 

2) Exemplar in der Bibliothek des K.-G., C. IX. 60. H. D. Sttive war 
der Vater des Bürgermeisters und Ministers; er hat sich in der Folge um 
das Gedeihen des Katsgymnasiums sehr verdient gemacht. 



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66 

Wandlungen durchgemacht. Zwai; entziehen sich die Einzel- 
heiten unsrer Kenntnis; doch zeigen verschiedene Schreiben, 
die uns im Eatsarchiv erhalten sind, besonders aber die 
EatsprotokoUe, dafs nicht immer alles in Ordnung war.^) Die 
Disziplin liefs manchmal zu wünschen übrig, auch aufserhalb 
der Schule kam Unfug aller Art vor; besonders häufig wird 
über blutige Schlägereien zwischen Schülern des Ratsgym- 
nasiums und der Jesuitenschule (des Gymnasium Carolinum) 
geklagt. Dazu kam, dafs auch der Unterricht offenbar öfter 
ungenügend war. So war denn schon 1723 die Schul- 
ordnung revidiert und verschärft ; anscheinend hatte das aber 
nur für kurze Zeit Erfolg, wozu nicht wenig beitrug, dafs 
die Zeiten und Anschauungen sich änderten. Besonders unter 
Wagners Rektorat (1763 — 1778) ging die Schule zurück, da 
er stark auf den Gelderwerb gesehen zu haben scheint und 
der Unterricht ihm erst in zweiter Linie kam.^) Er scheint 
auch mit der Disziplin Schwierigkeiten gehabt zu haben, wie 
der oben erwähnte Streit mit dem Schüler Wellenkamp 
zeigt. ^) Sein Nachfolger Kleuker war offenbar ein einsichtiger 
Mann, der die Mängel wohl erkannte und Abhülfe zu schaffen 
wünschte. So richtete er denn am 15. September 1778 an 
den Rat ein Schreiben,*) in dem er seine Ansichten darüber 
kurz auseinandersetzte mit dem Bemerken, dafs er einen 
detaillierten Plan zur Reorganisation, sobald er könne, ein- 
senden wolle. Der Brief ist mit Wärme und Liebe zur Sache 
geschrieben. Kleuker spricht zuerst den Wunsch aus, dafs 



^) Vgl. auch Hartmann, Programm des B.-G., 1872, S. 1 f. 

^) S. 65. 

») Vgl. S. 63. 

*) Katsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 57. Stiftung der Schule, 3. 
Ältere Schulordnungen. Dafs Kleuker ein tüchtiger Pädagoge war, lassen 
seine Vorschläge zur Reorganisation der von ihm geleiteten Anstalt er- 
kennen ; er ist aber auch sonst eine interessante Persönlichkeit. Er gehörte 
dem 1776 von Adam Weishaupt in Ingolstadt zum Zwecke poütischer und 
religiöser Aufklärung gestifteten Illuminatenorden an und versuchte mit 
Erfolg den Konrektor Kramann, „einen kenntnisreichen Mann von feinem 
Geiste", sowie dessen Freund, den oben (S. 65) genannten H. D. Stüve für 
denselben zu gewinnen. Vgl. die vorhin erwähnte Schrift „H. D. Stüve" etc., 
S. 8 f. ; AUg. Deutsche Biogr. XVI, S. 179 f. 



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67 

die Schule eine solche Einrichtung erhalten möge, wonach sie 
verdiene, den besten Schulen unsers deutschen Vaterlandes 
an die Seite gesetzt zu werden und sowohl für die studie- 
rende als nicht studierende Jugend alles dasjenige zu 
bieten imstande sei, was von einer allgemeinen Bildungs- 
schule nur irgend verlangt werden könne. Um das zu er- 
reichen, stellt er 4 Leitsätze auf: 1) mufs für die erwachsene 
studierende Jugend alles das gelehrt werden (und zwar nach 
einem festen, sich immer gleich bleibenden Plane), was auf 
besseren Gymnasien, die mehr als gewöhnliche Stadtschulen 
sind, gelehrt wird und gelehrt werden sollte, damit weder 
Auswärtige sich beschweren können, als wenn hier nicht 
Gelegenheit wäre, sich in allem Nötigen und Nützlichen zu 
üben, noch auch die eignen Söhne in irgend einem Betracht 
weniger gut versorgt würden, als sonst irgendwo ; 2) müssen 
die niederen Stufen des Unterrichts alles das in sich befassen, 
was ein junger Mensch, er möge sich nun künftig dem ge- 
lehrten Stande widmen oder nicht, bis auf gewisse Jahre hin 
lernen müsse, wenn ihm der Schulunterricht für sein künftiges 
bürgerliches Leben eine wahre Wohlthat sein solle. Alle ein- 
zelnen Verbesserungen, die in den letzten Jahren vorge- 
nommen seien, hätten zwar ihren Nutzen gehabt, aber keinen 
solchen, wie er erreicht werden könne, wenn die Schwierig- 
keiten und Hindernisse gehoben würden, welche bei der 
äufseren Form und Einrichtung der Schule und ihrer Ab- 
teilungen unvermeidlich seien. Um diese zu heben sei es 
3) notwendig, dafs aller Unterricht in allen nötigen und nütz- 
lichen Dingen öffentlich erteilt werde, damit niemand zurück- 
gesetzt werde, der über gewisse Dinge für sich allein oder 
mit wenigen andern keinen Unterricht privatim oder priva- 
tissime bezahlen könne, und nicht gewisse Dinge deshalb un- 
gelehrt bleiben müfsten, weil nicht so viele da seien, als 
darau teilnehmen wollten, aber daran teilnehmen würden, 
wenn alle Lehrfächer zum regelmäfsigen Unterrichtsplane ge- 
hörten. Dann aber sei es notwendig, dafs die Schüler nach 
Verhältnis des höheren und niederen UnterricEts ein Schul- 
geld bezahlten, dafs die Lehrer dabei bestehen könnten, und 



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68 

dafs dieses in eine gemeinsame Kasse fliefse, aus der jeder 
das Seinige erhalte. 4) müsse ein fester Lehrplan gemacht 
werden, nach welchem nicht blofs mehr gelehrt und gelernt 
werden könne, als bisher geschehen sei, sondern auch unter 
die Schüler mehr lebendiger Trieb des Fleifses und der Nach- 
eiferung komme. 

Man wird zugeben, dafs diese Ansichten durchaus ver- 
nünftig waren; aber Erfolg hatten sie vorläufig nicht. Erst 
im Jahre 1791 emeueii:e Kleuker seine Vorschläge, und zu- 
gleich übersandte der Konrektor Franz Arnold Fortlage 
gleichfalls dem Rate solche, die dieser am 20. April 1791 dem 
geistlichen Ministerium zur Prüfung zugehen liefs.^) Dieses 
entschied sich für Kleuker; 2) aber auch jetzt erfolgte noch 
keine Änderung. 

Diese wurde erst vorgenommen, als Kleuker 1798 nach 
Kiel ging und der Subkonrektor Läger in demselben Jahre 
starb ; da hielt man den Zeitpunkt für eine durchgreifende 
Änderung für gekommen, und das Verdienst, sie durchgesetzt 
zu haben, gebührt dem damaligen Bürgermeister Heinrich 
David Stüve, der, selbst ehemaliger Zögling der Anstalt, 
die vorhandenen Mängel aus eigener Erfahrung kannte.^) So 
kam denn die neue Schulordnung zu stände, die der Rat am 
17. Juli 1798 erliefs.^) Sie war von einer Kommission be- 
raten, die aus mehreren Mitgliedern des Magistrats, vier 
Mitgliedern des (geistlichen) Ministeriums und den beiden 
ersten Lehrern bestand, und zeigt Verständnis für die ge- 
stellte Aufgabe. 

Die vorausgeschickten für die Reform mafsgebenden 
Grundgedanken entsprechen fast wörtlich den oben er- 
wähnten Kleukers. Um sie zu verwirklichen werden die 



^) Katsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 59. Unterricht 1. Die betr. 
Aktenstücke sowie die über die ganze Angelegenheit geführten Protokolle 
befinden sich im Ratsarchiv, Stadtsachen, Ecclesiastica, Schulsachen 58, 
Schulordnung 6. 

^) Ratsarchiv a. a. 0. 

») Vgl. S, 65. 

*) Ratsarchiv 58. Schulordnungen 6. Original. Vgl. auch das Progr. 
von 1798. 



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69 

Lektionen und Fächer künftig so unter die Lehrer verteilt, 
wie es ohne Rücksicht auf ihre Anstellung, nur „nach ihrer 
vorzüglichen Geschicklichkeit", geschehen kann. Die Lehrer 
sind daher nicht mehr für besondere Klassen, sondern für die 
ganze Schule da, und dafs sie den Namen einer bestimmten 
Dienststelle führen, hat weiter keinen Einflufs als auf ihre 
Besoldungen und besonderen Amtsverpflichtungen und auf die 
etwa bei* Leichenbegleitungen einzunehmenden Plätze. Die 
Schüler sollen auf allen Stufen Gelegenheit haben, sich in 
allen ihrem Alter und ihren Fähigkeiten angemessenen Kennt- 
nissen und Fertigkeiten zu üben. Sie rücken nach Mafsgabe 
ihrer Leistungen in andere Klassen auf, — es sind deren jetzt 
6: von Sexta bis Prima — und zwar so, dafs sie nach ihren 
Leistungen im Lateinischen auf die Klassen verteilt werden, 
dafs aber, wenn einer in anderen Fächern weiter ist, er an 
dem betreffenden Unterricht in einer höheren Klasse teil- 
nehmen kann. 

Im Lateinischen giebt es 6 Abteilungen oder Klassen 
mit wöchentlich wenigstens 34 Stunden. Die 5. und 6. Klasse 
stehen in engerer Beziehung zu einander. Im Griechischen 
wird in 3 Abteilungen in wöchentlich 8 Stunden unterrichtet, 
im Deutschen in 3 Abteilungen in 10 Stunden, im Fran- 
zösischen in 3 Abteilungen in 10 Stunden, im Englischen 
in 2 Klassen in 4 Stunden, im Hebräischen in 1 Stunde. — 
Für die Religion werden 3 Klassen mit 8 Stunden gebildet: 
in der ersten werden der Katechismus und biblische Ge- 
schichten durchgenommen, auch wird aus der Bibel selbst ge- 
lesen; in der zweiten wird die Glaubens- und die Sittenlehre 
vorgetragen, und in der obersten der höhere gelehrte Unter- 
richt angeordnet, wobei darauf hingewiesen wird, dafs über- 
haupt in allen diesem Fache zugewiesenen Stunden nicht so- 
wohl Lehrsätze 'zu geben, als vielmehr „Moral und Kenntnis 
„und Überzeugung von den Pflichten zu verbreiten" sind. — 
Für das mathematische Fach werden 3 Klassen mit 8 
Stunden, für die Geographie 2 mit 4 Stunden, für die Ge- 
schichte 2 mit 6 Stunden, für Naturgeschichte und 
andere praktische Kenntnisse — Kenntnis der Natur 



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70 

und Kunstprodukte und der damit sich beschäftigenden Künste 
und Gewerbe, mechanische Kenntnisse, Kenntnis des Men- 
schen, diätetische Regeln, Erklärung der Naturerscheinungen, 
des Kalenders u. dgl. — 2 Klassen mit 4 Stunden errichtet. 
Für andere gelehrte Kenntnisse — Encyklopädie der 
Wissenschaften überhaupt und der schönen Künste und Wissen- 
schaften, insbesondere Mythologie, Prosodie, gelehrte Ge- 
schichte, Bücherkunde u. s. w. — 4 oder 2 Stunden und für 
den encyklopädisch- philosophischen Unterricht gleich- 
falls 2 Stunden. — Für die Physik werden vorläufig noch 
keine bestimmten Stunden angesetzt: das Nötigste soll in 
andern der vorher bestimmten Lektionen durchgenommen 
werden. 

Wenn nun auch auf diese Weise der Lehrplan festgelegt 
ist, so geht doch die Meinung nicht dahin, dafs daran unab- 
änderlich festgehalten werde ; vielmehr ist es sowohl zur Auf- 
munterung der Lehrer und Schüler, als auch weil alle er- 
wähnten Pensa, besonders die in den Hülfskenntnissen, nicht 
in jedem Halbjahre durchgenommen werden können, nötig, 
dafs halbjährig in den Schulkonferenzen mit Rücksicht auf 
das vorhin Gesagte festgesetzt werde, was gelehrt und von 
wem und nach welchen Lehrbüchern es gelehrt werden soll. 
Der Rektor und Konrektor verfassen den darüber aufzu- 
stellenden Plan, teilen ihn 8 Tage vor dem Schlufs der halb- 
jährlichen Lektionen den Scholarchen mit, und von diesen 
und den Lehrern wird gemeinschaftlich und endgültig darüber 
Beschlufs gefafst. Eine Zeit, in welcher dieses oder jenes 
Pensum durchgenommen werden mufs, wird nicht bestimmt; 
doch wird dem Rektor und den übrigen Lehrern zur Pflicht 
gemacht, dafs sie selbst darauf sehen, ein vorher bestimmtes 
Ziel im Semester zu erreichen, um nicht den einen Schüler 
des andern wegen aufzuhalten. 

Um dies desto besser erreichen zu können und die Schüler 
an eine pünktliche Beobachtung der Ordnung und dessen, was 
ihnen obliegt, zu gewöhnen, wird ferner bestimmt, dafs der 
Unterricht von Lichtmefs (2. Februar) bis Martini morgens 
von 7 bis 10 Uhr, von Martini bis Lichtmefs von 8 bis 10 Uhr 



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71 

und — am Mittwoch und Sonnabend ausgenommen — nach- 
mittags von 1 bis 4 Uhr währe. Ferien giebt es vom Grün- 
donnerstag bis Mittwoch nach Quasimodogeniti, vom 1. bis 
zum 21. Juli, 14 Tage vom Donnerstage nach dem Michaelis- 
sonntage an gerechnet und vom Tage vor Weihnacht bis 
Epiphanias; doch sollen wenigstens in den Sommer- und 
Winterferien sämtliche Schüler in 2 Morgenstunden Unterricht 
erhalten. Der Auswärtigen wegen wird der Tag vor und nach 
Pfingsten freigegeben. Sollte sonst einmal ein freier Tag 
wünschenswert sein, so ist die Genehmigung der Scholarchen 
einzuholen. 

Die Schüler haben an allen Unterrichtsstunden teilzu- 
nehmen und pünktlich zu erscheinen; von dieser Obliegenheit 
entbindet nur Krankheit und eine von den Eltern u. s. w: 
eingehende Anzeige der Ursache des Ausbleibens oder Zuspät- 
kommens. Die Schulversäumnisse und Verspätungen sind von 
den Lehrern zu notieren, damit den Eltern oder Vormündern 
zeitig davon Mitteilung gemacht und die verwirkte Geld- 
strafe zum Besten der Schulbibliothek vierteljährlich einge- 
zogen werden kann. 

Das Schulgeld wird für die Sexta, Quinta und Quarta 
auf 8 .#, für die Tertia auf 10 4 und für die Sekunda und 
Prima auf 15 4 jährlich festgesetzt und ist vierteljährlich 
zu bezahlen. Aufserdem werden von jedem Schüler beim Ein- 
tritt und Abgang aus einer der vier untersten Klassen dem 
Rektor und dem Lehrer der Klasse, die er verläfst, und der, 
in die er kommt, 14 ß (= Vg '4\ beim Eintritt in die zwei 
obersten sowie bei der Versetzung und beim Abgang 1 i;^ 7 j^ 
(= 11/3 4) entrichtet. 

Von dem Erlafs der neuen Ordnung an soll es keinem, 
der unter der Jurisdiktion des Magistrats steht, erlaubt sein, 
sich mit andern dahin zu einigen, dafs sie ihre Kinder in den 
Wissenschaften und Sprachen, die auf dem Gymnasium ^,ex 
professo^^ gelehrt werden, gemeinschaftlich privatim unter- 
richten lassen, es sei denn, dafs sie halbjährlich dem Rektor 
für ein Kind von 8 — 12 Jahren 4 4i für einen Knaben von 
12 — 16 Jahren 5 4 und für einen über 16 Jahre alten 15 4 



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72 

zur gemeinschaftlichen Kasse der Lehrer zahlen; doch ist 
derjenige, welche für seine Kinder einen Hauslehrer hält, 
davon befreit^ ebenso der, welcher im Französischen und Eng- 
lischen ihnen von „wirklichen Sprachmeistern" Unterricht er- 
teilen läfst. 

Privatunterricht an Kinder zu erteilen, die keine öffent* 
liehen Schulen besuchen, ist weder Lehrern noch Schülern 
der Anstalt gestattet; doch wird man es gern sehen, wenn 
sie — die Schüler nur mit Erlaubnis des Eektors — durch 
solchen Unterricht den öffentlichen zu fördern und Nützliches 
zu leisten suchen. 

Dann folgen Vorschriften, wie die Lehrer bei Ausübung 
ihres Amtes im allgemeinen und der Disziplin im besonderen, 
auch bei Versetzungen sich zu verhalten haben. 

Die nächste Aufsicht über die Schule steht, wie bisher, 
dem Eektor und mit ihm dem Konrektor zu. Sie haben von 
Zeit zu Zeit gemeinsam oder jeder für sich zu hospitieren 
und Mifsstände abzustellen. Die Lehrer haben in diesem 
Punkte ihren Anweisungen, die jedoch nicht in Gegenwart der 
Schüler gegeben werden dürfen und „bescheiden" zu erteilen 
sind, nachzukommen. Pflicht des Eektors und Konrektors ist 
es, „Vergehungen der Schüler zu bestrafen, von deren Ahn- 
„dung der Lehrer selbst enthoben zu sein wünscht oder welche 
„der Eektor den Lehrern nicht überlassen zu können ver- 
„meinet." Den Lehrern steht gegen ihre Verfügungen die Be- 
schwerde an die höhere Behörde frei : in diesem Falle ist die 
Befolgung der Verfügung bis Äur Entscheidung der Sache aus- 
zusetzen. 

Diese nächste Aufsicht (d. h. der Eektor und Konrektor) 
hat darauf zu sehen, dafs Lehrer und Schüler ihren Pflichten 
nachkommen, und zu dem Zwecke von Zeit zu Zeit zu be- 
richten und besonders darauf aufmerksam zu machen, wenn 
trotz aller Warnungen Lehrer oder Schüler von „einem be- 
tretenen unrichtigen Wege nicht abgehen". Daher werden 
auch die Scholarchen angewiesen, sich die Oberaufsicht ange- 
legen sein zu lassen. Zwar wird der Eat es gern sehen, wenn 
jeder, der sich für das Wohlergehen der Anstalt interessiert, 



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73 

und jeder Freund der Jugend, so oft es ihm beliebt, die 
Lehrstunden besucht und sich von dem Eifer und Fleifs der 
Lehrer und Lernenden überzeugt, weshalb auch allen Gliedern 
des Rats und des Ministeriums diese Besuche empfohlen wer- 
den; zunächst aber wird sämtlichen Scholarchen und insbe- 
sondere dem Superintendenten aufgetragen, so oft als möglich 
und zu unbestimmter Zeit ins Gymnasium zu gehen und sich 
von dem Fortgange der guten Sache zu überzeugen. Die 
Lehrer sind gehalten, deren Bemerkungen mit Bescheidenheit 
anzunehmen; doch steht ihnen trei, dagegen Rekurs beim 
Schulkollegium zu erheben. 

Dieses besteht aus sämtlichen Scholarchen, die dazu 
einen oder mehrere oder alle Lehrer des Gymnasiums und den 
einen oder andern Prediger, wie es ihnen gut dünkt, berufen 
können. Es hält Sitzungen, so oft es die Umstände erfordern, 
wenigstens aber alle halbe Jahre am Tage nach dem Examen, 
und zwar auf dem Rathause. Es bestimmt, was und wie auf 
dem Gymnasium gelehrt werden soll, untersucht Streitigkeiten 
zwischen Lehrern und Schülern, soweit der Rektor und Kon- 
rektor sich aufser stände fühlen, sie zu schlichten, oder die 
Vernachlässigung wiederholter Warnungen diese bewegen 
möchte, ernstere Schritte zu wünschen. Ist eine Lehrerstelle 
erledigt, so hat es das Vorschlagsrecht beim Magistrat ; doch 
ist es verpflichtet, in allen wichtigen Angelegenheiten an 
diesen zu berichten, da er in seiner Gesamtheit die oberste 
Behörde ist. 

Der Hauptanfang des Unterrichts wird auf den Mitt- 
woch nach Quasimodogeniti verlegt. Dann versammeln sich 
sämtliche Lehrer und Schüler zur Anhörung des öifentlichen 
Gottesdienstes in der Marienkirche und gehen von da in das 
Gymnasium, wo nach „einer von dem Rektor oder einem andern 
„der Lehrer zu haltenden und die Schüler zum Fleifs und zur 
„Ordnung ermahnenden Anrede die Schulgesetze durch einen 
„der Lehrer abgelesen werden". Zweimal jährlich, und zwar am 
Donnerstag vor Palmsonntag und am Donnerstag nach dem 
Michaelissonntag finden öffentliche Examina statt, wozu der 
Rektor, wie bisher, durch eine öffentliche Anzeige einladen 

6 



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74 

wird und die Freunde der Jugend sich nachmittags 2 Uhr 
versg^mmeln. Ostern werden die oberen Klassen geprüft; tags 
vorher überreichen die Lehrer die Zeugnisse aller Schüler^ 
damit „danach, insofern es nötig erachtet wird, verdientes 
„Lob oder Tadel ermessen werden kann". 

Andere Feiern will man nicht bestimmen; doch wird 
man es gern sehen, wenn alljährlich oder wenigstens alle zwei 
Jahre einmal ein öffentlicher Eedeaktus gehalten und dazu 
durch ein Programm eingeladen wird. 

Der Sängerchor bleibt wie bisher bestehen und der 
Aufsicht des Eektors und Konrektors unterstellt. 

Die Schulordnung soll den Lehrern mitgeteilt und bei 
künftigen Anstellungen als Grundlage ihrer Verpflichtung 
gelten. 

Über dieKlassenpensa werden wenigstens für einige 
Fächer Bestimmungen getroffen. Das der Eeligion ist schon 
oben angegeben. Für das Lateinische ist es „VervoU- 
„kommnung im Lesen, Deklinieren und Konjugieren, vernünfti- 
„ges Vokabelnlernen, leichte Formeln zur Übung und An- 
„Wendung der Formeln und Deklinationen. Diese Klasse ver- 
„läfst keiner, als bis er fertig deklinieren und konjugieren 
„kann. — 2. Klasse : Fortsetzung der Übung im Deklinieren 
„und Konjugieren und Vokabelnlernen ; der Teil der Syntax^ 
„der wenig oder gar nicht vom Deutschen abweicht; leichte 
„Übersetzungen des Stils. Diese Klasse verläfst keiner, als 
„bis er nach genere, casu, modo et tempore richtig übersetzen 
„kann. — 3. Klasse: Vollständiger Unterricht in der Syntax 
„mit beständiger Anwendung. Vokabeln werden nicht mehr 
„besonders gelernt, aufser dafs die in der Lektüre vor- 
„kommenden Wörter und Eedensarten durchgefragt werden. 
„Gröfsere Übungen des Stils, wobei Eutrop, Nepos, Phädrus^ 
„oder eine passende Chrestomathie einzeln oder mehrere zu- 
„gleich oder abwechselnd gelesen werden. — 4. Klasse: Übun- 
„gen des Stils mit Eücksicht auf die Schönheit desselben. 
„Gelesen werden Ciceros moralische Schriften oder ausge- 
„wählte Briefe, Caesar, Terenz, Curtius, auch wohl ein neuerer 
„guter lateinischer Schriftsteller. Ziel ist richtiges, fertiges 



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75 

„Übersetzen dieser Schriftsteller. — 5. und 6. Klasse: La- 
„teinische Ausarbeitungen, Disputationen oder Rezitationen, 
„Philosophen, Dichter und Historiker". 

Im Griechischen beschäftigt sich die 1. Klasse mit 
Lesen, Deklinieren und Konjugieren und der Lektüre einer 
leichten Chrestomathie; in der 2. wird ein leichter Historiker 
oder Dichter mit Rücksicht auf die Grammatik gelesen; in 
der 3. Homer, Xenophon, Thukydides, Piaton etc. 

Im Französischen erhält die 1. Klasse den Elementar- 
unterricht; die 2. liest leichtere Schriftsteller und treibt 
(schriftliche) Stil-, auch Sprechübungen ; die 3. liest schwerere 
Schriftsteller und setzt die Übungen fort. 

Im Englischen wird gleichfalls in der 1. Klasse der 
Elementarunterricht erteilt; sie liest leichtere, die 2. Klasse 
schwerere Schriftsteller. 

ImRechnen werden in der 1. Klasse die vier Species 
und die Regeldetri in ganzen Zahlen eingeübt; die 2. er- 
hält vollständigen, auf mathematischen Grundsätzen gebauten 
Unterricht im Rechnen, der für jeden künftigen Beruf nütz- 
lich ist; die 3. wird in die höhere Arithmetik und Geometrie 
eingeführt. 

In der Geographie bekommt die I.Klasse den ersten 
und allgemeinen Unterricht, die 2. den speziellen; ihr bleibt 
auch die mathematische und physische Geographie vor- 
behalten. — In der Geschichte soll in der ersten Klasse 
in 4 Stunden die allgemeine Welt- und biblische oder Reli- 
gionsgeschichte, in der 2. in 2 Stunden Spezial-, besonders 
deutsche Geschichte vorgetragen werden. 

So weit die neue Ordnung. Sie zeugt von grossem 
Verständnis für die Sache ; ganz besonders aber ist an ihr zu 
loben, dafs sie nur das Erreichbare erstrebte. Die nächste 
Aufgabe war nun, sie auch richtig durchzuführen. Der neu- 
ernannte Rektor Franz Arnold Fortlage erhielt in seinem 
Bruder Johann Heinrich Benjamin Fortlage, der 
zuerst von 1792 — 1796 Adjunkt des Kantors Michaelis^), 



1) Programm des R.-G., 1808, S. 16. 

6* 



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76 

dann zwei Jahre Pastor an St. Marien gewesen war, einen 
tüchtigen und einsichtsvollen Mitarbeiter. In einer Sitzung 
des Magistrats am 14. August 1798 wurde zuerst der Ge- 
danke angeregt, ihn zu berufen; man bezweifelte aber, dafs 
er die Berufung vom Predigtamte weg — dieses galt als das 
höhere — annehmen werde, und beauftragte den Bürger- 
meister Stüve, seine Meinung zu erforschen.^) Noch an dem- 
selben Tage setzte sich Stüve mit ihm in Verbindung, und 
schon am 15. August teilte Fortlage diesem schriftlich mit, 
dafs er die Wahl annehme. 2) Am Freitag, 17. August, wurde 
in einer zweiten Magistratssitzung seine Berufung definitiv 
beschlossen.^) Er sollte zwar erst Ostern 1799 sein neues 
Amt antreten, da er, um seine bisherigen Amtsbrüder nicht 
zu belasten, selbst einen dahin gehenden Wunsch ausge- 
sprochen hatte, aber doch gleich das neue Amt mitüber- 
nehmen. Zugleich gewährte man ihm eine Zulage von 70 ^, 
wie auch sein Bruder sie als Konrektor gehabt hatte, und 
versprach ihm eine Vergütung* aus dem vom Busscheschen 
Stipendienfonds, falls er, wie man es wünschte, sich die 
Würde eines Doktors und Magisters der Philosophie holen 
werde. Das letztere geschah, um ihn auch äufserlich den 
Predigern gleichzustellen, die den Titel „Magister" eo ipso 
führten. Er wurde als Konrektor ebensowie sein Bruder als 
Rektor am Freitag den 20. Oktober in sein Amt eingeführt ; 
zu dieser Feier lud der Rektor in einem Programm besonders 
ein, in welchem er eine Abhandlung veröifentlichte über das 
Thema: „Einige Gedanken über den Beruf und Stand eines 
Schulmannes." 

Die Schule erfreute sich sehr bald des Wohlwollens des 
Publikums; das bewies der zahlreiche Besuch bei öffentlichen 
Feiern, besonders aber die steigende Frequenz: während 
Ostern 1798 die Schülerzahl 58 betragen hatte, stieg sie im 
folgenden Semester auf 68, im Wintersemester 1798/99 auf 77 



^) Katsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 60, 61. Acta die Kon- 
rektores betr. 

^) Ratsarchiv. Ebenda. 

^) Ratsarchiv. Ebenda. 



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77 

und betrug im Sommersemester 1799: 98. In der Prima 
waren 12, in der Sekunda 11, in der Tertia 14, in der Quarta 13, 
in der Quinta 18 und in der Sexta 30 Zöglinge. Michaelis 
1798 waren 3 Abiturienten da (Christian Georg Otto Lasius 
aus Burgdorf, Klufsmann aus Bramsche und Gerhard Moritz 
Ernst Rump von Haus Bringenburg im Tecklenburgischen), 
Ostern 1799: 2 (Reinhold aus Osnabrück und Bernstein aus 
Badbergen), Michaelis 1799: 5 (G. Ä. Peithmann aus Gehrde, 
J. F. Sporleder aus Ibbenbüren, C. F. Rump von Haus Bringen- 
burg, B. R. Abeken^) und J. B. Wahnstrat). Im ganzen 
scheinen die Schüler grofsen Eifer gezeigt zu haben ; doch 
klagt der Rektor darüber, dafs die Eltern sich nicht ge- 
nügend mit den Lehrern in Verbindung setzen. Daher wendet 
er sich mit folgenden noch heute beherzigenswerten Worten 
an das Elternhaus und das Publikum überhaupt : „Oft erfährt 
„man von einem Schüler erst etwas durch die dritte oder 
„vierte Hand, was unmittelbar dem Lehrer hätte mitgeteilt 
„werden müssen : oft weifs das ganze Publikum etwas Tadelns- 
„wertes oder Strafwürdiges, nur der Lehrer nicht, und wie 
„soll man dann Vorkehrungen machen oder Besserungsmittel 
„anwenden, wenn man das Übel nicht kennt? So verbreitet 
„sich nach und nach ein sittliches Übel unter mehreren 
„Schülern, ohne dafs der Lehrer etwas eher erfährt, als bis 
„das Übel zu weit eingerissen ist, da es hätte gleich verhütet 
„werden können, wenn man den Lehrer sogleich damit be- 
„kannt gemacht hätte. Die Lehrer werden es also mit dem 
„gröfsten Danke erkennen, wenn ihnen das, was aufser der 

,;Schule von den Schülern geschieht, . . . bekannt gemacht 
„wird." 2) 

Eine zweite Klage betriift die Vorbereitung der Knaben, 
die der Schule überwiesen sind. Ein grofser Teil derselben 
ist im Lesen und Schreiben so sehr vernachlässigt oder zurück- 
geblieben, dafs die Lehrer die gröfste Mühe haben, ihnen 
etwas beizubringen. Die Schule soll aber keine Schreib- 
und Leseschule- sein; dazu sind andere Schulen vor- 

*) Der spätere Direktor der Anstalt. 
*) Programm des R.-G. von 1799. 



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78 



banden. Zwar ist dafür gesorgt, dafs die Knaben, die noch 
nicht lesen können, in besonderen Stunden darin geübt werden ; 
aber die Zeit könnte doch besser angewandt und die Schüler 
könnten ohne dies Hindernis weiter gebracht werden. Mancher 
ist unter der ausdrücklichen Bedingung aufgenommen, dafs 
ihm durch Privatunterricht im Lesen weiter fortgeholfen 
werde; allein die Bedingung scheint gröfstenteils unerfüllt 
geblieben zu sein. 

Übrigens stieg die Frequenz auch weiter noch; eine 
Übersicht über dieselbe in den Jahren 1798 bis 1817, d. h. 
bis zu dem, in welchem das neue — bis auf den heutigen 
Tag benutzte — Gebäude bezogen wurde, giebt folgende 
Tabelle : ^) 



Jahr 


Ostern 


Mich. 


Jahr 


Ostern 


Mich. 


Jahr 


Ostern 


Mich. 


1798 


68 


77 


1805 


117 


118 


1812 


132 


141 


1799 


98 


100 


1806 


119 


107 


1813 


142 


149 


1800 


107 


109 


1807 


125 


134 


1814 


140 


142 


1801 


114 


115 


1808 


129 


132 


1815 


156 


161 


1802 


116 


116 


1809 


123 


122 


1816 


166 


163 


1803 


126 


128 


1810 


121 


125 


1817 


162 


— 


1804 


124 


119 


1811 


133 


138 









Dafs die mafsgebenden Persönlichkeiten auch nach anderer 
Eichtung hin bemüht waren, die Anstalt zu heben, ersehen 
wir aus dem Programm von 1799. In demselben hebt der 
Eektor Fortlage hervor, wie aufserordentlich nützlich eine 
Schulbibliothek sei. Das Gymnasium besitze allerdings eine 
solche von etwa 800 oder mehr Büchern, die nach und nach 
von Freunden geschenkt seien; doch gehöre davon nicht der 
zwanzigste Teil in eine eigentliche Schulbibliothek. Die Obrig- 
keit habe daher beschlossen, die wenigen brauchbaren auszu- 
sondern, die übrigen öffentlich und meistbietend zu verkaufen, 
um von dem Erlös und einem noch vorhandenen kleinen Fonds 



^) Fortlage, Pi-ogramm zur Einweihung des neuen Gymnasial- Ge- 
bäudes, 1817, S. 25. Bibliothek des R.-G. 



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79 

etwas Besseres und allgemein Brauchbares anzuschaifen. Dazu 
sollen auch etwa einkommende Strafgelder sowie kleine Bei- 
träge, die von neuaufgenommenen oder versetzten Schülern 
erhoben werden, Verwendung finden. Endlich hat der Eat die 
Erlaubnis erteilt, zu diesem Zwecke bei den wohlhabenden 
Bürgern eine Kollekte abhalten zu lassen. Erwünscht sind 
nicht nur Geldbeiträge, sondern auch Beiträge an guten 
Schulbüchern und andern guten Jugendschriften, da die 
Bibliothek nicht nur zum wirklichen Bedürfnis, „sondern auch 
zur nützlichen angenehmen Unterhaltung für die Jugend" dienen 
soll, um ihr statt so vieler unnötigen und „unnützen Bücher 
etwas Gutes zu lesen in die Hände zu geben". Im Programm 
von 1816 setzt der Eektor dann den Nutzen der Lehrmittel 
und besonders der Bibliothek des weiteren auseinander. Zu 
den oben erwähnten Mitteln kam übrigens noch der Ertrag 
einer bei Gelegenheit der Schulreform 1798 gehaltenen Schul- 
predigt. 1) 

In die Zeit bis 1815 fällt eine gröfsere Schulfeier, die 
aber wegen der Mangelhaftigkeit des Schullokals 2) am 17. Ok- 
tober 1809 morgens 10 Uhr auf dem alten Rathause abge- 
halten wurde: an diesem Tage beging der Kantor August 
Heinrich Michaelis sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum. Zu 
demselben wurden — soweit festzustellen ist — 3 Festschriften 
veröifentlicht : der Rektor Fortlage gab ein Programm heraus, 
in welchem er kurz das Leben des Jubilars schilderte, der 
Konrektor Fortlage seine an dem Festtage gehaltene Rede, 
und sämtliche Schüler liefsen ein 10 Strophen enthaltendes 
Festgedicht drucken.^) Die letzteren thaten ein Gleiches 1812 
bei der Ankunft der Gemahlin „des höchstverehrten und ge- 
liebten" Präfekten des Ober -Ems -Departements, des Ritters 
Ton Keverberg, Mitglieds der Ehrenlegion. 

Die Zeit der Fremdherrschaft war nämlich gekommen. 



^) Programm von 1817, S. 34 f. 

«) Vgl. S. 57 f. 

^) Die 3 Schriften finden sich in der Bibliothek des R.-G. Michaelis 
wurde bald nach der Feier in den Ruhestand versetzt. Vgl. Programm 
von 1815, S. 10 f. 



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80 

1802 war auch das Hochstift Osnabrück säkularisiert und an 
Kurhannover gefallen; aber schon am 28. Mai 1803 rückten 
Franzosen ein, und nun wechselten während 11 Jahre die 
Herrscher des Landes, bis das Fürstentum 1810 dem französi- 
schen Ober-Ems-Departement zugeteilt wurde. 

Erst 1813, als Napoleon bei Leipzig geschlagen war,, 
wurde es frei. Am 3. November verliefsen die Franzosen unter 
dem General Labourdi6re „ohne Trotz und Grimm und still 
und ruhig" die Stadt, i) Im Namen des Prinzregenten, des. 
späteren Königs Georg IV. von England — er führte seit 
dem 5. Februar 1811 für seinen geisteskranken Vater die 
Eegentschaft — wurde im Fürstentum eine Regierungskom- 
mission eingesetzt, die aus dem Oberappellationsrate von 
Stralenheim, dem Kammerherrn Ostmann von der Leye 
und dem ehemaligen Stadtsekretär Struckmann bestand. 
Damit waren wieder geordnete Zustände hergestellt. Am 
24. Juli 1814 wurde dann unter allgemeiner Beteiligung der 
Bürgerschaft ein grofsartiges Friedensfest gefeiert, über 
welches der Konrektor Fortlage in einer besonderen Schrift 
berichtete. 

Dafs die trüben Zeiten nicht ohne Einwirkung auf die 
Entwickelung der Schule bleiben konnten, läfst sich denken. 
Sie zeigte sich zunächst in den inneren Verhältnissen. Aller- 
dings ging das einmal gewonnene Vertrauen der Bürger- 
schaft nicht wieder verloren, wie wir aus der oben*) ge- 
gebenen Frequenztabelle erkennen können; zeigt sie auch 
mehrfach Schwankungen, so ist doch im ganzen ein Fort- 
schritt sichtbar. Auf andere Weise wurde sie indes hart be- 
troifen. Der Rektor F. A. Fortlage war seit dem Jahre 
1810 krank; da nun die Mittel der Anstalt selbst nicht aus- 
reichten und andere bei den traurigen Verhältnissen nicht zu 
beschaffen waren, um ihn zu pensionieren, so mufsten die 
Kollegen ihn vertreten. Erst im Jahre 1815 konnte er in den 
verdienten Ruhestand treten, nachdem der Rat ihm eine 



^) J. H. B. Fortlage, Das Friedensfest zn Osnabrück am 24. Juliua 
1814. Nebst historischer Einleitung. S. 18. 

2) S. 78. 



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81 

Pension von jährlich 250 4 und zur Hausmiete 50 4 ^^' 
willigt hatte ;^) an seine Stelle trat sein Bruder, der schon 
mehrfach genannte Konrektor. Ebenso war der Kantor Michaelis 
schon lange seines Alters wegen nicht imstande, seinen Unter- 
richt gehörig zu versehen; er bekam daher von 1792^ — 1796 
als Adjunkten J. H. B. Fortlage, 2) von 1796—1814 C. A. 
Th. Kerksieg und von 1814—1817 Justus E. H. L. Fort- 
lage, den Sohn von Franz Arnold. 

Schlimmer stand es um die äufseren Verhältnisse. Ge- 
schehen konnte für die Anstalt nur wenig, so wenig, dafs 
mehrfach den Lehrern ihre Gehälter nicht pünktlich gezahlt 
wurden, geschweige denn für andere Bedürfnisse gesorgt 
werden konnte. Da kam der Bürgermeister Stüve, dessen 
ganze Liebe das Gymnasium besafs, auf den Gedanken, es mit 
dem CoUegium Paulinum (dem ehemaligen Jesuitenkolleg) 
zu verschmelzen unter der Voraussetzung, dafs der Religions- 
unterricht getrennt gegeben und keine Mönche angestellt 
würden. In einem Schreiben an den Präfekten von Pestel 
vom 17. September 1808^) begründet er diesen Plan damit, 
dafs dem Eatsgymnasium zur Sicherung seiner Fortdauer 
jährlich mindestens 3 — 400 4 fehlten, das katholische Gym- 
nasium dagegen weit besser fundiert und eine Verschmelzung 
beider dem Staate nur zuträglich sein könne. Das habe auch 
die vormalige hannoversche Organisationskommission eben- 
sowie die spätere preufsische eingesehen, und beide seien auf 
denselben Gedanken verfallen; doch sei infolge der Verhält- 
nisse nichts daraus geworden. Der (westfälische) Minister 
des Innern, Simeon, trat nun gleichfalls diesem Plane näher 
und zwar angeregt durch eine Klageschrift des G. Carolinum, 
welches gleichfalls in Not war, da die Zahlungen aus der 
früheren Ständekasse (de la caisse des ci devants Etats) auf- 
hörten und die Domäne Sondermühlen für den Kaiser selbst 



*) KatsprotokoU vom 7. April 1815 und Lohnredmungen von 1815 
und 1816. Fortlage starb am 27. Januar 1816. 
2) Vgl. S. 75 f. 
^) Ratsarchiv. Stadtsachen. Ecclesiastica 57, 8. Konzept. 



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82 

in Anspruch genommen war, und er foi*derte in einem aus 
Kassel am 23. Dezember 1808 an den Präfekten erlassenen 
Schreiben ^) diesen auf, ihm behufs der Vereinigung eine Über- 
sicht über Einnahme und Ausgabe beider Anstalten und ein 
Verzeichnis ihrer Lehrer mitzuteilen, zugleich aber auch, ihm 
geeignete Vorschläge zu machen. Der Präfekt liefs das 
Schreiben dem Bürgermeister Sttive am 30. Dezember in Ab- 
schrift zugehen ^) und verlangte von ihm einen genauen Nach- 
weis über die Ausgaben des Stadtgymnasiums nebst einer 
Liste seiner Lehrer und Schüler. Am 1. Januar 1809 spricht 
Stüve in einem Schreiben von Pestel seine Freude über den 
Plan aus und zugleich die Hoifnung, dafs seine Ausführung 
von Segen sein werde.^) Am 16. Juni wird er dann von dem 
Nachfolger von Pesteis aufgefordert, seine Ansichten über die 
Vereinigung schriftlich einzusenden.^) Stüve that das im 
Juni 1809.5) • 

Stüves Vorschläge waren den Verhältnissen angemessen, 
und auch die französische Regierung verschlofs sich keines- 
wegs der Erkenntnis der bestehenden Mifsstände, sondern 
suchte sich vielmehr zunächst durch ihre eigenen Beamten 
über dieselben und die Möglichkeit der Abhülfe zu unter- 
richten. 

Der Bericht derselben ist gedruckt in einer offenbar amt- 
lichen Mitteilung der höchsten Behörde, und zwar bei „Fain, Im- 
primeur de TUniversite Imperiale." Das 116 Seiten umfassende 
Heft trägt am Kopfe die Überschrift f Universite Imperiale. 
Eapport sur l'instruction publique dans les nouve- 
aux departemens de la Basse Allemagne. Fait en exe- 
cution du decret imperial du 13 döcembre 1810. Par 
M. Cuvier, Conseiller titulaire, et par M. Noel, Conseiller 
ordinaire et Inspecteur gen6ral de Tüniversite imperiale". 
In dem Aktenstück heifst es wörtlich auf S. 23 — 34: 




^) Ratsarchiv. Ebenda. Abschrift. 

^) Ratsarchiv. Ebenda. Original. 

*) Ratsarchiv. Ebenda. Konzept. 

*) Ratsarchiv a. a. 0. Original. 

*) Ratsarchiv a. a. 0. Konzept. Das Tagesdatum fehlt. 



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83 

L'ev6che d'Osnabruck, beaucoup moins considerable que celui de 
Munster, n'avait pu se former d'universite ; mais rinstruction primaire 
et secondaire ^) y ötait assez soignöe ; et, comme la religion catholique 
et la protestante y regnaient presque egälement, il y avait des 6ta- 
blissemens particuliers pour Tune et pour l'autre. 

La Population de la ville m6me d'Osnabruck, forte de neuf mille 
deux Cents ämes, est moiti^ catholique, moitie lutherienne. 

Chaque communion a ses ecoles primaires, soumises k la sur- 
veillance de leurs pasteurs respectifs. Les protestans en ont quatre, 
tant pour les fiUes que pour les gar9ons. Chacune n'a qu'un maltre 
ou . precepteur. Les catholiques en ont le m6me nombre. Dans les 
unes et dans les autres, les objets d'instruction sont les preceptes de 
la religion, la lecture, Tecriture, les elemens du calcul, ceux du chant 
de TEglise et la connaissance des devoirs. 

M. le prefet actuel avait le projet d'etablir, dans son d^parte- 
nient, une ecole normale^) pour les inaltres, ä Tinstar de celle qui est 
dirigee ä Munster par le respectable Overbeck. II a mßme extrait de 
l'ouvrage de cet ecclesiastique, sur cette raatiöre, les idees principales, 
et les a comprises dans une petite brochure qu'il a fait imprimer. 

Osnabrück a deux etablissemens d'instruction du deuxi^me degre, 
un gymnase lutherien, et un gymnase catholique. 

Le Premier est le fruit de la reformation da seizi^me siäcle. II 
avait ete etabli par le raagistrat, en 1542, dans le couvent des fran- 
ciscains, avec Tautorisation de lövöque de ce temps-lä, qui n'etait pas 
trös-oppose ä la reformation; mais Tinterim de 1548 mit fin ä. cette 
premi^re existence. On reunit, en 1555, Tinstruction des deux religions 
a Tecole de la cathedrale; mais les inconveniens de cette reunion 
s'etant fait sentir, le magistrat reprit son projet versl583; il disposa 
l'ecole prös de Feglise de Sainte-Marie, et en forma, en 1595, le gym- 
nase actuel, dans la possession duquel il fut maintenu par un jugement 
de la chambre imperiale de 1603. Les protestans se cotis^rent pour 
les frais de premier Etablissement ; des legs pieux se sont joints ä ces 
Premiers fonds : le tout s'est eleve, principalement par les soins du 
maire actuel, jusqu'ä sept ä huit mille francs de revenu, qui fönt au- 
jourd'hui la dotation de cet institut. 

Ces revenus sont administres par le maire, qui est en mßme 
temps scolarque, et par M. Mertens, surintendant des öglises luthe- 
riennes. 



^) Elementar- und Gymnasialunterricht. 
*) Musterschule, höheres Lehrerseminar. 



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84 

L'ecole s'est toujours soutenue par le merite des regens, par celui 
des hommes utiles sortis de son sein, et surtout par son attention k 
marcher avec le sidcle, et k conformer son enseignement aux progrös 
des lumiöres et aux besoins du temps. Ce fut surtout en 1798, que^ 
sous la direction de M. Stüve, alors bourgmestre, aujourd'hui maire, 
le gymnase subit une reforme totale, et fut organis^ sur le plan des 
ecoles les plus c^lebres. Depuis cette epoque, il a toujours marche 
d'amelioration en amelioration, au point de meriter le suffrage de M. 
Heyne, *) et d'attirer non-seulement les enfans des ^trangers, mais 
m6me ceux des catholiques, quoiqu'il y ait dans la m^me ville un 
gymnase special pour cette communion. 

Ce gymnase municipal a aujourd'hui six regens, tous elöves de 
Tacademie de Goettingue, et un adjoint. Ces six instituteurs sont 
designes par les noms: le premier, de recteur; le second, de co-recteur; 
le troisiöme, de sous- co-recteur; le quatriöme, de chantre ; et les deux 
derniers, de collaborateurs. 

II est divise en six classes, organis^es de maniöre que cbaque 
maltre y donne les le9ons pour lesquelles il a fait des etudes plus 
approfondies, et se sent plus d'aptitude. C'est a peu pr^s la mäme 
Organisation qu'ä Br6me. 

Les objets d'instruction sont: 

1^. La religion, qui a 3 degres. 

2®. La Philosophie 1. 

3^. L'arithmetique 3. 

4®. La geometrie 2. 

5^ L'histoire 3. 

6^ La gäographie * 3. 

7^. L^histoire naturelle 2. 

8^ La technologie 1. 

9«. L'hebreu 1. 

10®. Le grec 3. 

IV. Le latin 6. 

12^ Le fran9ais . 3. 

13^ L'anglais 2. 

14«. L'allemand 3. 

15^ Les antiquit^s .1. 



^) Der Göttinger Philologe Christian Gottlob Heyne — vgl. über 
ihn Ziegler, Geschichte der Pädagogik, S. 255 — hat sich mehrfach aner- 
kennend über das Ratsgymnasimn ausgesprochen. 



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85 

A ces divers enseignemens sont joints le chant et le dessin; le 
dernier est enseigne par des maltres prives. 

Les livres classiques qui sont entre les mains des jeunes gens 
sont, outre les livres elementaires et ceux de religion, Homöre, Thucy- 
dide, Xönophon, Plutarque, Horace, Virgile, Ovide, Terence, Ciceron, 
Tite-Live, Pline, Salluste, J. Cesar, Cornelius Nepos, Pbödre; Boileau, 
Corneille, Racine, La Fontaine, la Henriade, Fen^lon, Barthelemy, 
Milton, Thompson, etc. 

Dans r^tat actuel des choses, le recteur se trouvant malade 
d'esprit et de corps, son fr^re, le co- recteur, a pris la direction du 
gymnase, et s'est trouve Charge de ses le9ons. Ses collögues se sont 
vus obliges de se partager quelques -unes de Celles du co-recteur, et 
tous demandent la nomination d'un r^gent ou d'un adjoint. 

Le nombre actuel des elöves est de cent vingt-cinq ä cent trente, 
dont dix-sept sont admis gratuitement. Les autrespayent un minerval,*) 
savoir : ceux des basses classes, deux dcus, ou huit francs par trimestre ; 
ceux des classes intermediaires, deux 6cus et demi oii dix francs; et 
ceux des classes sup^rieures, pr^s de trois ecus, ou douze francs. Cette 
contribution se verse dans une caisse commune, pour ätre repartie 
ensuite entre les regens. 

De ces cent trente el^ves, trente sont etrangers; le reste est de 
la ville ou du territoire. 

Les conges ont lieu deux fois par semaine, savoir: le mercredi 
et le samedi apr^s midi. 

Les vacances durent les vingt-deux premiers jours de juillet ; 
quinze jours ä la Saint- Michel ; quinze ä Pftques; et quinze aux 
fßtes de No6l. 

Le traitement des maltres et des adjoints varie de deux cent 
quatre-vingts thalers, ou onze cent vingt francs, ä cent trente thalers, 
ou cinq cent vingt francs ; et la retribution ou minerval, de trois cents 
thalers, ou douze cents francs, ä sept cent quatre-vingts thalers, ou 
sept Cent vingt francs. Ainsi le minimum est de treize cent quatre 
francs, et le maximum de deux mille trois cent vingt francs. 

A ces emolumens se joignent les suivans: les cinq premiers 
regens jouissent de maisons consacr^es depuis long-temps ä leur usage. 
Tous les six ont douze boisseaux de ble par an; et le recteur, en 
outre, trois voitures de bois de chauflFage. Enfin, toutes les classes sont 
chauflEees Thiver avec du charbon de terre, aux frais de la ville. 



1) Schulgeld. 



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86 

Le bätiment est antique et peu considerable. II est compose 
de deux etages, et n'a que cinq classes assez etroites. Au second, sont 
des coUections peu importantes, savoir : un cabinet d'histoire naturelle, 
forme ä Taide de dons gratuits, et une petite bibliotheque, donnee par 
le co-recteur Fortlage, homme zele pour Tinstruction, au point d'avoir 
quitte la place de pasteur, beaucoup plus lucrative, pour celle qu'il 
occupe aujourd'hui. II n'y a d'ailleurs aucun fonds assigne pour achat 
de livres, d'instrumens de physique, d'objets d'histoire naturelle, de 
modales de dessin, etc. 

Le gymnase catholique d'Osnabruck fait remonter son origine 
jusqu'en 772, ou 777, epoque k laquelle Charlemagne le fonda en möme 
temps que l'evöche, ce qui lui fait prendre le nom de CaroUnum, qti'il 
conserve jusqu'a ce jour. 

A l'äpoque de la reformation, il 6tait tombe en decadence, ce 
qui donna occasion aux premiöres tentatives de la ville pour etablir 
un gymnase Protestant; et depuis 1555 jusqu'ä Ferection definitive du 
gymnase Protestant en 1595, on admit au Carolinum des regens lu- 
theriens. En 1625, le prince ev6que, Fran^ois-Guillaume de Warten- 
b^i^g» y ätablit des jesuites, qui Tont administre jusqu'ä la supression 
de leur ordre, epoque oü ils furent reraplaces par des franciscains. 

Ce m6me evöpue lui obtint du pape ürbain VIII, le 11 sep- 
tembre 1629, et de Tempereur Ferdinand II, le 2 fevrier 1630, les 
Privileges universitaires; mais, lesSuedois s'etant empares d'Osnabruck 
en 1633, Tuni versitz fut supprimee et n'a point ete retablie depuis. 

C'etait le seul etablissement secondaire catholique qui existät dans 
les pays annexes derni^rement aux etats hanovriens. 

Les fonds, dont on evalue le revenu k environ douze mille livres, 
consistent en plusieurs edifices assez considerables, en cens, fermages 
et en capitaux, places k int^rßt dans la caisse du pays d'Osnabruck, 
dans Celle des domaines, ou dans d'autres fonds publics. Mais dans les 
trois derni^res ann^es qui viennent de s'ecouler, la cessation du payement 
des int^rßts, le logement des gens de guerre et Tobligation de les 
nourrir, jointes aux autres charges resultantes des circonstances poli- 
tiques, ont cause un vide considerable; de mani^re qu^on n'a pu 
s'occuper des r^parations m6me les plus urgentes, et que les edifices 
sont extr6mement d^labres. On esp^re cependant que le payement des 
revenus arrieres, Texemption de logement et des autres contributions 
rendraient bientöt aux fonds assez de valeur pour les mettre en etat 
de remplir les intentions des fondateurs et de faire face aux depenses 
necessaires. 



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87 

En attendant, les religieux se plaignent de n'ötre pas payes 
depuis trois ans, et vivent d'emprunts et du produit de leurs jardins. 
Nous devons observer pourtant qua M. le comte de Chaban, que nous 
avons cru devoir informer de leur Situation penible, nous a assure 
avoir donne Tordre de leur faire payer leurs honoraires, qui ne se 
montent qu'ä environ quatre-vingts francs par an, ces religieux trouvant 
dans la maison leur vestiaire, leur logement et leur table commune. 

L'enseignement est donn^ par des franciscains, qui portent Thabit 
de leur ordre, en observent la r^gle, et vivent en communaute. Ils 
sont tous prötres; mais, quoique membres d'un institut religieux, ils 
pretendent n'ßtre pas regardes comme moines, parce qu41s n'ont, sous 
ce rapport, aucune connexion avec les couvens auxquels ils appartiennent 
originairement, mais sont subordonnes immediatement au president des 
öcoles, k qui Tautorite competente ecclösiastique a confie la direction 
du gymnase. 

Quoi qu'il en soit de cette pretention, teile est T Organisation 
actuelle de l'etablissement : 

Les elöves sont repartis en sept classes, dont cbacune a son regent 
particulier, sous la dii-ection du superieur, qui est en möme temps 
examinateur synodal et assesseur au vicariat episcopal. 

Les objets d'instruction sont : 

Les langues latine, allemande et fran^aise; 

La geographie; 

L'histoire ; 

Les mathematiques ; 

La physique et la chimie; 

La m orale, la logique et la metaphysique ; 

Et principalement la religion. 

Tous les matins ä sept heures, les eläves, sous la conduite de 
leurs regens, vont k l'eglise du College. La messe est precedöe de can- 
tiques accompagnes de Vorgue; les le^ons durent depuis sept heures 
trois quarts jusqu'ä dix teures moins un quart ; et l'aprös-midi, depuis 
deux heures jusqu'ii quatre. A ces le^ons publiques, succ^dent des re- 
petitions. Ainsi les el^ves se rassemblent de nouveau dans les classes, 
le matin, depuis dix heures et demie jusqu'ä onze heures trois quarts ; 
le soir, depuis quatre heures et demie jusqu^ä sept heures moins un 
quart; et, dans le trimestre d'ötä sfeulement, tous les matins, depuis 
cinq heures jusqu'ä. six heures un quart, pour faire, sous les yeux des 
regens, les devoirs donnes en classe. Par consequent la duree des le9onä 
est, tous les jours, de sept heures et demie, et, en et^, de huit heures 



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88 

trois quarts, exceptö les mardis et jeudis, oü il y a congö depuis deux 
heures jusqu'i quatre. Si Ton Joint k ces soins penibles les visites 
inopinees des r^gens chez les parens des Kleves, ponr surveiller leurs 
lectures, et l'obligation qu^ls se sont imposee d^aider les cur^s dans 
leurs fonctions pastorales, on verra que ce sont des hommes bien occupes. 

Nous ne voyons pas cependant que ce z61e, assur^ment louable, 
ait eu une grande influence sur la prospörit^ de Vetablissement ; car, 
a notre passage, le nombre des elöves n'etait que de cinquante-deux. 
Les religieux attribuent cette diminution, specialement quant aux trois 
demiöres annees, ä la secularisation des biens ecclesiastiques et des 
corporations, et surtout ä la conscription militaire. Mais une partie 
de ces motifs aurait pu nuire egalement au gymnase lutherien, qui 
cependant a presque le triple de ce nombre. II est possible que Tin- 
struction de ce dernier, plus complMe (car on a pu remarquer que 
les franciscains n'enseignent pas le grec), ait contribue k cette de- 
sertion. II est permis aussi de penser que des el^ves de Goettingue sont 
plus habiles que des maltres formes dans les ecoles claustrales. Nous 
aurions d^sire, pour arr^ter nos idees k cet egard, comparer entre eux 
les eleves des deux gymnases ; mais, ceux du premier se trouvant alors 
en vacances, notre examen n'a pu avoir que les derniers pour objet, 
et cet examen n'a rien de probatoire. 

La maison n'a point de bibliotheque ; le cabinet de physique est 
mediocrement fourni. Nous y avons remarque une machine pneumatique 
et un appareil electrique. 

Nous pensons que Tinteröt bien entendu de Tinstruction publique 
et le Systeme de Tüniversite commanderaient la reunion de ces deux 
etablissemens en un seul, qu'on eleverait au rang de lycee. Les bÄtimens 
sont en mauvais ^tat, il est vrai; mais on peut trouver dans la ren- 
tree des fonds arrieres de quoi faire face aux r^parations, et ce lycöe 
serait d'un tel inter6t pour la ville, que sans doute eile ne refuserait 
pas d'y contribuer. Un edifice spacieux, des cours, des jardins, une 
dotation de dix-neuf k vingt mille livres de rente k laquelle on pourrait 
joindre le prix du loyer ou de la vente du bätiment oü sont placees 
les classes du gymnase lutherien, et de bons maitres; car ceux du 
gymnase catholique ne sont pas sans merite; voilä, ce semble, des 
motifs assez d^terminans. 

Autant les regens lutheriens sont favorables k la reunion, autant 
les franciscains en sont eloignes ; ils all^guent la pente qu'ils supposent 
k leurs rivaux vers le socinianisme, le peu d'intärßt qu^ls les accusent 
de prendre aux moeurs de leurs eleves; le zöle des franciscains pour 



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89 

cette partie importante; le sufiErage de M. Tävöque, qui comme on le 
presume, est tout en leur faveur ; enfin ropinion de M. de Muller lui- 
möme, ministre de rinstruction publique dans le royaurae de West- 
phalie, lequel, apräs avoir entendu les deux partieß, a cru devoir se 
desister d'un projet qui d'abord avait eu son assentiment. 

La langueur oü est tombä le Carolinum ne plaide malheureuse- 
ment pas trop en sa faveur; aussi M. l'evöque parait-il avoir l'intention, 
moins de le conserver comme gymnase, que d'y placer le seminaire 
de son dioc^se, parce qu'il n'y a point d'enseignement theologique dans 
tout le d^partement. Mais, d'abord, le voisinage de Munster qui, dans 
toutes les hypotH^ses, aura une faculte de th^ologie, rend cet etablisse- 
ment moins nöcessaire; et d*ailleurs, ce qui est d^cisif, Tüniversitö 
imperiale ne peut consentir ä laisser denaturer et sortir de ses mains 
un etablissement dont la destination immemoriale est Tinstruction 
publique. 

II n'est au reste pas besoin de dire qu'ici, comme en Hollande, 
les regens qui ne trouveraient pas leur place au lycee, ou qui ne se 
voueraient pas exclusivement aux fonctions du culte, devraient con- 
server requivalent des avantages dont ils jouissent dans Tetat actuel. 

Nous ne trouvons pas qu'il y ait d'ecole latine dans les autres 
lieux de Tevöche d' Osnabrück. *) 

Das umfangreiche Aktenstück läfst erkennen, dafs 
man sich eingehend mit der Angelegenheit beschäftigte ; aber 
ein positives Resultat ergab sich auch jetzt nicht, wenngleich 
man fortgefahren zu haben scheint, der Frage Beachtung zu 
schenken. Aus den Jahren 1811 — 1813 finden sich verschiedene 
Korrespondenzen des Präfekten mit dem Maire Stüve. Der 
Präfekt verlangt wiederholt Auskunft über die Anstalt, ihre 
finanzielle Lage, die Lehrer u. dgl. Einmal, am 31. Dezem- 
ber 1811, wünscht er eine solche über das Gymnasium Caro- 
linum: 2) Stüve lehnt diese jedoch ab und ersucht ihn, sich an 



*) Ein Exemplar befindet sich in der Bibliothek des R.-G., (G. III. 6) ; 
es trägt auf der Innenseite von des Konrektors Fortlage Hand den Ver- 
merk: „M. Benjamin Fortlage", ist also wahrscheinlich diesem amtlich zu- 
gestellt. Eine Abschrift des die Osnabrticker Schulen betreffenden Gut- 
achtens besitzt gleichfalls die Bibliothek des R.-G. (Hdschr. A. XLIV). 
Auch sie charakterisiert sich der Schrift nach als eine amtliche Ausferti- 
gung. 

*) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica, 57, 8. Original. 

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90 

die Kommission in katholischen Kirchensachen zu wenden, 
worauf der Präfekt am 18. Januar 1812 antwortet,^) dafs er 
dies zwar gethan habe, dafs aber die Aufsicht des Maire sich 
nicht blofs auf das protestantische, sondern auch auf das 
katholische Gymnasium erstrecke. Interessant sind besonders 
zwei Korrespondenzen. Am 13. Juli 1811 fordert der Präfekt 
von Keverberg den Maire Stüve in einem längeren Schreiben ^) 
auf, ihm eine genaue Auseinandersetzung über die Einkünfte 
des Ratsgymnasiums zu geben, indem er zugleich die Form 
der Tabellen, in denen die Angaben zu machen sind, bis ins 
Einzelne vorschreibt; ferner verlangt er eine tabellarische 
Übersicht über die Lehrer, ihre Besoldung, schriftstellerische 
Thätigkeit, auch darüber, ob sie der französischen Sprache 
mächtig sind, vertrauliche Nachrichten über ihre sittliche 
Würde, politischen Grundsätze u. s. w. Stüve soll diese An- 
gaben entweder der Tabelle einverleiben oder „sonst ver- 
schlossen" mit der Note: „Für den Maire allein" beifügen. 
Endlich wünscht er Angaben über den Ursprung und die 
Schicksale des Gymnasiums, „sowie über die in der Litteratur- 
„geschichte merkwürdig gewordenen Lehrer oder Zöglinge, 
„die es hervorgebracht hat, über deren Lehren, Verdienste 
„und Schriften." Doch darf durch Nachforschungen der Art 
keine Verzögerung stattfinden. Am 1. August 1811 erneuerte 
der Präfekt die Aufi'ordeiung dringender,^) und nun sandte 
Stüve die geforderten Tabellen mit einer kurzen Übersicht 
über die Geschichte der Anstalt und die übrigen Gegen- 
stände ein — eine Arbeit, die nicht blofs von seiner pein- 
lichen Sorgfalt, sondern auch von seiner grofsen Sachkenntnis 
Zeugnis ablegt.^) Die zweite gehört in den Anfang des 
Jahres 1813.^) Das erste Schreiben ist allerdings am Kopfe 
datiert vom 12. Januar 1812; aber die Jahreszahl ist gedruckt, 
und man hat sich augenscheinlich nicht die Mühe gegeben, die 



1) Ratsarchiv a. a. 0. 


Original. 


*) RatsarcMv a. a. 0. 


Original. 


*) Ratsarchiv a. a. 0. 


Original. 


*) Ratsarchiv a. a. 0. 


Konzepte 


^) Ratsarchiv a. a. 0. 


Original. 



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91 

Ziffer 2 in derselben in die 3 zu ändern, da der Präsentations- 
vermerk lautet: „P. 12. Jan. 1813. N. 91." Zunächst ver- 
langt der Unterpräfekt des Arrondissements Osnabrück Haillard 
in Ausführung eines kaiserlichen Dekrets vom 15. November 
1811, dafs die Rechnungsablage der Gemeindeschulen alljähr- 
lich von dem Vorsteher jeder Schule vor dem versitzenden 
Maire und einem Mitgliede des Rats der Akademie (Conseil de 
racad6mie) oder einem andern Abgeordneten des Vorstehers 
des Arrondissements (Recteur d'arrondissement) und zwei Mit- 
gliedern des Munizipalrats abgelegt werden solle. Der stell- 
vertretende Maire — Adjunkt Thorbeke, da Stüve am 21. Januar 
1813 zur Teilnahme an den Sitzungen des Corps 16gislatif 
in Paris abgereist war — berichtete unter Beifügung eines 
Protokolls am 30. Januar 1813,^) dafs die Revision in Gegen- 
wart des Konrektors Fortlage und der Munizipalräte Grüner, 
Predigers, und Ehmbsen, Friedensrichters, stattgefunden habe. 
In dem Protokoll wird, nachdem die Richtigkeit der von Stüve 
geführten Rechnung bezeugt ist, hervorgehoben, dafs zur 
Unterhaltung der Anstalt nur die Zinsen von den ihr aus- 
drücklich vermachten, von der Stadt aufgenommenen und von 
ihr zu ihrem Nutzen verwandten Kapitalien gebraucht, die 
Länderzinsen aber seit 1809 rückständig seien. Um diesen 
Ausfall zu vermeiden, müsse man bei Aufstellung des Stadt- 
haushalts auf diese Verhältnisse Rücksicht nehmen. 

Die Fremdherrschaft ging vorüber — wie ein wüster 
Traum, könnte man sagen, wäre nicht die Wirklichkeit so 
furchtbar gewesen. Auch für das Ratsgymnasium kamen 
bessere Zeiten; aber der, der am meisten um sein Wohl- 
ergehen gesorgt hatte, sollte sie nicht mehr erleben: Stüve 
hatte in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1813 die Augen für 
immer geschlossen.^) Doch trat wiederum ein Mann desselben 
Namens für die Anstalt ein. Es ist uns nämlich ein Aufsatz „des 
Advokaten Stüve ^) als zeitigen Administrators des Fonds 
des Stadtgymnasü" erhalten, in welchem dieser „die provisorische 



*) Ratsarchiv a. a. 0. Konzept und Abschrift. 
*) Vgl. Heinrich David Stüve, S. 93. 
*) Des Bruders des späteren Ministers und des Direktors. 

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92 

Regierung im Fürstentum Osnabrück" auf die Notlage, in 
welcher die Schule sich befindet, hinweist und um Mittel zur 
Abhülfe bittet.^) Das Schreiben trägt kein Datum, auch keine 
Unterschrift; dafs es von Stüve verfafst ist, ergiebt sich aus 
einem Briefe des Regierungsrats Struckmann 2) an den 
Konrektor Fortlage vom 9. Oktober 1814, in welchem er dem 
letzteren den vom Advokaten Stüve verfafsten Aufsatz, den 
dieser der Regierungskommission zu übergeben gedenkt, über- 
sendet und ihn ersucht, bevor er selbst offiziellen Gebrauch 
davon mache, mitzuteilen, ob noch Desideranda von Wichtig- 
keit hinzuzufügen seien. 

Ob und inwieweit gerade dieses Memorial und die Be- 
fürwortung Struckmanns gewirkt hat, läfst sich nicht er- 
kennen: gewifs ist, dafs die neue Regierung dem Gymnasium 
ihre Fürsorge zuwandte. Am 13. Januar 1815 eröffnete die 
Königlich Grofsbritannisch- Hannoversche proviso- 
rische Regierungs-Kommission, gez. Stralenheim und 
Struckmann, dem Magistrat von Osnabrück, das Königliche 
Kabinetsministerium habe in einem Reskript vom 7. d. M. zu 
erkennen gegeben, dafs es dem evangelischen Gymnasium eine 
zweckmäfsigere und bequemere Einrichtung verschaffen wolle, 
als das bisherige Lokal gewähre, und zu dem Zwecke auf 
Antrag der Kommission die unentgeltliche Überlassung 
der von Böselagerschen Kurie zu genehmigen geruht. 
Um nun bei dem Prinzregenten die nötigen Anträge machen 
zu können, fordere man den Magistrat auf, sich zu erklären, 
ob er bereit sei, die erforderlichen Bau- und Einrichtungs- 
kosten aus der Stadtkasse zu bestreiten.^) Der Rat nahm 
das Anerbieten selbstverständlich mit Freuden an; doch 
zögerte sich die Angelegenheit noch eine Weile hin, bis denn 
in der Ratssitzung vom 28. April 1815 mitgeteilt wurde, dafs 
nach einem Schreiben der Regierungskommission die Kurie 
definitiv abgegeben sei und alsobaldigst mit dem Bau der An- 



*) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 57, 8. Konzept. 
^) Ratsarchiv a. a. 0. Original. 
*) Schulakten des R.-G. Abschrift. 



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93 

fang gemacht, auch von Zeit zu Zeit darüber möge berichtet 
werden.^) In der Ratssitzung vom 5. Mai 1815 wird dann 
ein zweites Schreiben der „General-Interims-Administration" 
mitgeteilt, dem zufolge das geschenkte Schulhaus nunmehr 
völlig tibergeben werden soU.^) So konnte mit dem Bau be- 
gonnen werden, und im Oktober war die Einrichtung soweit 
vollendet, dafs das neue Lokal bezogen werden konnte. Ver- 
ausgabt waren dafür im Jahre 1815 2433 4 l"? ß 8V2 'A» 
1816 4802 4 U ß 8 ^, 1817 6636 4 U ß 8 At ™ ganzen 
13873 4 ^ ß ^2 A' unter den Ausgaben sind u. a. zu ver- 
zeichnen an Gelbgiefser Biermann für die gegossenen und ver- 
goldeten Buchstaben der Inschrift („Bonis literis sacrum" über 
der Hauptthür) 26 4, für den Katheder in der Aula 113 ,^ 
und für die Zeichnung dazu 4 .Jf ; an den Konrektor und 
Professor Abeken für Aufstellung der Bibliothek 150 4i ^.n 
den Subkonrektor Wehrkamp für Aufstellung des Naturalien- 
kabinets 50 4, endlich an den Lackierer Brinkmann für 2 
eichene Platten mit vergoldeter Inschrift zur Bibliothek 
4 4 15 ß 9 ^. (Die letzteren werden wohl die sein, welche 
noch heute oben an den rechts und links vom Mittelgange 
des Hauptzimmers der Bibliothek stehenden Repositorien zu 
sehen sind und in vergoldeten Buchstaben die Inschrift tragen: 
links — Bibliotheka, rechts — Moesero-Frideri- 
ciana. Mosers Grofsneffe Friderici hatte im Februar 1817 
kurz vor seinem Tode (8. März) durch eine Schenkung unter 
Lebenden seine und Mosers Bibliothek, an 4000 Bände, der 
neugegründeten Schulbibliothek geschenkt.^) 

Die Regierung hatte aber inzwischen ihre Fürsorge noch 
weiter bethätigt. Sie hatte durch Reskript vom 13. März 
1815 aus der geistlichen Güterkasse für den Rektor emer. 
Fortlage 250 4^ Air den Rektor praesentiarius (J.H.B. Fort- 
lage) 150 4, für den Konrektor 150 4 und für den Sub- 
konrektor 100 4 angewiesen, wovon allerdings die erste 
Summe schon im folgenden Jahre nach Fortlages Tode weg- 



*) Ratsarchiv. RatsprotokoU vom 28. April 1815. 
*) Batsarchiv. RatsprotokoU vom 5. Mai 1815. 
8) Geschichte der Stadt Osnabrück, ü, S. XVIII f. 



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94 

fiel.^) Durch Reskript vom 22. Jiili wurden dann noch für 
die Anstellung eines neuen Sprachlehrers 200 4 und für die 
äufsere Verschönerung des neuen Gebäudes 500 4 aus der- 
selben Kasse bewilligt.^) Nach einem Reskripte vom 6. Juni 
1816 wurde auf Ansuchen dem Gymnasium die Bibliothek des 
säkularisierten Domkapitels (mit Ausnahme von 2 Werken) 
überwiesen, während das Gymnasium Carolinum die des gleich- 
falls aufgehobenen Klosters Iburg erhielt.^) 

Nach F. A. Fortlages Emeritierung und J. H. B. Fort- 
lages Ernennung zum Rektor wurde als Konrektor 1815 be- 
rufen Bernhard Rudolf Abeken. Geboren in Osnabrück 
am 1. Dezember 1780 als Sohn eines Kaufmanns hatte er das 
Ratsgymnasium und von Ostern 1799 an die Universität Jena 
besucht, war nach Absolvierung seiner Studien von 1802 — 1808 
Hauslehrer in der Familie des Ministers von der Recke, von 1808 — 
1810 Lehrer und Erzieher der Kinder Schillers und von da an 
Mitdirektor und Professor am Gymnasium in Rudolstadt ge- 
wesen, von wo er nach Osnabrück kam. Der Rat hatte ihm 
für Reisekosten 150 4 bewilligt,*) die Schüler der oberen und 
mittleren Klassen holten ihn um die Mitte Oktober zu Wagen 
und zu Pferde feierlich ein,^) und am 17. Oktober 1815 wurde 
er durch einen Schulaktus zugleich mit J. H. B. Fortlage als 
Rektor und mit dem Sohne von A. Fortlage, dem Zuchthaus- 
prediger J. F. H. L. Fortlage als Adjunkt des Kantors, 
in sein Amt eingeführt. Bei dieser Gelegenheit hielt er seine 
Antrittsrede über „Die Bedeutung und Wichtigkeit der Schule 
für das Leben". Der Rektor hatte zu der Feier in einem 
lateinischen Programm eingeladen, in welchem er eine Ab- 



*) Ratsarchiv. Schulrechnung von 1815. Schulakten des E.-G., Ab- 
schrift. 

*) Ratsarchiv. Ratsprotokoll vom 4. August 1815. Programm des 
R.-G. von 1817, S. 11. 

^) Hartmann im Programm von 1872, S. 30; Fortlage im Programm 
von 1817, S. 11. 

*) Ratsarchiv. Lohnrechnung von 1815. 

*) Hartmann, Programm von 1872, S. 6 ; Heuermann „Aus B. R. Abekens 
Briefen an Heinrich Vofs," im Progr. der städtischen höheren Mädchen- 
.schule und der Lehrerinnen-Bildungsanstalt zu Osnabrück, 1893» S. 20. 



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95 

handlang „De Gymnasii illustris civit. Osnabrug. per novissi- 
„mos annos vice et fortuna" veröffentlichte.^) 

Endlich nahte der Tag der Einweihung des neuen Ge- 
bäudes.^) Schon am 1. Oktober 1817 lud der Rektor zur 
Theilnahme durch einen lateinischen Ankündigungsbogen und 
^in besonderes Programm ein, in welchem er „Nachricht von 
der gegenwärtigen Verfassung des Rats-Gymnasiums zu Osna- 
brück" gab. Am Freitag, 24. Oktober 1817, fand der Umzug 
statt. Morgens 10 Uhr fanden sich die Lehrer und Schüler, 
der Rat, die evangelische Geistlichkeit und andere Teilnehmer 
in so grofser Menge ein, dafs „das kleine alte Schulhäuschen 
„in allen Winkeln und auf allen Stufen bis auf den Kirchhof 
„hinunter voll gedrängt" war. Eine ernste, feierliche Instru- 
mentalmusik eröffnete die Feier. Dann hielt der Rektor die 
Abschiedsrede, in der er der Stifter, Patrone und entschlafenen 
Lehrer gedachte und der göttlichen Vorsehung dankte, die 
222 Jahre lang die Stätte bewacht und bewahrt hatte. Zum 
letztenmal erklang in der alten Heimat der Schule unter 
Posaunenbegleitung das „Nun danket alle Gott". Dann setzte 
«ich der Zug in Bewegung, voran der Rektor, dann die Klassen, 
jede mit ihrem Lehrer an der Spitze. So zog man still und 
ernst durch die Marienkirche, in der unterdes die Orgel er- 
tönte, über den Markt und Domhof nach dem neuen Gebäude, 
wo sich in der Aula die höheren und niederen Behörden der 
Stadt, protestantische und katholische, und viele Bürger ver- 
sammelt hatten. Hier wurde der Zug „mit Pauken- und 
Trompetenschall" empfangen. Nach einem einleitenden Orchester- 
vortrag hielt der Stadtsuperintendent, zugleich Ephorus der 
Anstalt, Mertens, die Weiherede. Obgleich von der Gicht 
geplagt, hatte er es sich doch nicht nehmen lassen, seinen 
Beruf zu erfüllen: er hatte sich in das Gebäude tragen lassen 



*) Rede und Programm finden sich in der Sammlung der Programme 
des Ratsgymnasiums. 

*) Die folgende Darstellung gründet sich auf die Berichte zweier 
Theilnehmer: des Rektors Fortlage (Progr. des R.-G., 1822 ff.) und 
B. R. Abekens, (Vgl. die S. 94, Anm. 5 genannte Schrift Heuermanns S. 21 f.) 
Vgl. auch das die Feier anordnende Schreiben des Rats vom 5.- September 
1817 in den Schulakten des R.-G. 



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96 

und wurde von Lehrern auf den Katheder geführt, von dem 
aus er lateinisch, ausgehend von dem über der Hauptthür an- 
gebrachten Wahrspruch „Bonis literis sacrum" die Mahnung 
„Omnia cum Deo, et nihil sine eo"! den Hörern einprägte^ 
Nach seinen Schlufsworten : „Soli Deo gloria"! ertönte das 
„Allein Gott in der Höh' sei Ehr!" Darauf bestieg der 
Kektor den Katheder und begrtifste die Lehrer und Schüler 
mit einer Rede, in welcher er zeigte, j,wie das Gymnasium 
„seine Dankbarkeit und Freude über den neuen Lehrsitz auf 
„die würdigste Art beweisen könne". Nach einer Zwischen- 
musik sprach Abeken über „die Bedeutung der Weihe", worauf 
die Feier mit dem Gesänge eines von ihm gedichteten, seiner 
Rede angepafsten Liedes unter Instrumentalbegleitung schlofs. 
Nachmittags begab sich das Lehrerkolleg zu den vorgesetz- 
ten Behörden, um ihnen ihre Dankbarkeit zu bezeugen ; abends 
brachten die Sekundaner und Primaner den Lehrern und Be- 
hörden einen Fackelzug. Damit endete die Feier, bei welcher 
der zweite KoUaborator R. Krefs als erster und der cand. 
theol. C. G. A. Stüve — der spätere Direktor — als zwei- 
ter KoUaborator eingeführt wurden. 

Das alte Schulgebäude wurde vom 1. Januar 1820 an 
der Kön. Steuer-Direktion für 80 4 jährlich verpachtet ;0 
später ist es abgebrochen. 

Schon am 20. September 1816 hatte der Rat beschlossen^ 
mit dem Beginn des neuen Semesters die durch die Ordnung 
von 1798 eingesetzte Schulkommission, die während der 
Fremdherrschaft aufgehoben gewesen war, wieder in Thätig- 
keit treten zu lassen.^) In dieselbe wurden gewählt die beiden 
Bürgermeister, der Syndikus Dr. Kemper, der Stadtrichter 
Ehmbsen, der Superintendent Mertens, der Pastor Grüner,, 
der Rektor Fortlage und der Konrektor Abeken. Am 19. Juni 
1820 wurde dem Rektor Fortlage durch ein besonderes Re- 
skript von der Regierung der Titel „Direktor" beigelegt und 



^) Ratsarchiv. Stadtsachen, Ecclesiastica 64. Schulfonds 4. 
*) Ratsarchiv. Ratsprotokoll vom 20. September 1816; Abschrift in 
den Schulakten des R.-G. 



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97 

ihm zugleich aus den Überschüssen der Kommende Lage eine 
Gehaltszulage von 100 4 bewilligt, i) 

Michaelis 1819 wurde neben dem aufserordentlichen 
Lehrer für das Französische als solcher für das Englische 
angestellt J. von Lucenay. Ostern 1821 wurde eine Neue- 
rung eingeführt, welche J. D. Stüve schon früher empfohlen 
hatte: es wurden über die Fortschritte, den Fleifs und das 
Betragen der Schüler gedruckte Schemata am Ende eines jeden 
Semesters von den Lehrern ausgefüllt, vor den versammelten 
Klassen in der Aula vorgelesen und den Schülern einge- 
händigt, die sie nach den Ferien von den Eltern oder Vor- 
mündern unterschrieben den Klassenlehrern wieder mitzu- 
bringen hatten. Nachdem Weihnachten 1821 der erste KoUabo- 
rator R. Krefs als Pastor nach Hüter gegangen war, rückte 
C. G. A. Stüve in dessen Stelle ein, und als zweiter wurde 
J. H. D. Meyer, geboren in Bramsche am 17. November 
1798, ein ehemaliger Schüler der Anstalt, am 9. Januar 1822 
eingeführt ;2) er wird den älteren unserer Leser noch in der 
Erinnerung sein: ist er doch erst, nachdem er am 9. Januar 

1872 sein öOjähriges Amtsjubiläum gefeiert hatte, Michaelis 

1873 in den Ruhestand getreten und am 28. Dezember 1878 
gestorben. Da die Zahl der Schüler stetig wuchs, (sie be- 
trug Ostern 1824: 219), mufste man daran denken, neue Lehr- 
kräfte heranzuziehen, um einer Überfüllung einzelner Klassen 
durch Teilung derselben vorzubeugen. Der Subkonrektor 
Wehrkamp starb am 11. Juli 1824, am folgenden Tage der 
Adjunkt cand. theol. Mues. In Wehrkamps Stelle rückte 
Stüve, in dessen Meyer, zweiter KoUaborator wurde der 
cand. theol. F. H. R. G. Sergel, ein geborener Osnabrücker, 
und Adjunkt ebenfalls ein Osnabrücker, der cand. theol. 



^) Eiae Abschrift der betr. Verfügung verdankt der Verfasser der 
Güte des Zweitältesten noch lebenden Schülers der Anstalt — der älteste 
ist, soviel bekannt, der hier lebende Kantor emer. Schröder — , des am 
1. Januar 1811 geborenen Herrn Senators Fortlage, eines Sohnes des 
oben genannten. 

*) Programm von 1822, S. 21. f. Von hier an beruht unsere 
Darstellung im wesentlichen auf den Angaben der Pro- 
gramme. 



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98 

J.G.L. Mertens, der Sohn des Superintendenten. Die Stelle 
des Adjunkten oder Hülfslehrers war neu gegründet und von 
der Regierung mit 300 4 dotiert. Dann wurde die überfüllte 
Tertia, in welehe auswärtige Schüler in der Regel eintraten 
und aus der die, welche nicht studieren wollten, abgingen, in 
eine Grofs- und Kleintertia geteilt. So konnte das Lateinische 
besser betrieben und für die Schüler, die aus der Tertia ins 
bürgerliche Leben eintraten, der Unterricht im Deutschen und 
Rechnen verstärkt werden.*) Das Griechische begann erst in 
der Sekunda; doch nahmen auch die Grofstertianer an dem 
Unterricht in diesem Fache teil, der übrigens nicht obligatorisch 
war. Nach dem Michaelisprogramm von 1828 wurden in der 
Prima in 2 besonderen wöchentlichen Stunden Sophokles und 
Homers Odysse gelesen und ebenso in 2 besonderen Stunden 
unter F'ortlages Leitung lateinische Disputierübungen abge- 
halten. Besonderer französischer Unterricht wurde von der 
Prima bis Tertia in je 2 Stunden und englischer in der Prima 
und Sekunda gleichfalls in je 2 Stunden erteilt. 

Mertens wurde schon Johannis 1825 Inspektor und Ober- 
lehrer des Lehrerseminars. In seine Stelle trat am 17. Oktober 
1825 der cand. theol. B. V. W. C. S er gel. Als dieser dann 
schon nach 2V4 Jahren als zweiter Prediger nach Quaken- 
brück ging, beschlofs man, eine wesentliche Änderung im Lehr- 
plan einzuführen. 2) 

In dem Plane von 1798 war ein besonderer Unterricht 
in der Mathematik und den Naturwissenschaften vorgesehen;') 
aber dieser Unterricht konnte nur als Notbehelf angesehen 
werden. Er war bis dahin bald von diesem bald von jenem 
Lehrer erteilt, zuletzt von Fortlage; auch hatten nicht alle 
Schüler daran teilgenommen, „weil die öffentlichen Lehrstun- 
den für andere Gegenstände in Anspruch genommen werden 
mufsten. Da man sich aber der Überzeugung von der Not- 
wendigkeit gerade dieses Unterrichts nicht verschlofs, so wurde 
im März 1828 die Stelle des Adjunkten (Hülfslehrers) in eine 



^) Michaelisprogramm von 1824. 
*) Osterprogramm von 1828, S. 3 f. 
8) Vgl. S. 69. 



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99 

l)esondere öffentliche Lehrstelle für Mathematik und 
Naturwissenschaft umgewandelt und diese dem bisherigen 
Schulamtskandidaten Johann Jakob Feldhoff, einem ge- 
borenen Elberfelder, verliehen, der vorher sein Probejahr am 
Gjrmnasium in Cleve absolviert hatte. Am Dienstag, 22. April 
1828, morgens 10 Uhr wurde er in sein Amt feierlich einge- 
führt, i) 

Noch eine andere wichtige Neuerung wurde getroffen, 
Michaelis wurde vom Schulvorstande u. a. genehmigt und ver- 
ordnet, „dafs vorläufig für die zur Akademie ab- 
„gehenden Scholaren eine besondere Maturitätsprü- 
,,fung dahin einzurichten sei, dafs die Abiturienten, 
„sowohl Inländer als Ausländer, ein Vierteljahr vor 
„dem beabsichtigten Abgange in Gegenwart einiger 
„Herrn Deputierten des Schulvorstandes und der 
„sämtlichen Gymnasiallehrer sich einer Prüfung so- 
„wohl in mündlichen als schriftlichen Leistungen 
„unterwerfen sollten, worüber in Bezug auf Materie 
„und Form das Nähere zu seiner Zeit bekannt ge- 
„macht werden solle." 2) Noch bevor also für Hannover die 
allgemeine Maturitätsprüfung angeordnet wurde, ^) war eine 
solche hier schon eingeführt. In derselben wurde ein leichtes 
Curriculum vitae in lateinischer Sprache verlangt, aufserdem 
ein deutscher, lateinischer und französischer Aufsatz mit 
blofser Beihülfe eines Wörterbuchs und die Auflösung mathe- 
matischer Aufgaben. Zur Anfertigung dieser Arbeiten wurde 
jeder Examinand in ein besonderes Klassenzimmer einge- 
schlossen. Mündlich wurde im Klassenzimmer der Prima ge- 
prüft; verlangt wurde die Übersetzung eines Stückes aus 
griechischen und lateinischen Klassikern, poetischen sowohl 
wie prosaischen (auch aus solchen, welche nicht gerade auf 
der Schule gelesen wurden, „um zu zeigen, dafs der Geist 
Kraft gewonnen hat, selbständig zu arbeiten"), ebenso eines 



^) Osterprogramm von 1828, S. 4 f.; S. 15 ff. 
*) Osterprogramm von 1828, S. 6. 

*) Das geschah durch Kabinettsverordnung vom 11. September 1829 ; 
vgl. Wiese, „Pas höhere Schulwesen in Preufsen." Berlin 1869. 11, S. 367. 



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100 

Stückes aus französischen und englischen Klassikern; Beant- 
wortung historischer Fragen und Lösung einiger mathe- 
matischer Aufgaben nebst Beweis; für die zukünftigen Theo- 
logen noch eine Übersetzung aus dem Alten Testamente. Die 
Prüfung in der Geschichte, der Geographie und den Alter- 
tümern konnte, besonders bei den griechischen und lateinischen 
Schriftstellern, mit der Übersetzung verbunden werden. Die 
Prädikate waren Nr. 1 = vorzüglich fähig, Nr. 2 = hin- 
reichend fähig, Nr. 3 = nicht hinreichend fähig; doch gab 
es auch Zwischennummern, die bei einem Manko durch den 
Zusatz „bedingt" bezeichnet wurden. Streifte die Nr. 2 schon 
an Nr. 1, so erhielt sie den Zusatz: „mit Auszeichnung". Die 
mündliche Prüfung fand statt am 1. Mittwoch im August 
bezw. Februar (bei eingetretenem Hindernis an einem der 
folgenden) morgens 9 Uhr, die schriftliche an den beiden der 
mündlichen vorhergehenden Sonntagen und am vorhergehenden 
Mittwoch und Sonnabend.^) Das erste Examen nach dieser 
Ordnung bestanden am 4. Februar 1829 die Abiturienten 
H. T. Warnecke aus Osnabrück, F. W. Wübbel aus 
Fürstenau und J. H. Wehrmeyer aus Quakenbrück. ^) 

Allgemein geregelt wurde im ganzen Königreiche die 
Maturitätsprüfung durch die Kön. Verordnung vom 11. Sep- 
tember 1829 und die Ausführungsbestimmungen vom 30. No- 
vember desselben Jahres. 

Das erste Examen bestanden danach am 4. und 5. März 
1830 6 Abiturienten. 

Es wurde jetzt für alle, welche studieren wollten und 
schon eine Schule besuchten oder besuchen sollten, eine Vor- 
prüfung vorgeschrieben, die ein halbes Jahr nach erfolgter 
Konfirmation oder nach zurückgelegtem 14. Jahre stattfinden 
sollte. Sie hatte festzustellen, ob der Examinand seinem Alter 
entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten besafs, um er- 
warten zu dürfen, dafs er später für das Studium geeignet 
sei. Die Prüfungskommission bestand aus sämtlichen Lehrern 



^) Michaelisprogramm von 1829, S. 2 ff. 
^) Michaelisprogramm von 1829, S. 4 f. 



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101 

der betr. Anstalt und einem Geistlichen als Vorsitzenden. 
Verlangt wird von dem Schüler ein deutscher Aufsatz und 
eine schriftliche Übersetzung aus dem Deutschen ins La- 
teinische; im mündlichen Examen wird in den Hauptfächern 
des bis dahin vom Schüler genossenen Unterrichts geprüft. 
Wer nicht besteht, kann zwar auf der Schule bleiben; aber 
die Lehrer haben desto genauer darauf zu sehen, dafs er den 
seinen Kenntnissen entsprechenden Platz erhält. 

Die Bestimmungen über die Maturitätsprüfung weisen 
mehrfach wesentliche Änderungen gegen die Osnabrücker auf; 
manche sind noch heute in Gültigkeit. An schriftlichen 
Arbeiten wurden verlangt: 1) ein lateinischer Aufsatz; 

2) eine Übersetzung nebst lateinischer Interpretation einer 
Stelle aus einem der schwereren griechischen oder lateinischen 
Schriftsteller, besonders einem Dichter, wobei die Übersetzung 
aus dem Griechischen deutsch oder lateinisch sein konnte; 

3) ein deutscher Aufsatz ; 4) eine Übersetzung aus dem Deut- 
schen ins Französische ; 5) die Lösung einiger mathematischer 
und physikalischer Aufgaben; 6) die schriftliche und ausführ- 
liche Beantwortung einer Anzahl von Fragen aus der älteren 
und neueren Geschichte und Geographie, der griechischen, 
römischen, deutschen und französischen Litteraturgeschichte ; 
7) von den künftigen Theologen die Übersetzung eines auf 
der Schule nicht gelesenen Stücks der hebräischen Bibel ins 
Deutsche oder Lateinische mit grammatischen Erklärungen. 
Die schriftlichen Arbeiten sollen von sämtlichen Examinanden 
in einem gemeinsamen Lokal angefertigt werden; für die 
unter 1) — 3) und 4) genannten wird je ein Vormittag ver- 
wandt, die Ausarbeitung der übrigen soll nicht mehr als 
4 Stunden dauern. 

In der mündlichen Prüfung werden leichtere und 
schwerere griechische und lateinische Schriftsteller vorgelegt ; 
eine kurze Präparation am Tage und im Lokal der Prüfung 
vor dem Anfange derselben, mit Hülfe eines Wörterbuchs 
und unter Aufsicht eines Lehrers ist bis auf weiteres ge- 
stattet. Bei dem mündlichen Examen soll noch ein kurzes und 
leichtes lateinisches Extemporale geschrieben werden. Die 



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102 

weitere Prüfling erstreckt sich auf das Französische, Deutsche 
(allgemeine Sprachlehre, Lehre vom Stil und Litteraturge- 
schichte), die Geschichte und Geographie, Mathematik und 
Naturwissenschaften, Eeligion und Hebräisch. Die Zeugnisse 
werden in 3 Abstufungen („Klassen") ausgestellt, wobei das 
Hebräische und die Naturwissenschaften als Neben-, alle 
übrigen Lehrgegenstände als Hauptfächer gelten. Kompen- 
sationen sind unter gewissen — allerdings scharfen Bedin- 
gungen — gestattet.^) 

Durch eine neue Instruktion vom 22. Mai 1839 wurden 
die Kompensationen erleichtert, dagegen die Anforderungen 
an das sittliche Verhalten der Examinanden verschärft.^) 

Durch Kön. Verordnung vom 5. August 1846 und die 
Instruktion vom 15. August d. J. wurden die Anforderungen 
ermäfsigt; aufserdem sollte das Urteil in Zukunft nur „reif' 
oder „nicht reif* lauten.^) Den die Rechte und Medizin als 
Studienfach Wählenden konnte das Erlernen des Griechischen 
erlassen werden; doch scheinen davon nur wenige Gebrauch 
gemacht zu haben. Im Jahre 1849 fiel die Bestimmung ganz.*) 

Eigentümlich berührt heutzutage ein Reskript des Ober- 
schulkollegs vom 13. Februar 1840, in welchem dieses seine 
Zufriedenheit darüber bezeugt, „dafs die Abiturienten des 
„vorigen Jahres alle mehr als das gesetzmäfsige Biennium in 
„der Prima zugebracht haben, mehrere drei und einer sogar 
„3V2 Jahre." Mau war eben der Ansicht, dafs ein längeres 
als das gesetzlich vorgeschriebene zweijährige Verweilen in 
der obersten Klasse wenn auch nicht geradezu notwendig, 
so doch zur Erlangung einer volleren Reife für die Universität 
sehr nützlich sei, worauf Abeken noch im Programm von 
1856 (S. 33) hinwies. 

Um allen denen, die sich für die Schule interessierten, 
Gelegenheit zu geben, sich von dem Erfolge des Unterrichts 
zu überzeugen, wurden Michaelis mit den Schülern der unteren 



^) Hannoversche Gesetzsammlung, 1829, I, S. 119 ff. ; m, S. 213 ff. 

*) Michaelisprogramm von 1840, S. 3 ff. 

3) Progr. von 1847, S. 13. 

*) Vgl. Wiese, Das höhere Schulwesen in Preufsen, II, S. 369. 573. 



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103 

und mittleren Klassen, Ostern mit denen der oberen öffent- 
liche Prüfungen in der Aula abgehalten. Der Geburtstag des 
Königs Georg IV. (12. August) wurde durch musikalische 
Vorträge und Vorträge von Primanern festlich begangen, wozu 
der Direktor durch ein besonderes (lateinisches) Programm 
einlud. „Vor der eisernen Pforte ward zur Feier des Tages 
„ein Doppelposten von der Stadtmiliz in voller Armatur auf- 
„gestellt, der vor den Ratspersonen die Honneurs machte. Die 
„Lehrer erschienen, wie bei sonstigen Schulfestlichkeiten, in 
„seidenen Mäntelchen, seidenen Beinkleidern und Strümpfen 
„und Schuhen, die mit goldenen Schnallen von verschiedener 
„Gröfse geziert waren: die gröfste war die des Direktors, 
„etwas kleiner die des Konrektors, noch kleiner die der übrigen 
„Kollegen." ^) Nach 1829 verschwand mit dem Festaktus auch 
der ganze Aufputz. Auch an Familienfestlichkeiten der Lehrer 
und Gönner der Anstalt nahmen die Schüler Anteil: so wid- 
meten sie Gedichte dem Kantor Michaelis zu seinem fünfzig- 
jährigen Amtsjubiläum am 17. Oktober 1809,*) der Gemahlin 
des Präfekten von Keverberg bei ihrer Ankunft in Osnabrück 
1812,^) ihrem gestorbenen Mitschüler G. C. L. Knille am 2. Mai 
1825, dem gleichfalls gestorbenen Kantor Wehrkamp am 
11. Juli 1825, „die dankbaren Tertianer" dem Subkonrektor 
Stüve bei Gelegenheit seiner Hochzeit mit „der Demoiselle 
Friederike Leopoldine Meyer" am 4. Oktober 1825 u. a.*) 

Mit dem Beginn des Schuljahres 1831 trat abermals 
eine wichtige Neuerung ein. Durch die Verfügung vom 11. Sep- 
tember 1829 und ein königliches Patent vom 2. Juni 1830 
war ein Oberschulkollegium in Hannover errichtet, 
dem alle diejenigen Befugnisse beigelegt wurden, „welche 
„der Zweck der oberen Leitung aller höheren ünterrichts- 
„anstalten in sich schliefst." Es bestand aus einem Vor- 
sitzenden — der erste war der Oberschulrat Friedrich 



*) Hartmann, Programm von 1872, S. 17 f. (wohl nach eigenen Er- 
innerongen). 

») Vgl. S. 79. 

») Vgl. S. 79. 

^) Drucke dieser Gedichte finden sich in der Programmensammlung 
des Ratsgymnasiums. 



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104 

Kohlrausch, ein geborener Hannoveraner, bis dahin Schul- 
rat in Münster, f 30. Januar 1867 — und zwei Mitgliedern: 
dem Archivrat Dr. Pertz (1841 Oberbibliothekar in Berlin, 
als Leiter der Monumenta Germaniae historica in der Ge- 
lehrtenwelt bekannt) und dem Kanzleii'at von Lüpke. Das 
Kollegium stand unmittelbar unter dem Kultusministerium.^) 
um die nächste Aufgabe der neuen Behörde zu erfüllen, die 
höheren Schulen des Königreichs in die beiden Abteilungen: 
vollständige Gymnasien, welche das Recht der Entlassung 
ihrer Schüler zur Universität haben sollten, und Progymnasien, 
welche ihre Schüler zum Eintritt in die oberen Klassen eines 
Gymnasiums vorbereiteten, daneben aber die Stellen der Real- 
schulen vertreten sollten, zu trennen, war es notwendig, die 
einzelnen Schulen kennen zu lernen.^) So kam Kohlrausch in 
den ersten Septembertagen 1830 auch nach Osnabrück, um das 
Ratsgymnasium zu revidieren.®) Lautete der folgende Revisions- 
bericht auch für die Anstalt günstig, so rügte er doch einzelne 
Mängel, welche zwar bislang nicht zu vermeiden gewesen 
waren, nun aber abgestellt werden mufsten. Es waren die 
häufigen Klassenkombinationen, besonders in den unteren 
Klassen, die bei dem Mangel an Hülfslehrern allerdings 
nötig waren, aber einen nachteiligen Einflufs auf einzelne 
Lehrgegenstände, vor allem auf die Übung im Kopf- und 
Tafelrechnen und auf die Elementarübungen im Deutschen 
hatten; sodann das gänzliche Fehlen des Schreibunterrichts 
und des allgemein verbindlichen Gesangunterrichts. Ein 
Schreiben des Oberschulkollegiums vom 6. Oktober 1830 machte 
auf diese Mängel aufmerksam: der Rat entschlofs sich zur 
Abhülfe.^) 

Zunächst wurde als Schreiblehrer angestellt der Kalli- 
graph H. F. Wellenkamp, ein geborner Osnabrücker und 



^) Wiese a. a. 0., S. 367. Das höhere Schulwesen des Königreichs 
Hannover seit seiner Organisation im Jahre 1830. Besonderer Abdruck 
aus der Hannoverschen Zeitung. Hannover 1855, S. 6. 

^) Das höhere Schulwesen des Königreichs Hannover etc., S. 6. 

^) Osterprogramm des R.-G. von 1831, S. 4. 

*) Osterprogramm des R.-Gr. von 1831, S. 4. 



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105 



Schüler der Anstalt, der seit einigen Jahren am Vezinschen 
Institute und am Lehrerseminar Schreibunterricht erteilt 
hatte. Als Hülfslehrer kam für die Elementarübungen im 
Deutschen und in den Realien und für praktisches Rechnen 
und Gesang Friedrich August Karl Nölle, der, in 
Hameln am 12. August 1808 geboren, seine Ausbildung als 
Lehrer auf dem Seminar in Hannover erhalten hatte und zu- 
letzt als Hauslehrer beim Landrat Lodtmann auf der Harder- 
burg thätig gewesen war. Allerdings mufste in den unteren 
und mittleren Klassen das Schulgeld um V2 4^ ^^^ ^^ ^^^ 
oberen um V4 »^ erhöht werden; doch konnte das nicht ins 
Gewicht fallen, weil der Privatunterricht im Rechnen, Schrei- 
ben und Gesang unnötig wurde. Nutzen aber brachte die 
Neuerung, da zwei ünterrichtsgegenstände neu eingeführt 
wurden (Schreiben und Gesang), auf den unteren Stufen der 
Unterricht in der Muttersprache und im Kopf- und Tafel- 
rechnen intensiver betrieben werden konnte und die Lehrer 
in den oberen Klassen eine Erleichterung erhielten, weil jetzt 
manche Kombinationen von Klassen wegfielen.^) Die Lehrgegen- 
stände verteilten sich nach Klassen und Stunden folgender- 
mafsen:^) 



II 



III 

Slip. 



m 

inf. 



IV 



VI 



Latein . . 
Griechisch 
Deutsch . . 



Hebräisch 

Französisch .... 

Englisch 

Rhetorik und Logik 
Mathematik .... 
Prakt. Rechnen . . 
Naturkunde .... 

Erdkunde 

Geschichte 

Litteratur-Gesch. . 

Schreiben 

Gesang 



9 

6 

1 

2 
2 

comb. 2 
2 



6 
comb 

6 I 

comb. 

- 1 

comb 
comb 



comb. 2 
comb. 2 



comb. 

comb, 
comb, 
comb. 



5 6 

comb. 2 



- 1 

comb, 



i. g. 55 Stunden 

» ?J I" 71 

V V ^ V 

4 

V V ^ V 
J1 V '^^ V 

15 „ 

10 „ 

10 „ 

2 „ 

12 „ 

4 „ 



» 7i 



^) VgL Oster- und Michaelisprogr. von 1831 ; Michaelisprogr. von 1832. 
^) Michaelisprogr. von 1831, S. 8. 

8 



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106 

Aufserdem besuchten viele Schüler aufser der Zeit den 
französischen Unterricht de Lucenays, der von Ostern 1831 
die Stunden des am Anfang des Jahres in den Ruhestand 
getretenen Maler übernahm.^) 

Lehrerkonferenzen waren am Ratsgymnasium schon 
früher abgehalten. Durch Verfügung vom 14. November 1831 
regelte das Oberschulkollegium sie ganz allgemein. Sie wurden 
nun von sämtlichen Lehrern am letzten Sonnabend jedes 
Monats nachmittags um 2 Uhr in dem Klassenzimmer der 
Quarta abgehalten ; das darüber geführte Protokoll wurde von 
allen Lehrern unterschrieben. 

Die obengenannte Verfügung ordnete zugleich besondere 
Klassenprüfungen an. Diese wurden so festgesetzt, dafs 
3 Wochen vor Johannis und 3 Wochen vor Weihnachten je 
3 Klassen an die Reihe kamen und in jeder Woche an einem 
Tage eine Klasse vorgenommen wurde, aber die Wochentage 
wechselten, damit nicht für einunddasselbe Fach zu viele 
Stunden ausfielen. An die Prüfung schlofs sich eine Lehrer- 
konferenz, in welcher die betr. Klasse besprochen wurde. An- 
wesend waren ein oder mehrere Mitglieder des Schulvorstan- 
des und die ordentlichen Lehrer, die Hülfslehrer nur bei den 
Klassen, in denen sie mit unterrichteten. Für jeden Prüfungs- 
tag bekamen die Klassen, die nicht an der Reihe waren, 
eine besondere häusliche Arbeit. 2) 

Bald darauf wurden auch gymnastische Übungen einge- 
führt. Das Oberschulkollegium gestattete durch Verfügung 
vom 15. Juni 1832 in der Erkenntnis, „dafs die Jugend neben 
„den bedeutenden Anstrengungen, die ihr zugemutet werden, 
„auch der körperlichen Kräftigung bedarf", solche Übungen 
unter der Bedingung, dafs dieselben als Teil des Schul- 
unterrichts angesehen werden, sich an keine besonderen Ver- 
bindungen unter einer Anzahl von Schülern knüpfen, son- 
dern von den Lehrerkollegien unter spezieller Teilnahme und 
Aufsicht einiger Lehrer vorgenommen werden sollten. Solche 



^) Michaelisprogramm von 1833, S. 13 f. 
«) Ebenda S. 14. 



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107 

Lehrer besafs das Ratsgymnasium an Stüve, Meyer, Noelle 
und Sergel. Anfangs Juli 1833 wurde in dem Garten der 
Petersburg ein passender Platz erworben mit einem daran 
stofsenden Pavillon, der zur Aufbewahrung der Geräte diente. 
Die Kosten der Miete, der Geräte und Einrichtung des 
Platzes schofs der Scholarch und Senator R. Schwarze so 
lange vor, bis sie durch kleine Beiträge der Schüler abge- 
tragen waren. Für die Teilnehmer wurden besondere Ge- 
setze zur Nachachtung erlassen. Der Unterricht wurde jeden 
Mittwoch und Sonnabend abends von 6 — 8 Uhr erteilt. Man 
hatte anfangs auf 60 Teilnehmer gerechnet; es meldeten 
sich aber über 120, die nach Gröfse und Alter in 7 Klassen 
geteilt wurden; aus den älteren Schülern wurden besonders 
taugliche ausgewählt und den einzelnen Klassen als „In- 
struktoren" beigegeben. Die Einrichtung wurde durch Reskript 
des Oberschulkollegs vom 26. August 1833 sehr beifällig 
beurteilt. 1) Diese Übungen wurden bis 1838 auf der Peters- 
burg fortgesetzt ; dann hörten sie hier auf, und man half sich 
zunächst dadurch, dafs man im Sommer die Gymnasiasten bis 
1843 in Noelles Privatinstitut im Garten an dem dort erteil- 
ten Unterricht teilnehmen liefs.^) 1845 mietete der Magistrat 
dann einen Platz vor dem Herrnteichsthore, schaffte neue 
Geräte an, und der Subkonrektor Tiemann und der KoUabo- 
rator Hartmann, der in München das Turnen kennen gelernt 
hatte, übernahmen den Unterricht, der im Sommer, soweit es 
die Witterung erlaubte, an zwei Abenden in je zwei Stunden 
erteilt wurde.^) Im Jahre 1849 wurde dann ein Lokal in 
der Stadt gemietet und mit Vorrichtungen zum Voltigieren 
versehen, so dafs nun auch im Winter einzelne Übungen ge- 
macht werden konnten ; aber, während im Sommer der Unter- 
richt häufig durch schlechtes Wetter unterbrochen wurde, 
krankte der im Winter erteilte an der Teilnahmlosigkeit der 
Schüler.^) Als der Platz vor dem Herrnteichsthore aufge- 



1) Michaelisprogramm von 1833, S. 3 ff.; 1834, S. 15 f. 

2) Michaelisprogramm von 1839, S. 22 f. 
^) Osterprogramm von 1846, S. 19. 

*) Programm von 1851, S. 31 f. 



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108 

geben werden mufste, so trat im J. 1861 eine Aktiengesell- 
schaft zusammen, die mit Unterstützung des Magistrats vor 
dem Hasethore eine Turnhalle erbaute und einen Turnplatz 
anlegte. Hartmann behielt bis zum Jahre 1865 die Leitung 
bei. Ostern dieses Jahres mufste er sie wegen der damit 
verbundenen Anstrengung aufgeben. Nachdem ihn der KoUa- 
borator Meineking und der Gymnasiallehrer Armbrecht 
kurze Zeit vertreten hatten, wurde im Herbst Herr Schur ig 
als Turnlehrer berufen und ihm der Unterricht für sämt- 
liche Schulen übertragen.^) 

Ein Jahr später wurde auch dafür gesorgt, dafs die 
Schüler regelmäfsig baden und schwimmen konnten. Beides 
war in früheren Zeiten von Haus und Schule verpönt gewesen ; 
die Folge davon war, dafs die liebe Jugend, die sich das 
Vergnügen nicht nehmen lassen wollte, an ungeeignete Plätze 
ging, wo das Baden manchmal geradezu gefährlich war. Im 
Sommer 1833 bildete sich endlich auf Veranlassung des Kauf- 
manns J. W. Kemper eine Gesellschaft angesehener Männer 
und gründete die — noch heute, wenn auch in anderer Form 
— bestehende Bade- und Schwimmanstalt oberhalb der Neuen 
Mühle, zu deren Benutzung nur Mitglieder berechtigt waren. 
Da aber zu ihr auch Lehrer und Väter von Gj^mnasiasten 
gehörten, so beschlofs man bald, den Schülern der beiden 
Gymnasien die Benutzung zu gestatten unter der Bedingung, 
dafs nur Schwimmer oder Schwimmschüler zugelassen werden 
sollten. Die allgemeine Aufsicht übernahmen die zu den 
Mitgliedern der Gesellschaft gehörenden Lehrer, während als 
Bade- und Schwimmmeister Beermann angestellt wurde. So 
trat das neue Unternehmen im Sommer 1834 mit 60 jungen 
Leuten, meistens Gymnasiasten, darunter 24 Schwimmern und 
36 Schwimmschülern, ins Leben. 2) 

Am 30. August 1833 wurden „in Anerkennung ihrer 
„treuen und ausgezeichneten Dienstführung" der Konrektor 
Abeken zum Rektor, der Subkonrektor Stüve zum Konrektor 



^) Programm von 1867, S. 28; Hartmannim Programm von 1872, S. 24. 
^) Michaelisprogramm von 1835, S. 14 f. 



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109 

und der KoUaborator Meyer zum Subkonrektor ernannt. Der 
zweite KoUaborator H. R. G. Sergel wurde kurz vor Michaelis 
zum Prediger in Vörden ernannt; er wurde durch Johann 
Heinrich Wilhelm Tiemann ersetzt, der, geboren in 
Osnabrück am 19. April 1809 und ehemaliger Schüler der An- 
stalt, nach Beendigung seiner philologischen und theologischen 
Studien 7 Monate Hauslehrer bei dem Pastor Krochmann in 
Beim gewesen war.^) Er und Noelle wurden Michaelis 1834 
definitiv angestellt. 

Am 11. September 1833 starb der Justizbürgermeister 
August Eberhard Stüve,'der, ebenso wie früher sein Stief- 
bruder dem Gymnasium seine besondere Fürsorge zugewandt, 
u. a. 1816 und 1817 den Bau des neuen Lokals geleitet hatte.^) 

Die Instrumentalmusik wurde zwar von Schülern 
des Gymnasiums gepflegt, aber ein Zusammenspiel hatte noch 
nicht stattgefunden. Da wurde im August 1834 der Musik- 
lehrer C. H. Thorbecke als Leiter eines „Orchesterver eins" 
gewonnen, der anfangs aus 2 Schülern für Geige, einem für 
Flöte und einem für Klavier bestand, während Thorbecke die 
Bratsche spielte; gegen Ende des Schuljahrs traten noch 
6 Schüler (1 erste, 2 zweite Geige, 1 Flöte und. 2 Klavier) 
bei. Die Stunden für das Zusammenspiel waren auf den 
Donnerstagabend 7 — 8V2 Uhr gelegt ; am Montag um dieselbe 
Zeit wurde geübt.^) Die schöne Einrichtung hatte jedoch 
nur ein Jahr Bestand. 

Auch der Singchor („die Kurrende") wurde schliefslich 
aufgelöst. Er hatte in der langen Zeit seines Bestehens 
manchen wackeren Schüler unterstützt, manchen Bewohner 
Osnabrücks in seinem Hause und in der Kirche erbaut; aber 
die Teilnahme daran mochte doch auch manchem zarten 
Körper geschadet haben und — er war nicht mehr zeitgemäfs, 
weshalb auch die Teilnahme des Publikums sich vermindert 
hatte und damit auch die Einkünfte geringer geworden waren. 
Zieht man endlich noch in Betracht, dafs durch das Umsingen 



^) Michaelisprogramm von 1834, S. 4 f. 
^) Michaelisprogramm von 1834, S. 24 ff. 
*) Michaelisprogramm von 1836, S. 5 f. 



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110 

in den Strafsen und die Begleitung der Leichen manche Stunde 
verloren ging, die bei den gesteigerten Ansprüchen an die 
Leistungsfähigkeit der Schüler kaum zu entbehren war; so 
wird es begreiflich erscheinen, wenn Michaelis 1845 die Ein- 
richtung endgültig beseitigt wurde. ^) 

Bisher war es Gebrauch gewesen, dafs die einzelnen 
Klassen am Anfang und Ende jeder Woche getrennt in ihren 
Klassen bei offenen Thüren einen Gesang anstimmten, während 
in der Aula die Orgel gespielt wurde. Am Ende der Sommer- 
ferien (22. Juli) 1839 wurde eine Änderung getroffen, dahin 
gehend, dafs beim Beginn und Schlufs der wöchentlichen 
Lektionen Lehrer und Schüler sich in der Aula versammelten 
und dort sangen.*) 

Im Jahre 1858 wurde dann die noch jetzt bestehende 
Einrichtung getroffen, wonach täglich vor Beginn des Unter- 
richts eine gemeinsame Andacht, bestehend aus Gesang, Vor- 
lesen eines Schriftworts und abermals Gesang stattfindet.^) 
Anfang des Wintersemesters 1839 wurde auch das von 
Stüve und mehreren anderen Lehrern zusammengestellte „Ge- 
sangbuch für das Raths-Gymnasium zu Osnabrück" eingeführt,*) 
dessen 3. Auflage unter dem Titel: „Schulgesangbuch, zunächst 
für das evangelische Gymnasium zu Osnabrück" gleichfalls 
noch im Gebrauch ist. 

Das Naturalienkabinett war ursprünglich in einem 
an die Bibliothek stofsenden Zimmer untergebracht; da 
aber die letztere bald anwuchs, stellte sich das Bedürfnis 
heraus, ersteres anderweit unterzubringen. Daher wurde im 
Sommer 1843 ein Teil des Bodenraums zu 4 Zimmern umge- 
baut, von denen 2 dem Kabinett zugeteilt wurden.^) 

Grofs ist die Zahl der Lehrer, die längere oder kürzere 
Zeit an der Anstalt wirkten. Von denen, welche die Eeform 
von 1798 erlebt hatten, blieb am längsten Fortlage. Fast 



1) Programm von 1846, S. 19 f. 

2) Michaelisprogramm von 1839, S. 6. 

^) Hartmann im Programm von 1872, S. 23. 
*) Michaelisprogramm von 1840, S. 6 f. 
*) Programm von 1844, S. 17. 



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111 

50 Jahre hatte er dem Gymnasium als Lehrer, davon 26 als 
Direktor angehört, Generationen von Schülern hatte er kommen 
und gehen sehen — da schlug auch ihm die letzte Stunde. 
Schon im Jahre 1837 fürchtete man für sein Leben; indes 
erholte er sich, sodafs seine Freunde hofften, er werde sein 
öOjähriges Jubiläum noch feiern können, er besorgte auch noch 
seine Amtsgeschäfte mit gewohnter Sorgfalt und Treue. Am 
12. Februar 1841 versah er seinen Unterricht, aber am 14. 
erkrankte er und am 17. Juni 1841 schlofs er für immer die 
Augen. Für die Verehrung, die er allerseits genofs, zeugt die 
dankbare Erinnerung seiner ehemaligen Schüler, von denen 
der eine oder andere noch lebt — zeugt vor allem der mit 
Wärme geschriebene Nachruf, den sein Nachfolger Abeken 
ihm im Michaelisprogramm von 1841 widmete.^) 

B. R. Abeken hatte schon während seiner Studienzeit 
in Jena 1799 — 1802 Fühlung mit den Weimarer Kreisen be- 
kommen, im Hause des Theologen Griesbach Goethe und 
Schiller persönlich kennen gelernt und nahm in sein späteres 
Leben und in seinen Lehrerberuf die Begeisterung besonders 
für Goethe mit. Seine liebenswürdige und heitere Natur, die 
ungezwungene Art und Weise, in der er mit seinen Zöglingen 
verkehrte, und der feine Takt, den er stets im Unterricht 
zeigte, haben auch sein Andenken bis auf den heutigen Tag 
wach gehalten. Am 17. Oktober 1865 — demselben Tage, 
an welchem einst das neue Schulgebäude feierlich bezogen 
war — feierte er das Jubelfest seiner fünfzigjährigen Amts- 
führung am Ratsgymnasium, wozu die Lehrer ihm eine Fest- 
schrift widmeten. Schon Michaelis 1861 waren die Direktions- 
geschäfte dem Rektor Stüve übertragen, und Abeken behielt 
nur das Ordinariat der Prima und einige Stunden; Michaelis 
1863 trat er in den Ruhestand, behielt aber noch die Er- 
klärung von Ciceros Briefen und des Sophokles in der Prima ; 
im Januar 1866 erkrankte er und am Sonnabend, 24. Februar 
ging er zur letzten Ruhe ein. Der Konrektor Tiemann setzte 
ihm im Programm von 1867 ein ehrendes Denkmal. Zu den 



*) S. 4 ff. 



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112 

bedeutendsten seiner zahlreichen Publikationen gehört un- 
streitig seine Ausgabe der Werke Mosers. 

Sein Nachfolger wurde C. G. A. Stüve. Auch er be- 
ging am 24. Oktober 1867 sein öOjähriges Jubiläum, legte 
aber sein Amt schon am 25. Mai 1868 nieder und starb am 
12. Juli 1872. „Er hatte die Liebe zum Ratsgymnasium schon 
„als Erbteil seiner Familie empfangen ; er yerdankte der 
„Schule seine Vorbereitung zur Akademie, kehrte nach Ver- 
„lauf weniger Jahre als Lehrer zu ihr zurück und teilte ihre 
„Leiden und Freuden so, dafs während dieses langen Zeit- 
„raumes die Geschichte seines Lebens nur ein Wiederschein, 
„ist von der Geschichte der Schule." Mit diesen Worten be- 
zeichnete der Rektor Meyer in seiner Festschrift zu Stüves 
Jubiläum treffend dessen Leben und Wirken.^) 

Wir kommen nun zum Schlufs zu einer Reihe von Mafs- 
regeln, die wir als überleitend zu dem letzten Abschnitte 
unsrer Darstellung bezeichnen können: sie betreffen die Ein- 
richtung von Realklassen am Ratsgymnasium. Wir können 
und müssen es uns versagen, auf die Bestrebungen, die Re- 
alien im Unterricht der höheren Lehranstalten überhaupt zur 
Geltung zu bringen, näher einzugehen und verweisen deshalb 
auf die einschlägigen Werke. ^) In den vierziger Jahren unsers 
Jahrhunderts kamen auch in unsrer Stadt die mafsgebenden 
Stellen zu der Überzeugung, dafs es notwendig sei, den- 
jenigen Schülern eine sie für ihren zukünftigen Beruf be- 
fähigende Ausbildung zu geben, die sich nicht den Universitäts- 
studien widmen wollten, aber weitergehender Kenntnisse be- 
durften, als sie eine Volks- oder Bürgerschule zu bieten ver- 
mochte. 

Der erste schüchterne Versuch, ihnen entgegenzukommen^ 
wurde im Jahre 1844 gemacht. Von den 8 wöchentlichen 
lateinischen Stunden in der Quinta und den 10 in der Quarta 
wurden je zwei abgenommen und diese in der Quinta 
dem französischen, in der Quarta dem englischen Anfangs- 
unterricht gewidmet. Damit glaubte man billigen Ansprüchen 

1) Programm von 1868, S. I. 

2) Vgl. z. B. Ziegler, Geschichte der Pädagogik, S. 195 ff. ; 317 ff. 



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113 

gerecht geworden zu sein ; ^) aber diese Ansprüche steigerten 
sich, und somit sah man sich gedrängt, weiter zu gehen : man 
richtete wirkliche Realklassen ein. 

Die hannoversche Ständeversammlung bewilligte im Jahr 
1846 aus Landesmitteln 5000 4 jährlich zur Förderung des 
Realunterrichts. 2) Am 10. Oktober 1846 erliefs dann das 
Oberschulkolleg eine Verfügung, durch welche es die Ein- 
führung von Realklassen auch am Ratsgymnasium anordnete, 
dabei aber bemerkte: „Die Hauptsache wird sein, die or- 
„ganische Einheit der Gymnasien nicht aufzuopfern und beide 
„Richtungen des Unterrichts (des für die Studierenden wie für 
„die, welche sich auf einen andern Beruf vorbereiten) durch 
„das gemeinsame Prinzip einer Bildung zu ächter Humanität 
„verbunden zu halten." 

Um dieser Vorschrift nachzukommen, wurden die beiden 
untersten Klassen in ihrer bisherigen Verfassung erhalten: 
sie sollten als Vorbereitungsklassen für alle Schüler dienen; 
neben der Quarta und Tertia dagegen wurden parallele Real- 
klassen eingeführt. Der Unterricht in der Religion, der Ge- 
schichte und Geographie, der Naturgeschichte, dem Gesänge 
und teilweise im Rechnen, Schreiben und in der Mathematik 
blieb den Human- und den Realcöten gemeinsam; dagegen 
war er getrennt im Französischen, Englischen und teilweise 
im Deutschen. Physik wurde nur in der Realtertia gelehrt 
(2 Stunden). Das Lateinische blieb auch für die Realisten, 
wurde aber in der Realquarta auf 4 und in der Realtertia 
auf 3 Stunden (Caesar) beschränkt. Damit w^urde dann noch 
eine weitere Änderung notwendig. Die bisherige Scheidung 
der Tertia in eine Grofs- und eine Klein -Tertia hörte auf, 
und die sämtlichen Tertianer kamen in je eine Klasse, deren 
Kursus von jetzt an zweijährig war — ein Übelstand, der 
sich nicht vermeiden liefs. Die beiden Quarten hatten nun- 



^) Programm von 1844, S 19. 

^) Vgl. Das höhere Schulwesen des Königreichs Hannover seit seiner 
Organisation im Jahre 1830, Hannover 1855, S. 38 ; Kohlrausch' vielgenannte 
Schrift „Erinnerungen aus meinem Leben", Hannover 1863, war dem Ver- 
fasser nicht zugänglich. 



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114 

mehr gemeinsam: 2 Stunden Religion, 4 Stunden Rechnen, 
2 Stunden Schreiben, 2 Stunden Geschichte, 2 Stunden Geo- 
graphie, 2 Stunden Deutsch, 2 Stunden Naturgeschichte und 
2 Stunden Mathematik ; getrennt die Humanquarta : 8 Stunden 
Latein, 2 Stunden Französisch, 2 Stunden Englisch und 
2 Stunden Deutsch; die Realquarta: 4 Stunden Lateinisch, 
4 Stunden Französisch, 4 Stunden Englisch und 2 Stunden 
Deutsch. Die beiden Tertien hatten gemeinsam: 2 Stunden 
Religion, 2 Stunden Geschichte, 2 Stunden Geographie und 
2 Stunden Naturgeschichte ; getrennt die Humantertia : 2 Stun- 
den Deutsch, 6 Stunden Latein, 6 Stunden Griechisch, 2 Stun- 
den Französisch, 2 Stunden Englisch und 4 Stunden Mathe- 
matik; die Realtertia: 3 Stunden Deutsch, 3 Stunden La- 
teinisch, 4 Stunden Französisch, 4 Stunden Englisch, 2 Stunden 
Rechnen, 2 Stunden Schreiben, 4 Stunden Mathematik und 
2 Stunden Physik, i) 

Zur Durchführung der Neuerung bewilligte der Magistrat 
durch Beschlufs vom 25. Juni 1847 200 4-, das Oberschul- 
kolleg aus dem Realunterrichtsfonds durch Verfügung vom 
4. Oktober 1847 50 ^ jährlich, nachdem es schon am 29. April 
zu Fortlages Pensionierung jährlich 300 ^ angewiesen hatte. 
Neu angestellt wurde der bisherige Lehrer an der Bürger- 
schule J. H. Eggemann, der schon vorher einige Rechen- 
stunden in Quinta, Quarta und Tertia erteilt hatte. Als 
Lehrer des Französischen und Englischen neben de Lucenay 
trat G. H. Niepert ein, der, nachdem de Lucenay Michaelis 
1849 ausgeschieden war, den neusprachlichen Unterricht auch 
in den oberen Klassen übernahm. Michaelis 1848 begann 
E. Ringelmann sein Probejahr; er hat der Anstalt bis zu 
seiner Pensionierung Ostern 1887 angehört. 

Die Einrichtung der Realklassen wurde als zweckmäfsig 
anerkannt, wie ihre Frequenz zeigte; doch hatte sie auch 
Übelstände. Vor allem war es einer, der allerdings schon 
früher dagewesen war, den man aber, durch die Verhältnisse 
genötigt, hatte beibehalten müssen: einzelne besonders fähige 



1) Vgl. das Programm von 1847, S. 14 ff. 



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115 

Knaben hatten wolil nach einem Jahre in eine höhere Klasse 
aufrücken können; aber im allgemeinen waren die Kurse 
zweijährig. So kam es, dafs man in jeder Klasse zwei ver- 
schiedene Jahrgänge von Schülern hatte, solchen nämlich, die 
den Kursus schon einmal durchgemacht hatten, und solchen, 
die ihn noch erst durchmachen sollten. Der Abstand in den 
Kenntnissen war zwischen beiden natürlich grofs und machte 
sich besonders in den Sprachen, im Eechnen und in der 
Geometrie geltend. So wurde dem einen Schüler manchmal zu 
Schweres zugemutet, während der andere nicht genügend be- 
schäftigt war, und der Lehrer mufste sich abwechselnd mit 
den beiden Abteilungen beschäftigen. Hatte man zwar in der 
Quarta im Eechnen und in der Greometrie die Schüler nach 
Altersstufen ganz getrennt, so hatte man im übrigen doch die 
Mängel bestehen lassen müssen. Dazu kamen noch andere. 
Manche Schüler der ßealklassen sahen das Lateinische als 
Nebensache an und zeigten sich in diesen Stunden lässig, 
was auch auf andere Fächer nachteilig wirkte. Aufserdem 
waren die meisten Eltern gar nicht in der Lage, über den 
zukünftigen Beruf ihrer Söhne bei deren Eintritt in die Quarta 
zu entscheiden; sie liefsen sie daher erst, wenn sie in die 
Tertia aufrückten, am Realunterricht teilnehmen, so dafs zum 
Beispiel im Sommer 1851 von den Eealtertianem 16 — fast 
zwei Drittel — zwei Jahre die Humanquarta besucht, ein- 
zelne ein oder zwei Jahre in der Humantertia zugebracht 
hatten. 

Aus diesen Gründen wurde Ostern 1852 die Eealquarta 
ganz aufgegeben, die nunmehr vereinigte humane Quarta in 
zwei Abteilungen (eine obere, eine untere) zerlegt, deren Kurse 
einjährig waren, sodafs von da an 3 einjährige Kurse, Quinta, 
Unter- und Oberquarta auf einander folgten, nach deren Ab- 
solvierung die Knaben in der Eegel das dreizehnte Jahr 
zurückgelegt hatten. Das Lateinische begann nicht mehr, wie 
früher, schon in der Sexta, in welche die Schüler meistens 
eintraten, wenn sie 8 Jahre alt waren, sondern in der Quinta, 
in die sie mit zurückgelegtem 10. Jahre kamen. Die Sexta 
wurde Vorbereitungsklasse; bei der Aufnahme wurde fertiges 



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116 

Lesen (auch lateinischer Schrift), einige Übung im Schreiben 
(auch lateinischer Schrift), Kenntnis der Zahlen und Anwen- 
dung des Einmaleins bei den leichteren Operationen der vier 
Grundrechnungen verlangt. Der Kursus der Sexta war zwei- 
jährig. In ihr wurden erteilt 4 Stunden Eeligion, 4 Deutsch, 
4 „Vorübung für das Latein", 4 Anschauungsunterricht, 2 
Geographie, 4 Schreiben, 4 Eechnen und 2 Gesang. Die Real- 
tertia blieb, und man fügte eine Realsekunda hinzu. ^) 

Auch diese Einrichtung war nicht von Dauer, denn 
„man legte damals noch nicht so viel Wert auf eine tüchtige 
„Schulbildung ; Konfirmanden aus Tertia und selbst aus Quarta 
„fanden leicht Lehrlingsstellen ; ja, man konnte oft der Nach- 
„frage kaum genügen. Jene Realsekunda aber wurde während 
„ihres fünfjährigen Bestehens im ganzen von nui' 19 Schülern 
„benützt." 2) Daher wurde Ostern 1857 diese Klasse aufge- 
hoben und eine Realklasse eingerichtet, die eine obere und 
untere Abteilung bekam ; in der oberen war der Kursus zwei- 
jährig, in der unteren einjährig. Getrennt waren beide im 
Französischen, Englischen, der Mathematik und im praktischen 
Rechnen.^) Doch war auch diese Einrichtung keine dauernde, 
und schon im Programm von 1863^) wird darüber Klage ge- 
führt, dafs nur sehr wenige Schüler den zweijährigen Kursus 
der oberen Abteilung durchgemacht haben. Allmählich wandten 
sich auch diejenigen, welche nicht studieren wollten, wieder 
den Humanklassen zu ; da sie aber nicht den nötigen Eifer 
und oft auch nicht den eigentlichen Sinn für diese Studien 
besafsen, so machten sie nicht nur selbst geringe Fortschritte, 
sondern hemmten auch die übrigen. Das war besonders in der 
Tertia der Fall, wirkte aber auch auf die Sekunda und Prima. 
Dazu kam, dafs über den Unterricht in der Mathematik ge- 
klagt wurde, „dafs aus diesen Lektionen ein Geist der Un- 
„ Ordnung sich in den mittleren Klassen verbreitete, der nicht 
„allein auf die übrigen Lektionen störend einwirkte, sondern 



1) Programm von 1852, S. 7 ff. 

2) Hartmann im Programm von 1872, S. 21 f. 
^) Programm von 1858, S. 17. 

*) S. 38. 



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117 

„seinen die Zucht der Schule lockernden Einflufs bis selbst 
„in die unteren Klassen hinab fühlbar werden liefs." ^) Endlich 
war es nicht möglich, den gesteigerten Anforderungen der 
Schule mit den vorhandenen Lehrkräften zu entsprechen, und 
der daraus sich ergebende Umstand, dafs die Lehrer nicht 
immer in den für sie geeigneten Fächern verwandt werden 
konnten, mufste schädliche Folgen haben. 

Diese Mifsstände waren auch den Lehrern nicht verborgen 
geblieben, und man hatte mehrfach Vorschläge und Versuche 
zur Abhülfe gemacht; aber sie waren zunächst erfolglos ge- 
blieben, da die finanziellen Mittel der Schule zu einer gründ- 
lichen Umgestaltung nicht ausreichten, bis endlich diese durch 
Erhöhung des Schulgeldes und Zuschüsse des Staates und der 
Stadt beschafft wurden. Die Neugestaltung wurde unter 
persönlicher Mitwirkung des Schulrats Schmalfufs Michaelis 
1863 ins Werk gesetzt. Zunächst traten Abeken,^) Feldhoff, 
Kiepert und der Schreiblehrer Wellenkamp in den Euhestand ; 
neu berufen wurden Dr. Ed. Aug. Wilh. Buchholz, zuletzt 
Lehrer am Gymnasium in Klausthal, Joh. Herm. Aug. 
Friedrich Meineking, zuletzt Leiter einer höheren 
Lehranstalt und eines Handelsinstituts in Winsen a. L., und 
Ernst Karl August Armbrecht, der zuletzt Privat- 
lehrer in Schulenburg im Kalenbergischen gewesen war. Alle 
3 wurden am 20. Oktober durch den Superintendenten Grüner 
in ihre Ämter eingeführt. Nun konnte auch die Reform des 
Unterrichts stattfinden. Die Teilung der Quarta in Ober- und 
Unterquarta hörte auf; aus den Schülern beider Klassen 
wurde eine Gymnasial- und eine Eealquarta gebildet, deren 
Unterricht völlig getrennt war. Die erstere war für die- 
jenigen bestimmt, die sich den gelehrten Studien widmen 
wollten; sie erhielt daher wie die übrigen Klassen mit Aus- 
nahme der Prima 10 Stunden Latein (Prima 9) und 4 Stunden 
Griechisch, das bis dahin erst in der Tertia begonnen hatte. 
Die Realquarta behielt das Latein, aber mit weniger Stunden; 



1) Sttive im Programm von 1864, S. 38. 

2) Vgl. S. 94. 



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118 

das Englische wurde in ihr begonnen, dagegen von den „Hu- 
manisten" erst in der Sekunda, dias Französische allgemein 
in der Quinta. 

An die Realquarta schlofs sich eine Realtertia, die von 
jetzt an in allen Fächern von der Gymnasialklasse getrennt 
war. In der Realquarta sowohl wie Realtertia war der weit 
überwiegende Teil der Stunden den neueren Sprachen, der 
Mathematik, dem bürgerlichen Rechnen und den Realien ge- 
widmet. In letzterer Klasse kam noch der Anfangsunterricht 
in der Physik hinzu. 

Das Ordinariat der Sekunda erhielt Meyer, das der 
Gymnasialtertia Hartmann, das der Realtertia Buch- 
holz, das der Gymnasialquarta C. Stüve, das der Real- 
quarta S w a r t , das der Quinta Woltmann, das der Sexta 
Meineking und das der Septima Armbrecht, während 
Tiemann ohne Ordinariat blieb und Ringelmann die 
Mathematik zugeteilt erhielt.^) 

Den — fakultativen — Zeichenunterricht hatte 
von Ostern 1845 bis MichaeUs 1849 der Stadtbaumeister 
Richard, von da bis in den November 1857 der Maler 
Schiigen privatim erteilt; 1864 wurde er für die Klassen 
Sexta, Quinta und Quarta obligatorisch, für die übrigen 
fakultativ und Armbrecht übertragen, 1865 der fakultative 
dem Maler Dahl. 

Den Gesangunterricht, den Thorbecke Michaelis 1866 
aufgab, übernahm zunächst Armbrecht provisorisch. Ostern 
1867 wurde er dem Kantor Trenkner in den Klassen Quinta 
bis Prima übertragen, während in der Sexta und Septima 
Armbrecht ihn behielt. 

Mit der untersten Klasse war nämlich auch eine 
Änderung getroffen. Schon Michaelis 1859 war die Sexta 
in zwei Abteilungen zerlegt, und zwar im Deutschen und 
Lateinischen.^) Ostern 1861 wurde aus der zweiten Abteilung 
eine besondere Klasse, die Septima, gebildet, die gleich der 



1) Programm von 1864, S. 36 ff; 1867, S. 30 f; Hartmami im Pro- 
gramm von 1872, S. 23 f. 

2) Programm von 1860, S. 25. 



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119 

Sexta einen einjährigen Kursus hatte und nur in einigen 
Stunden mit der letzteren kombiniert war. In ihr wurde auf 
den in der Sexta beginnenden lateinischen Unterricht vor- 
bereitet: richtiges Lesen des Lateinischen, Vokabelnlernen, 
gegen Ende des Jahres Durchnahme der einfachsten Eede- 
teile waren ihr Lehrziel. ^) 

Michaelis 1867 betrug die Zahl der Schüler 272. 

IV. Kapitel. Von 1867—1895. 

Von der Abtrennung der Eealschule bis auf die 

Gegenwart. 

Die Gründe, welche zu einer völligen Neugestaltung des 
höheren Unterrichts auch an unsrer Anstalt führten, waren 
teils allgemeiner Natur und beruhten auf den Veränderungen, 
welche das Jahr 1866 in politischer Beziehung gebracht hatte, 
teils lagen sie in rein lokalen Verhältnissen. 

Preufsen hatte 1866 mehrere neue Provinzen gewonnen; 
es schien nun notwendig, auch auf dem Gebiete des Schul- 
wesens möglichst eine Gleichmäfsigkeit herbeizuführen:^) vor 
allem schien dazu das Berechtigungswesen zu zwingen, da „Zu- 
„erkennung oder Aberkennung von Berechtigungen über 
„Existenz und Gedeihen einer Schulgattung entscheidet."^) 
Nun war aber einige Jahre vorher das Realschulwesen in 
Preufsen neu geordnet. Durch die Unterrichts- und Prüfungs- 
ordnung vom 6. Oktober 1859 hatte der Kultusminister von 
B ethmann-Hollweg auf Betreiben Wieses diesen Schulen 
eine feste Organisation gegeben; „die höhere neunklassige und 
„lateinlehrende Eealschule, Eealschule I. Ordnung genannt, 
„erhielt ebenbürtigen Eang mit dem Gymnasium^) und be- 
„rechtigte zu allen höheren Berufsarten mit Ausnahme der 



1) ProgTamm von 1861, S. 33. 

2) Ziegler, „Geschichte der Pädagogik," S. 338 ff; Rethwisch, 
„Deutschlands höheres ünterrichtswesen im 19. Jahrhundert," Berlin 1893, 
S. 83 ff. ' 

3) Ziegler a. a. 0., S. 339. 
*) Rethwisch a. a. 0., S. 83. 



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120 

„üniversitätsstudien. Sie machte nach und nach die Eunde 
durch ganz Deutschland."^) Was war natürlicher, als dafs 
sie nach der Annexion Hannovers auch dort zur Geltung kam. 2) 
Am Ratsgymnasium hatten trotz der neuen Organisation 
von 1863 die alten Mängel fortgedauert; der Unterschied 
unter den Schülern der Eeal- und denen der parallelen Gym- 
nasialklassen war immer noch bemerkbar geblieben, um so 
mehr, als manche der ersteren nicht den erforderlichen Ernst 
zeigten. 

Als nun das Jahr 1866 mit seinen politischen Ver- 
änderungen kam und damit auch die Einführung der allge- 
meinen Wehrpflicht, des Einjahrig-Freiwilligen-Dienstes und 
die Steigerung der Ansprüche an die Schulbildung für die- 
jenigen, welche diese Vergünstigung geniefsen wollten, schien 
wenigstens ein äufserer Antrieb zu ernsterem Fleifs und 
Streben auch bei solchen Schülern gegeben zu sein, welche 
nicht den akademischen Studien sich widmen wollten. Not- 
wendig war allerdings jetzt die Errichtung wenigstens einer 
Realsekunda, und im Lehrerkolleg glaubte und hoffte man 
durch eine solche, für die noch eine neue Lehrkraft hätte ge- 
wonnen werden müssen, allen billigen Anforderungen gerecht 
werden zu können; doch war ein grofser Teil der Bürger- 
schaft für die Errichtung einer neuen, vom Gymnasium völlig 
getrennten Realschule. Auch die Behörden traten diesem 
Plane jetzt näher, und als auf Betrieb des damaligen Bürger- 
meisters Miquel das gesamte evangelische Schulwesen Osna- 
brücks neu geordnet wurde, wurde Michaelis 1867 die neue 
Realschule gegründet. Vom Gymnasium gingen zu ihr alle 
Schüler der drei Realklassen, viele aus der Septima, Sexta 
und Quinta, dagegen keine aus den drei obersten Klassen ab : 
die Frequenz sank damit von 272 Schülern auf 124. Auch 
zwei Lehrer gingen an die neue Anstalt über: Rhaydt und 
Eggemann, während Niepert in den Ruhestand trat. 3) 



1) Rethwisch a.' a. 0., S. 84 f. 

2) Ziegler a. a. 0., S. 341; Rethwisch a. a. 0., S. 85 f. ' 

^) Stüve im Programm von 1868, S. 25 ; Hartmami im Programm von 
1872, S. 27. 



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121 

Das Gymnasium konnte von dieser Einrichtung nur Ge- 
winn haben ; denn alle früher erwähnten Mängel wurden jetzt 
auf einmal beseitigt, und es war in der Lage, seine eigent- 
liche Bestimmung voll und ganz zu erfüllen. 

Der Direktor Stüve legte am 25. Mai 1868 sein Amt 
nieder ; sein Interesse für die Anstalt, der er als Schüler und 
dann länger denn 50 Jahre als Lehrer angehört hatte, be- 
kundete er u. a. auch noch dadurch, dafs er im Programm 
von 1869 die von uns häufig zitierte Schrift Strodtmanns ver- 
öffentlichte. An demselben Tage wurde Heinrich Runge, 
bisher Konrektor in Lingen, durch den Supei-intendenten 
Grüner feierlich als Direktor eingeführt. Michaelis 1868 ging 
der Kollaborator Swart, einem Rufe des Magistrats folgend, 
als Konrektor und erster Lehrer an die städtische höhere 
Töchterschule über, und für ihn trat provisorisch der cand. 
theol. W.Blum ein. Das Lehrerkolleg bestand nunmehr 
aus dem Direktor Runge, dem Rektor Meyer, den Kon- 
rektoren Tiemann, Hartmann und Ringelmann, den 
KoUaboratoren Stüve, Woltmann und Meineking, 
dem Kand. Blum, dem Gymnasiallehrer Armbrecht und 
den technischen Hülfslehrern Trenkner für Gesang, Dahl 
für Zeichnen und Schur ig für Turnen.^) 

Nach der Trennung der Realschule begann das Latein 
in der Sexta, das Französische in der Quinta, das Griechische 
in der Quarta, die Mathematik in der Tertia und das Englische 
und die Physik (für die künftigen Theologen auch das 
Hebräische) in der Sekunda. Der Kursus der 3 obersten 
Klassen war zweijährig, der der übrigen einjährig. Die Tertia 
war in allen griechischen und in 6 lateinischen Stunden ge- 
trennt.2) 

Schon seit längerer Zeit hatte man an anderen Anstalten 
dahin gestrebt, wenigstens die einheimischen Knaben vom 
ersten Beginn ihres Lernens an in die Hand zu bekommen, 
um sie von vornherein nach einem einheitlichen Plane für die 
eigentlichen Gymnasialklassen vorbereiten zu können; man 

1) Programm von 1869, S. 45. 
*) Programm von 1869, S. 39 ff. 



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122 

hatte daher Vorschulen eingerichtet, in welche die Schüler 
ohne alle Vorkenntnisse eintraten. Schon im Jahre 1861 war 
auch am Eatsgymnasium versucht, durch Errichtung der Sep- 
tima diesem Ziele näher zu kommen.^) Mit Beginn des Schul- 
jahres 1869 wurde die Vorschule so eingerichtet, dafs Knaben 
vom vollendeten 6. Jahre in sie eintreten konnten. War es 
auch nicht leicht für den Lehrer, die 44 neueingetretenen Schüler 
im Alter von 6 bis 8 Jahren in 3 Abteilungen gemeinsam zu 
unterrichten — nur die erste Abteilung hatte gesondert 2 
deutsche, 2 geographische und 2 Rechenstunden — , so zeigte 
doch der Erfolg, dafs sie gelöst werden konnte und glücklich 
gelöst war: die Schüler waren so gefördert, wie es ihrem 
Alter und ihren Anlagen entsprach. Den Unterricht erteilte 
von Ostern bis Michaelis 1869 Armbrecht, als dieser nach 
Blums Weggange in das Ordinariat der Sexta einrückte, 
der von Lingen berufene Gymnasiallehrer H. Ohlendorf.^) 
Ostern wurde dann die neue Klasse in 2 selbständige Klassen 
geteilt. Der Kursus der unteren war einjährig ; in sie wurden 
6jährige Knaben ohne Vorkenntnisse aufgenommen, die Zahl 
der wöchentlichen Stunden betrug 18. Die oberen hatten einen 
zweijährigen Kursus in 2 Abteilungen mit 18 gemeinsamen 
Wochenstunden, zu denen für die 1. Abteilung aufserdem noch 
2 deutsche, 2 geographische und 2 Rechenstunden traten. Um 
diese Teilung durchfuhren zu können, wurde der bisherige 
Lehrer an der Bürgerschule H. S t r u b b e als zweiter Lehrer 
der Vorschule neu angestellt.^) Ostern 1874 wurde die erste 
Vorschulklasse, da ihre Schülerzahl zu stark gewachsen war 
— sie betrug im März 1874: 58 — , abermals in zwei selb- 
ständige Klassen getrennt; die zweite übernahm Strubbe, 
während für die dritte provisorisch neu berufen wurde Aug. 
Bode, der zuletzt an der höheren Bürgerschule in Nienburg 
stellvertretend untemchtet hatte.*) Nach seinem Abgang 
trat Ostern 1876 ein G. Friedrichs. 



*) Vgl. S. 113. 

*) Programm von 1870, S. 16 f. 

') Programm von 1870, S. 17; 1871, S. 25. 

*) Programm von 1874. S. 33; 1875, S. 14. 



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123 

Das Jahr 1870 mit seinen gewaltigen Ereignissen ging 
auch am Eatsgymnasium nicht ganz ohne Spuren vorüber. 
Die Erregung unter den Schülern war nicht gering; doch 
wurde sie von den Lehrern mit Ernst und Geschick gezügelt. 
So konnte die Schule auch in jener Zeit ihren Zweck er- 
füllen. Die Nachrichten von den grofsen Siegen waren mehr- 
fach Veranlassung, die gemeinsamen Andachten zu Dankes- 
feiern zu gestalten, während im Unterricht die Schüler, zu 
denen auch der Verfasser als Sekundaner gehörte, möglichst 
mit dem Verlauf der Kriegsoperationen und der Bedeutung 
der errungenen Erfolge bekannt gemacht wurden. Sechs 
Primaner, die im dritten Primasemester standen, unterzogen 
sich der durch Ministerial-Erlafs vom 28. Juni 1870 angeord- 
neten beschleunigten Eeifeprüfung : Friedrich Egge- 
mann, William Ulrichs, Adolf Franke, Franz 
Eichard, August Selige und Paul Wilhelm. Egge- 
mann, Franke und Wilhelm nahmen am Kriege selbst noch 
teil und kehrten nach demselben unverletzt in die Heimat 
zurück. Ein früherer Lehrer dagegen, der cand. theoL 
Blum,^) hat die Erfüllung seiner Pflicht gegen das Vater- 
land mit seinem Leben bezahlt: er ist als Diakon vor Sedan 
dem Typhus erlegen.^) 

Nachdem Ende 1869 der Oberbürgermeister Miquel 
sein Amt als solcher und damit auch das des Vorsitzenden 
der Schulkommission niedergelegt hatte, ging das letztere auf 
den neugewählten Bürgermeister Detering über. In die 
Schul- und die Eeifeprüfungskommission trat der Syndikus 

Vgl. S. 121. 

^) Es war die Absicht des Verfassers, sämtlichen ehemaligen 
Lehrern und Schülern der Anstalt, die an dem Feldzuge teügenommen, 
besonders aber denen, die für das Vaterland ihr Blut vergossen haben, an 
dieser Stelle durch Nennung ihrer Namen ein Denkmal zu setzen ; es stellte 
sich aber sehr bald heraus, dafs es für einen einzelnen so gut wie unmög- 
lich war, diese Namen aus der grofsen Zahl der in den amtlichen Verlust- 
listen oder anderswo Verzeichneten ausfindig zu machen: blofs die Namen 
derer aber zu erwähnen, die er mit Sicherheit nachweisen konnte, würde 
er als einen Mangel an Pietät denen gegenüber ansehen müssen, die er 
nicht mit Sicherheit anzugeben vermochte, auf die Gefahr hin, dafs man 
seiner Arbeit den Vorwurf der Lückenhaftigkeit machen wird. 

9* 



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124 

Dr. Andre. Der letztere ging im Oktober 1874 als Ober- 
bürgermeister nach Chemnitz: seine Ämter in den beiden 
Kommissionen übernahm der Syndikus Dr. MöUmann, der, 
ein ehemaliger Schüler der Anstalt, jetzt Oberbürgermeister 
der Stadt Osnabrück, beiden bis auf den heutigen Tag an- 
gehört hat. 

Am 9. Januar 1872 feierte der Eektor Meyer sein 
fünfzigjähriges Amtsjubiläum. Die Schüler der Prima und 
Sekunda brachten ihm am Morgen früh in seiner Wohnung 
ein Ständchen, am Abend einen Fackelzug und überreichten 
ihm aufserdem durch eine Deputation einen Pokal und die 
Gruppenbilder der Klassen. Ehemalige Schüler sowie das 
Lehrerkolleg bewiesen ihre Verehrung für den Jubilar gleich- 
falls durch wertvolle Spenden, letzteres noch besonders durch 
Überreichung der von uns mehrfach zitierten von Hart- 
mann verfafsten „Geschichte des Eatsgymnasiums. 3 Abtei- 
lung" als Festschrift (Programm von 1872). Am Morgen 
fand ein feierlicher Schulaktus in der Aula statt und am 
Nachmittag ein Festmahl, an welchem sich aufser den Lehrern 
zahlreiche Freunde des verdienten Mannes beteiligten.^) 

Ostern 1871 wurde, was sich schon lange als wünschens- 
wert herausgestellt hatte, die Tertia geteilt; Klassenlehrer 
der Obertertia wurde der Konrektor Hart mann, der der 
Untertertia der KoUaborator Woltmann; der der Quarta, 
welche der letztere bisher gehabt hatte, der wissenschaftliche 
Hülfslehrer Eudolf Kuhlenbeck, der zuletzt 3 Jahre als 
Lehrer an einem Privatinstitute in Weinheim a. d. Bergstrafse 
thätig gewesen war. — Zu gleicher Zeit gab der Maler 
D a h 1 den fakultativen Zeichenunterricht auf; für ihn trat der 
Keallehrer Thiele ein. 2) 

Am 20. Januar 1873 starb nach kurzer Krankheit uner- 
wartet der KoUaborator Woltmann im Alter von nicht 
ganz 40 Jahren. Die Trauer um den so früh dahin Ge- 
schiedenen gab sich in dem zahlreichen Gefolge kund, welches 
am Morgen des 23. Januar seine irdische Hülle zur letzten 

1) Programm von 1872, S. 14. 
*) Programm von 1872, S. 15. 



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125 

Euhestätte geleitete.^) An seine Stelle wurde Ostern 1873 
berufen der Gymnasiallehrer Dr. H. Holländer, der 
vorher an den Gymnasien zu Köln, Elberfeld und Bielefeld 
thätig gewesen war und zuletzt Studien halber mehrere Mo- 
nate in Italien zugebracht hatte. Zugleich wurde Kuhlen- 
beck ordentlicher Gymnasiallehrer; der Schulamtskandidat 
Sepp el er trat neu ein, um sein Probejahr zu absolvieren. 

Bald nachher wurde die Anstalt von einem neuen Ver- 
luste betroffen: am 25. Mai wurde der Konrektor Tiemann 
im heiteren Kreise von Freunden und Kollegen durch einen 
Schlaganfall in die Ewigkeit abberufen, nachdem er fast 
40 Jahre dem Ratsgymnasium als Lehrer angehört hatte. 
Michaelis trat der Rektor Meyer in den Ruhestand. Die 
übrigen Lehrer rückten jetzt auf, Hartmann wurde zum 
Prorektor ernannt, Stüve und Hollander zu Ober- 
lehrern ; neu berufen wurde als erster ordentlicher Lehrer der 
Dr. phil. Adolf Heuermann, der zuletzt' am Pädagogium 
in Ilfeld gewirkt hatte, und als fünfter der Schulamtskandidat 
Hermann Wendlandt.^) — In demselben Jahre wurde 
für die Lehrer des Ratsgymnasiums der für staatliche An- 
stalten geltende Normaletat eingeführt. 

Am 13. Mai 1874 wurde ein neues Statut für das Rats- 
gymnasium eingeführt, das wichtige Veränderungen in der Ober- 
aufsicht über die Anstalt enthielt. Danach übt die Patronats- 
und Aufsichtsrechte der evangelische Magistrat; die Staats- 
regierung hat das Kompatronat. Der Magistrat überträgt 
seine Patronatsrechte der Schulkommission, behält sich aber 
vor „die allgemeine Aufsicht, die Berufung und Bestallung der 
„Lehrer auf Vorschlag der Schulkommission, die vorgängige 
„Zustimmung zu Änderungen in den Etatspositionen, die An- 
„ Stellung des Rendanten, die Vorrevision der Schulkasse, die 
„Entscheidung aller Fragen, bei denen es sich um Zuschüsse 
„aus Fonds handelt, aufweiche er eine Einwirkung hat." Die 
Regierung übt ihr Kompatronat durch die Ernennung eines 



») Programm von 1872, S. 23 ff. 
2) Programm von 1874, S. 29 ff. 



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1^6 

ständigen Mitglieds der Schulkommission als Kompatronats- 
kommissars. Die letztere besteht aus 5 Mitgliedern: dem 
Bürgermeister als Vorsitzendem, dem Syndikus als seinem 
Stellvertreter, dem Stadtsuperintendenten, dem Direktor und 
dem Kön. Kompatronatskommissar.^) Die ersten Mitglieder 
waren : der Bürgermeister Detering, der Syndikus Dr. 
Möllmann (nachdem Andre abgegangen war; vgl. S. 124), 
der Superintendent Dr. Grüner, der Direktor Kunge und 
als Kön. Kommissar der Kronanwalt a. D. Wolter. Von 
ihnen ist, nachdem der Direktor Eunge durch seine Ver- 
setzung in den Euhestand, die übrigen durch den Tod — zu- 
letzt starb Wolter am 18. Juni 1895 — ausgeschieden sind, 
nur noch Oberbürgermeister Möllmann in Thätigkeit. 

Am 16. Juli 1874 starb der Gymnasiallehrer Meine- 
king nach fast 11 jährigem Wirken an der Anstalt.^) Arm- 
brecht, Kuhlenbeck und Wendlandt rückten auf; in die fünfte 
ordentliche Stelle trat am 20. Oktober der bisherige wissen- 
schaftliche Hülfslehrer am Andreanum in Hildesheim Dr. 
Aug. Wietfeldt.3) 

Am 1. August 1875 begingen der Superintendent Dr. 
Grüner, welcher dem Eatsgymnasium als Schüler angehört 
und später längere Jahre als Ephorus und als Mitglied der 
Schul- und Eeifeprüfungskommission in engerer Beziehung zu 
ihm gestanden hatte, uiid am 17. Oktober 1875 der Pastor 
Sergel zu Beim, gleichfalls ehemaliger Schüler und von 
Michaelis 1825 bis Ostern 1828 Lehrer der Anstalt, ihr 
fünfzigjähriges Amtsjubiläum. Beiden brachte das Lehrer- 
kollegium herzliche Glückwünsche dar. Grüner trat bald 
darauf seines Alters wegen aus der Eeifeprüfungskommission 
aus.*) 

Die Abiturienten des Schuljahres 1875/76 hatten sich am 
8. März 1876 zum erstenmal der neuen Prüfungsordnung vom 
4. Mai 1875 zu unterziehen, nach der auch eine Dispensation 



1) Programm von 1875, S. 15 f. 
^) Vgl. S. 117. 

^) Programm von 1875, S. 14 f. 

*) Programm von 1876, S. 41. 



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127 

vom mündlichen Examen stattfinden konnte; die ersten 
Abiturienten, denen diese Neuerung zu gute kam, waren 
Friedrich Fröhlking aus Stickhausen und William 
Kunge aus Barnstorf. ^) 

Mit dem Beginn des Schuljahres 1876/77 trat nach 
Bodes Abgang provisorisch als dritter Elementarlehrer 
G. Friedrichs ein, zugleich auch der wissenschaftliche 
Hülfslehrer Kichard Ärmste dt; dadurch, dafs der 
letztere 11 Stunden — 6 Griechisch in Quarta und 3 Deutsch 
und 2 Geographie in Sexta — übernahm, wurde es möglich, 
Hartmann einige Erleichterung zu verschaffen. — Am 12. Juni 
1876 starb der Vorsitzende der Schulkommission, Bürger- 
meister D et e ring, am 12. Oktober der Superintendent 
Dr. Grüner. An des ersteren Stelle trat in der Schul- 
kommission Oberbürgermeister Dr. Miquel, an die des 
letzteren Pastor Dr. Spiegel.^) 

Ostern 1877 ^^nirde die bis dahin zweijährige Sekunda 
in eine Ober- und Untersekunda mit je einjährigem Kursus 
geteilt. Infolgedessen mufste die Aula als Klassenzimmer 
eingerichtet werden. Zugleich wurde eine neue Hülfslehrer- 
stelle geschaffen und dem Dr. H. Eomundt verliehen, 
während, da Armstedt nach Bückeburg berufen war, der Schul- 
amtskandidat F. Eunge eintrat, um sein Probejahr abzu- 
legen und Hartmann die wegen seines Gesundheitszustandes 
notwendige Erleichterung zu verschaffen.^) 

Am 28. Dezember 1878 schlofs im Alter von 80 Jahren 
der Eektor a. D. Meyer^) die Augen. Während seiner mehr 
als fünfzigjährigen Thätigkeit hatte er sich auch als Ge- 
lehrter, besonders auf dem Gebiete der Osnabrücker Ge- 
schichte, hervorgethan. ^) 

Ostern 1879 wurde die Untertertia wegen der zu grofsen 
Schülerzahl in zwei Parallelcöten geteilt. Zu dem Zwecke 

1) Programm von 1876, S. 42. 
*) Programm von 1877, S. 13 f. 
») Programm von 1878, S. 32. 
*) Vgl. S. 119. 

*) Seine noch immer wertvoUen Studien auf diesem Gebiete hat er 
niedergelegt in den Programmen von 1853 und 1868. 



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128 



wurden in dem früheren Obergerichtsgebäude mehrere Räume 
gemietet und in diesen die 3 Vorschulklassen, die Sexta und 
Quinta untergebracht; aufserdem wurde die Prima in den 
deutschen, mathematischen und 6 lateinischen Stunden ge- 
trennt und für sie die Aula als Klassenzimmer beibehalten. 
In dem Nebengebäude wurde das Zimmer im unteren Stock- 
werk nach hinten hinaus als Lokal für die Schülerbibliothek 
und Arbeitszimmer für den Bibliothekar, das darüberliegende 
als Geschäftszimmer für den Direktor und Konferenzzimmer 
eingerichtet. — Der bisherige 2. wissenschaftliche Hülfslehrer 
wurde mit voller Stundenzahl beschäftigt, aufserdem aber als 
dritter Fritz Zander angestellt. Als Probekandidat trat 
Otto Tüselmann ein, der jedoch schon Michaelis als 
wissenschaftlicher Hülfslehrer nach Emden versetzt wurde. ^) 

Anfangs des Schuljahres 1880 '81 wurde die Prima ganz, 
die Obertertia in 2 Parallelcöten geteilt, während die Teilung 
der Untertertia aufhörte. Als 4. wissenschaftlicher Hülfs- 
lehrer wurde Gustav Weidner angestellt. Er übernahm 
das Ordinariat der Sexta und den neusprachlichen Unter- 
richt in der Unterprima und den beiden Sekunden. — Im 
Wintersemester traten Schüler — zuerst der Sekunda und 
Tertia — zur Bildung einer Musikkapelle zusammen, die bis 
auf den heutigen Tag besteht. Die nötigen Instrumente 
wurden teils durch Beiträge von Schülern teils durch einen 
Zuschufs, welchen der Magistrat aus dem Schulfonds gewährte, 
beschafft.2) 

Mit dem Ende des Schuljahres trat der Prorektor 
G. A. Hart mann in den Ruhestand. Am 7. April wurde 
ihm zu Ehren eine Schulfeier abgehalten, bei der ihm der 
Oberbürgermeister Brüning den von Sr. Majestät ihm 
verliehenen Roten Adlerorden 4. Klasse überreichte. Die 
Schüler der oberen Klassen brachten ihm am Abend einen 
Fackelzug. — Nach seinem Abgange rückten die definitiv 
angestellten Lehrer auf, die wissenschaftlichen Hülfslehrer 



1) Programm von 1880, S. 31 f. 

2) Programm von 1881, S. 14 f. 



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129 

Runge und Zander erhielten ersterer die fünfte, letzterer 
die neuerrichtete sechste ordentliche Lehrerstelle. ^) 

Mit dem Beginn des Schuljahres 1881/92 traten die 
wissenschaftlichen Hülfslehrer Emilühlemann, August 
Vogt und Anton Wenzel neu ein, nachdem Dr. Ro- 
mundt und Dr. Weidner am Ende des vorigen abge- 
gangen waren. — Die Untersekunda war in diesem Jahre in 
zwei Parallelklassen geteilt, während die Teilung der Ober- 
tertia aufhörte.^) 

Mit Ostern 1882 hörte auch die Teilung der Unter- 
sekunda auf; dagegen wurde die von 55 Schülern besuchte 
Quarta — allerdings nur für das eine Jahr — geteilt: für 
die Zukunft sollte einer Überfüllung dadurch vorgebeugt 
werden, dafs auswärtige Schüler in diese Klasse nicht auf- 
genommen werden durften.^) 

Der neue durch Ministerial Verfügung vom 27. Mai 1882 
bekannt gemachte Lehrplan wurde auch am Ratsgymnasium 
eingeführt, und zwar zunächst in der Sexta, Quinta und 
Quarta, in der Weise, dafs der griechische Unterricht in der 
Quarta aufhörte, statt der 3 französischen Stunden in der 
Quinta deren 4 und statt der 2 in Quarta deren 5 angesetzt 
wurden, aufserdem in dieser Klasse im Wintersemester der 
mathematische Unterricht begann. Erst im folgenden Jahre 
wurde der Lehrplan in den übrigen Klassen durchgeführt, so 
jedoch, dafs die neuen Lehrpensa erst allmählich zur vollen 
Geltung kamen. 

Im Verlauf des Jahres wurde der schon früher^) gemachte 
Versuch, aus Schülern der Anstalt einen Orchesterverein zu 
bilden, unter der Leitung Heuermanns erneuert — diesmal 
mit Erfolg: der Verein blüht noch heute und hat häufiger 
Proben seiner Leistungsfähigkeit abgelegt. 

Ostern 1883 ging Dr. Uhlemann an das Kaiser- 



1) Programm von 1881, S. 14 f ; 1882, S. 13. 

2) Programm von 1882, S. 13. 

*) Ministerial Verfügung vom 11. April 1882; vgl. das Programm von 
1883, S. 10. 13. 
*) S. 109. 



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130 

Wilhelms - Gymnasium ' nach Hannover, Rohdewald, der 
Wendlandt im Wintersemester während dessen Studienreise 
nach Italien und Griechenland vertreten hatte, nach Wilhelms- 
haven, Wenzel als ordentlicher Lehrer an das hiesige Keal- 
gymnasium, Friedrichs an die hiesige Bürgerschule; für 
Uhlemann trat ein Henry Klingemann und für Friedrichs 
Karl Wiecking, bis dahin Vorschullehrer am Kealgymnasium; 
die dritte Hülfslehrerstelle wurde eingezogen, da Parallel- 
klassen nicht mehr nötig waren. — Am 25. Oktober besuchte 
der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- 
angelegenheiten Dr. Gossler in Begleitung des Herrn Ober- 
präsidenten der Provinz Hannover von Leipziger, des 
Herrn Landdrosten Gehrmann und des HeiTn Oberbürger- 
meisters Brüning das Eatsgymnasium, besichtigte einige 
Sammlungen desselben und wohnte dem Unterricht in der 
Untersekunda und Untertertia bei. — Am 10. November vor- 
mittags beging auch unsere Anstalt den vierhundertjährigen 
Geburtstag Luthers durch eine Schulfeier, bestehend aus 
Gesang, Deklamationen und Vorträgen des Orchestervereins 
und der Schülerkapelle; die Festrede hielt Heu ermann, der 
auch eine Festschrift veröffentlichte über „Luthers refor- 
matorische Gedanken vor dem Ausbruch des Ablafsstreites." 
Da sämtliche Schüler in der Aula des Ratsgymnasiums nicht 
Platz fanden, war auf geschehenes Ansuchen die des Kön. 
Realgymnasiums freundlichst zur Verfügung gestellt.^) 

Vom 1. April 1884 an wurde eine neue — die fünfte 
— Oberlehrerstelle errichtet und dem 2. Gymnasiallehrer 
E. Kuhlenbeck übertragen; die Gymnasiallehrer Wend- 
landt, Dr. Wietfeldt, Runge und Zander rückten in 
die 2. — 5., der wissenschaftliche Hülfslehrer Vogt in die 
6. ordentliche Lehrerstelle ein. Die eine der beiden Hülfs- 
lehrerstellen blieb unbesetzt. Zur Ableistung seines Probe- 
jahres trat der Kand. Max Düpow ein, zur Vertretung des 
erkrankten Gymnasiallehrers Wendlandt vom 18. August — 
3. November der Kand. Erich Volckmar.^) 



') Programm von 1883, S. 14; 1884, S. 33 if. 
2) Pi-ogramm von 1885, S. 17 f. 



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131 

Von Ostern an wurden die im ehemaligen Obergerichts- 
gebäude gemieteten Eäume als Klassenzimmer aufgegeben, 
da sie den an solche zu stellenden Anforderungen nicht ent- 
sprachen. Sexta und Quinta wui'den im umgebauten Neben- 
hause, die 3 Vorschulklassen im Eealgymnasium untergebracht. 

Ostern 1885 verliefs der Oberlehrer Dr. Heuermann 
nach llV2Jähriger Thätigkeit an derselben die Anstalt, um 
das Direktorat an der städtischen höheren Mädchenschule zu 
übernehmen. Die Oberlehrer rückten auf; die fünfte Ober- 
lehrerstelle wurde dem Gymnasiallehrer Wendlandt, die 
zweite ordentliche Lehrerstelle dem Gymnasiallehrer Dr. 
Ziller vom Domgymnasium in Naumburg verliehen. Als Probe- 
kandidaten traten ein Dr. Hermann Uthoff und Karl 
Lüddecke, zur Übernahme einiger mathematischer und 
physikalischer Stunden der Kand. Ernst Scheller. Die 
beiden ersteren blieben auch nach Ableistung ihres Probe- 
jahrs, Lüddecke allerdings nur bis zu den Johannisferien 
1886, da er als wissenschaftslicher Hülf sichrer an das Gym- 
nasium in Leer berufen wurde, i) Am 6. Mai 1886 trat Kand. 
Johannes Tiemann das gesetzliche Probejahr an. Während 
des ganzen Schuljahres mufste Oberlehrer Kuhlenbeck wegen 
andauernder Krankheit vertreten werden.^) 

Am 4. April' 1887 trat Professor Kingelmann in den 
Euhestand. Die Anstalt, der er als Schüler und 38V2 Jahre 
als Lehrer angehört hatte, ehrte ihn bei seinem Scheiden durch 
eine Schulfeier. Auch das Kön. Provinzial - Schulkollegium 
und die städtischen Behörden sprachen ihm ihre Anerkennung 
für seine treuen Dienste aus. Wenige Tage später wurde er 
von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige noch besonders 
durch Verleihung des Eoten Adlerordens 4. Klasse geehrt. 
Er sollte die wohlverdiente Euhe nicht lange geniefsen: schon 
am 15. Dezember 1888 erlag er einer kurzen aber heftigen 
Krankheit.^) 

Nach seinem Abgange rückten die Oberlehrer und ordent- 



') Programm von 1885, S. 18; 1886, S. 16. 

^) Programm von 1887, S. 15. 

») Programm von 1888, S. 45; 1889, S. 30. 



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132 

liehen Lehrer in die höheren Stellen, auf; die sechste ordent- 
liche Stelle wurde einem ehemaligen Schüler des Ratsgym- 
nasiums, Dr. Friedrich Niemöller übertragen, der bis 
dahin an der öffentlichen Handelsschule in Leipzig thätig 
gewesen war. Zu gleicher Zeit trat in die Stelle des als 
ordentlicher Gymnasiallehrer nach Hildesheim berufenen Hülfs- 
lehrers Klingemann der wissenschaftliche Hülfslehrer Dr. 
ErnstSchumacher. Der noch immer nicht genesene 
Oberlehrer Kuhlenbeck wurde auch in diesem Jahre von 
den Kollegen vertreten. 

Kuhlenbeck trat im Mai 1888 in den Ruhestand. Die 
von ihm innegehabte dritte Oberlehrerstelle erhielt der Ober- 
lehrer Wendlandt, die vierte der Oberlehrer Ziller, die 
fünfte der Gymnasiallehrer Dr. Wietfeldt; die übrigen 
Gymnasiallehrer rückten auf, die sechste Stelle erhielt der 
wissenschaftliche Hülfslehrer Dr. Uthoff. — Der Oberlehrer 
Dr. Hollander wurde durch Verfügung des Herrn Ministers 
der geistlichen etc. Angelegenheiten vom 6. Juni 1888 zum 
Professor ernannt. — Am 15. Oktober schlofs auch der letzte 
der Männer, die noch unter Fortlages Direktorat dem Rats- 
gymnasium als Lehrer angehört hatten, für immer die Augen 
— der Prorektor a. D. Gustav Adolf Hartmann. Er hat 
der Anstalt durch seine „Geschichte des Ratsgymnasiums" in 
den Programmen von 1865 und 1872 sowie durch die „Bei- 
träge zur Geschichte des Schulwesens in Osnabrück" im Pro- 
gramm von 1861 ein Denkmal gesetzt.^) 

In den letzten Jahren hatte die Schülerzahl der Vor- 
schule stetig abgenommen; daher erschien eine dreiklassige 
Vorschule nicht mehr notwendig. Die dritte Klasse wurde 
infolgedessen Ostern 1889 aufgehoben; doch wurden, wie bis- 
her, noch sechsjährige Knaben ohne Vorkenntnisse aufge- 
nommen. Eine Folge dieser Änderung war, dafs Wiecking 
zur evangelischen Bürgerschule übertrat. — Auch die 
wissenschaftlichen Hülfslehrer Dr. Koch und J. Tieinann 
schieden aus dem Lehrerkolleg, um an das Andreasreal- 



1) Programm von 1889, S. 29 f. 



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133 

gymnasium in Hildesheim bezw. das Gymnasium in Linden 
überzugehen.^) 

Am Anfang des Schuljahres 1890/91 trat der Oberlehrer 
Dr. R. Stüve in den Ruhestand. Am 5. Juni wurde er 
durch einen Schulaktus feierlich entlassen; Se. Majestät der 
Kaiser und König ehrte ihn durch Verleihung des Roten 
Adlerordens 4. Klasse. — Zur selben Zeit wurde die seit 
1880 in eine Unter- und Oberprima geteilt gewesene Prima 
wieder zusammengelegt und die 2. Klasse der Vorschule, für 
die nur wenige Schüler neu angemeldet waren, aufgehoben. 
Strubbe trat an die evangelische Bürgerschule über.^) 

Ostern 1891 ging dann auch die erste Vorschulklasse 
ein; Ohlendorf wurde gleichfalls an die Bürgerschule 
versetzt. Zu Michaelis d. J. trat der Kandidat des höheren 
Schulamts W. Feise am Ratsgymnasium das gesetzliche 
Probejahr an.^) 

Das Schuljahr 1892/93 brachte wiederum bedeutende Ver- 
änderungen. Mit dem Beginn desselben traten die neuen 
Lehrpläne von 1892, die für die ganze Monarchie Gültigkeit 
haben, auch am Ratsgymnasium in Kraft. 

Am 1. August 1892 schied Feise aus dem Lehrer- 
kolleg, um als wissenschaftlicher Hülfslehrer an das Realpro- 
gymnasium zu Geestemünde zu gehen. — In Ausführung des 
Allerhöchsten Erlasses vom 28. Juli 1892, wonach die wissen- 
schaftlichen Lehrer aller höheren Lehranstalten Preufsens den 
Titel „Oberlehrer" führen sollen, wurde am 18. September 
d. J. den Gymnasiallehrern Runge, Zander, Vogt, 
Dr. Niemöller und Dr. Uthoff eröffnet, dafs auch ihnen 
dieser Titel verliehen sei. Der ordentliche Lehrer Arm- 
b recht erhielt am 21. Juni 1893 denselben Titel. — Am 
3. Februar 1893 wurde das 350. Erinnerungsfest der Ein- 
führung, der Reformation in Osnabrück*) auch vom Rats- 
gymnasium durch eine Schulfeier festlich begangen.^) 

1) Programm von 1889, S. 29. 31. 

2) Programm von 1891, S. 13. 
») Programm von 1892, S. 12. 

*) Vgl. S. 5; Stüve, G. d. H. 0., II, S. 87. 
6) Programm von 1893, S. 10 f. 



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134 

Am 1. Oktober 1892 trat der Direktor H. Runge 
in den Ruhestand, der fünfte Leiter der Anstalt seit der 
Reform von 1798. Am letzten Tage vor dem Schulschlufs 
wurde ihm zu Ehren eine Schulfeier veranstaltet und am 
Abend desselben Tages ihm von Schülern ein Fackelzug dar- 
gebracht. Seine Verdienste um die Anstalt wurden von selten 
des Kön. Provinzial-Schul-KoUegiums und der städtischen Be- 
hörden durch ehrenvolle Zuschriften anerkannt. Se. Majestät 
der Kaiser und König verlieh ihm den Roten Adlerorden 
3. Klasse. 1) 

Als Direktor wurde Professor Dr. Knoke vom Gym- 
nasium in Zerbst berufen und am 18. Oktober durch den 
Herrn Geheimen Regierungs- und Pro vinzial - Schulrat Dr. 
Breiter in Gegenwart der Herren Oberbürgermeister Dr. 
Möllmann und Pastor Dr. theol. et phil. Spiegel in sein 
Amt eingeführt. 

Mit dem Beginn des Schuljahres 1893/94 wurde auch der 
Zeichenunterricht nach den Bestimmungen der neuen Lehr- 
pläne neu geordnet, indem derselbe für alle Klassen bis 
Obertertia einschliefslich obligatorisch wurde. Der Unterricht 
in der letztgenannten Klasse wurde dem Zeichenlehrer an der 
höheren Mädchenschule Franz Körte Johann übertragen. 
Im Wintersemester 1893/94 übernahm dieser auch für den er- 
krankten Oberlehrer Armbrecht den Unterricht in den 
Klassen Quinta bis Unter-Tertia und Ostern 1894, nachdem 
Thiele nach 23jähriger Thätigkeit den fakultativen Zeichen- 
unterricht in den oberen Klassen aufgegeben hatte, den 
letzteren, so dafs nunmehr sämtliche Stunden in diesem 
Fache von einem Lehrer erteilt werden. 2) 

Am 10. April 1893 wurde dem ProfessorDr. Hollander 
von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige durch Allerhöchste 
Ordre der Rang der Räte 4. Klasse, am 21. Juli dem Gymnasial- 
lehrer Armbrecht der Titel Oberlehrer und am 13. März 



1) Programm von 1893, S. 11 f. 

2) Programm von 1894, S. 10; 1895, S. 13. 



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135 

1894 den Oberlehrern Wendlandt und Wietfeldt der Pro- 
fessorentitel verliehen.^) 

Am 8. Januar 1894 beging das Ratsgymnasium den 
hundertjährigen Todestag Justus Mosers, seines gröfsten 
Schülers, durch eine nachmittags abgehaltene Oedächtnisfeier. 
Der Oberlehrer Runge hielt die Festrede, in der er das Leben 
und die Bedeutung Mosers darlegte.^) 

Ostern 1894 trat zur Vertretung des schon seit einem 
halben Jahre erkrankten Oberlehrers Armbrecht der 
wissenschaftliche Htilf sichrer Karl Ophüls, der zuletzt 
am Realgymnasium zu Trier thätig gewesen war, ein, für den 
Michaelis 1894 gleichfalls erkrankten Oberlehrer Vogt der 
wissenschaftliche Hülfslehrer Rudolf Volkmar, ein ehemaliger 
Schüler der Anstalt, der sein Probejahr am Gymnasium zu 
Ilfeld absolviert hatte. s) 

Ostern 1895 wurde Ophüls an das Friedrich- Wilhelms- 
Gymnasium in Köln berufen; an seine Stelle trat der wissen- 
schaftliche Hülfslehrer Dr. Karl Wilke aus Kosen, der sein 
Probejahr am Realprogymnasium zu Eisleben abgelegt hatte. 
— Schumacher wurde Ostern 1895 als Oberlehrer am Gj^m- 
nasium in Wilhelmshaven angestellt; für ihn trat der wissen- 
schaftliche Hülfslehrer Fr. Plathner vom Realgymnasium in 
Hildesheim ein. 

Die Zahl der Schüler betrug am Beginn des Schul- 
jahres 217. • 

Das Gymnasium hat nicht blofs für die geistige Aus- 
bildung seiner Schüler zu sorgen sich bemüht, sondern auch 
die Ausbildung des Körpers zu fördern gesucht. Zu dem 
Ende werden neben dem Turnunterricht seit dem Jahre 1886 
in jedem Sommer, so oft es das Wetter zuläfst, auf dem von 
den städtischen Behörden hergerichteten Platze allwöchentlich 
Turnspiele geübt, bei denen Lehrer die Aufsicht führen. — 
Auch an dem im Jahre 1881 durch die Herren Geheimrat 



1) Programm von 1894, S. 10. 
*) Programm von 1894, S. 11. 
») Programm von 1895, S. 14. 



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136 

Brandi und Oberbürgermeister Brüning ins Leben gerufenen 
und von hiesigen Handwerksmeistern geleiteten Handarbeits- 
unterricht nehmen in jedem Winter Schüler der Anstalt teil. 



Die Sammlungen und Stiftungen des 
Ratsgymnasiums. 

I. Die Bibliothek. 

Eine Bibliothek ^) bestand am Ratsgymnasium schon vor 
der Reform der Anstalt von 1798. Es war eine Sammlung 
von Büchern, welche sich auf 800 Stück oder mehr belaufen 
mochte, die nach und nach von Freunden der Schule ge- 
schenkt waren, vorhanden; aber nicht der zwanzigste Teil 
gehörte in eine eigentliche Schulbibliothek. Am wertvollsten 
waren noch die von dem ehemaligen Rektor Schwarz (1742 — 
1749)^) geschenkten Werke. Daher beschlofs die Behörde, 
die wenigen tauglichen Bücher auszusuchen, die übrigen aber 
öffentlich meistbietend verkaufen zu lassen.^) Von dem Erlös 
sollte dann Besseres angeschafft werden; zugleich wurde um 
Geschenke gebeten. So machte der Rektor Fortlage den 
Anfang, eine neue Bibliothek, die zugleich von den Schülern 
benutzt werden sollte, zu gründen. 

Die Jahre der Fremdherrschaft brachten Fortlages 
Unternehmen ins Stocken. Erst als sie vorüber waren und 
Abeken sich der Sache besonders annahm, kam die Angelegen- 
heit wieder in Flufs. Durch das früher erwähnte Reskript 
der Regierung vom 6. Juni 1816 bekam das Gymnasium die 



^) Vgl. Kuhlenbeck im Programm von 1878, S. 3 ff.; Hartmann im 
Progranmi von 1872, S. 30 ff. Beide Angaben bedürfen der Berichtigung 
bezw. Ergänzung. 

«) Vgl. S. 55 f. 

») Vgl. P, A. Fortlage im Programm von 1799, S. 6 ff.; 1817,,, 
S. 34 ff. Wenn man indes bedenkt, wie in der Zeit der „Aufklärung" auch v 
auf andern Gebieten verfahren ist — z. B. mit den in Kirchen befindlichen 
altehrwürdigen Kunstdenkmälem; vgl. Mitth. d. H. V., XI. (1878), 
S. 279 ff. — , so kann man sich des Gedankens nicht erwehren, dafs auch 
damals manches Buch in Trödlerhände gekommen und verschleudert ist, 
welches heute mit Gold aufgewogen werden würde. 



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137 

Bibliothek des säkularisierten Domkapitels, durch Beschlufs 
des evangelischen Landkonsistoriums dessen Büchersammlung 
mit Ausschlufs der unentbehrlichen Werke und unter Vor- 
behalt des nötigen Gebrauchs der überwiesenen Bücher, durch 
Beschlufs des Magistrats vom 7. Juni 1816 die der Stadt 
gehörige, auf dem Rathause befindliche Bibliothek mit Aus- 
nahme einiger unentbehrlicher Werke; endlich 1817 von 
Friderici seine und Mosers Bibliothek. Dadurch war das 
Institut auf etwa 5000 Bände gebracht. Im März 1823 be- 
schlofs die versammelte Katharinengemeinde auf Vortrag der 
Kirchräte, diejenigen Werke der Bibliothek der Katharinen- 
kirche, welche keinen erheblichen Wert mehr hätten, zum 
Besten der Kirche zu verkaufen, die übrigen dagegen zur 
besseren Aufbewahrung und Benutzung in der Bibliothek des 
Ratsgymnasiums aufzustellen. Sie wurden am 5. Juli über- 
wiesen und im Eckzimmer des oberen Korridors besonders 
aufgestellt, sind dann aber später der Gymnasialbibliothek 
völlig einverleibt. In demselben Jahre schenkte die Regierung 
100 4 zur Anschaffung von Büchern.^) 

Im Jahre 1828 kaufte der Magistrat einen grofsen Teil 
der Bibliothek des gestorbenen Professors Dr. Ludwig 
A b e k e n in Berlin, meistens philologische Werke, für 363 4 
an.2) Im September 1831 schenkte Wilhelm Friderici, 
der Bruder des oben^) genannten ein Denkmal, welches die 
Ritterschaft des Hochstifts Osnabrück Justus Moser am 
17. Januar 1792 an seinem 50jährigen Amtsjubiläum gewidmet 
hatte, und das „von dem sei. Künstler Wessel gearbeitet, mit 
,,emblematischen Figuren und Inschriften ausgestattet und 
„mit einem marmornen, höchst ähnlichen Brustbild Mosers 
„geschmückt" war.^) Das Denkmal befindet sich jetzt im 
städtischen Museum. 1836 schenkte der Landrat Struck- 
mann auf Harderburg Mosers Arbeitstisch, Dintenfafs und 
Lehnstuhl.^) 1838 vermachte der Oberlandbaumeister Hollen- 

^) Osterprogi-amin von 1824, S. 8 f. 
^) Osterprogramm von 1828, S. 9. 
*) S. 93. 

*) Michaelisprograinm von 1831, S. 10. 
^) Micha elisprogramm von 1836, S. 19. 

lo 



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138 

berg mehrere Bücher über Mathematik und Baukunst.^) 1843 
schenkte eine Gesellschaft auf Anregung des Direktors Stüve 
bei Gelegenheit der 3. Säkularfeier der Einführung der Ee- 
formation in Osnabrück die Walchsche Ausgabe von Luthers 
Werken.^) Im Jahre 1866 wurde aus dem Nachlafs des ver- 
storbenen Justizrats Struckmann eine Eeihe von gröfstenteils 
wertvollen Werken überwiesen, im ganzen etwa 200 Bände, 
ebenso aus Abekens Nachlafs die von ihm hinterlassenen At- 
lanten und Karten nebst anderen Werken.^) 1872 bekam die 
Bibliothek aus dem Nachlafs des verstorbenen W i r k 1. Geh. 
Legationsrats Abeken das kostbarste Werk, welches 
sie besitzt: Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien, nach den 
Zeichnungen der von Sr. Majestät dem Könige von Preufsen 
Friedrich Wilhelm IV. nach diesen Landen gesandten und in 
den Jahren 1842 — 1845 ausgeführten wissenschaftlichen Expe- 
dition, herausgegeben und erläutert von C. R. Lepsius. Es 
sind im ganzen 12 Bände, jeder 77 cm hoch und 63 cm breit, 
mit künstlerisch ausgeführten Abbildungen. In demselben 
Jahre überwies die Wittwe des Direktors Stüve aus dem 
Nachlafs ihres Mannes eine gröfsere Zahl von Werken.*) 1875 
schenkte der Superintendent Dr. Grüner die Erlanger Aus- 
gabe von Luthers Werken in 67 Bänden^) und vermachte 
sodann 1876 aufser verschiedenen anderen Büchern die 
Werke Melanchthons (aus dem Corpus Eeformatorum, Bd. 
1 — 28).^) 1878 schenkten die Erben des Eektors Meyer 
nach dessen letztwilliger Bestimmung diejenigen von seinen 
Büchern, welche die Bibliothek noch nicht besafs und die nach 
dem Urteile des Bibliothekars für sie geeignet schienen (etwa 
700 Bände). 7) 1888 vermachte der Prorektor Hart- 
man n , der auch früher schon sie öfter beschenkt hatte, eine 



^) Michaelisprogramm von 1839, S. 22. 

^) Hartmann im Programm von 1872, S. 31. 

3) Programm von 1867, S. 33 f. 

*) Programm von 1873, S. 19 f. 

^) Programm von 1876, S. 40. 

6) Programm von 1877, S. 12. 

^) Programm von 1879, S. 24. 



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139 

gröfsere Anzahl von meistens wertvollen Werken, i) 1894 
schenkte der Direktor a. D. Runge gleichfalls eine Reihe 
von Büchern, darunter Friedrichs d. Gr. politische Korrespon- 
denz, 22 Bände. Endlich hat in allerjüngster Zeit der ver- 
storbene Pastor Dr. theol. et phil. Spiegel seine reiche 
Bibliothek gestiftet und eine namhafte Summe ausgesetzt, von 
der sie instandgehalten und vervollständigt werden soll. 

Hier haben nur die gröfseren Zuwendungen erwähnt 
werden können; aber von jeher hat die Bibliothek von Be- 
hörden und Privatleuten Schenkungen erhalten, welche wesent- 
lich dazu beigetragen haben, sie zu einer bedeutenden zu 
machen. Der Bestand geht daher weit über die im Programm 
von 1878 angegebene Zahl von 13400 Bänden hinaus. Für 
ihre Instandhaltung und Vermehrung sind jährlich 500 Mark 
ausgesetzt. Sie ist Sonnabends im Sommer von 11 — 12 Uhr, 
im Winter von 12 — 1 Uhr dem Publikum geöffnet. 

Schon im Jahre 1824 war eine Art Schülerbiblio- 
t h e k für die mittleren Klassen durch Stüve und im Jahre 
1844 eine solche für die unteren Klassen durch Hartmann 
gegründet. Im Jahre 1869 wurden dann aus der grofsen 
Bibliothek verschiedene tauglich erscheinende Werke aus- 
geschieden und mit den noch brauchbaren der einzelnen 
Klassenlesezirkel zu einer eigentlichen Schülerbibliothek ver- 
einigt, die sich durch Schenkungen und Neuanschaffungen auf 
1580 Bände vermehrt hat. Für dieselbe stehen jährlich 
200 Mark zur Verfügung, die zum teil durch Beiträge der 
Schüler aufgebracht werden. 

2. Das physikalische Kabinett und die übrigen Sammlungen. 

Der physikalische Apparat wurde anfangs dieses 
Jahrhunderts gegründet. Im Jahre 1817 enthielt er eine Luft- 
pumpe, Elektrisiermaschine, hydrostatische Wage, einige 
optische Instrumente, darunter eine Camera obscura, die auch 
als Sonnenmikroskop und Helioskop gebraucht werden konnte 
und vom Kantor Michaelis verfertigt war.^) Durch Ankauf und 

^) Programm von 1889, S. 34. 

^) Michaelisprogramm von 1817, S. 33. 

10* 



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140 

Schenkungen vergröfserte er sich, so dafs im Jahre 1839 schon 
eine für jene Zeit stattliche Anzahl von Apparaten vorhanden 
war. ^j Im Jahre 1893 wurde von der Gasmotorenfabrik von Otto- 
Langen in Deutz ein Gasmotor von ^i\ Pferdekraft geschenkt. 

Zu der Xaturaliensammlung wurde schon im 
Jahre 1799 der Grund gelegt. Auch sie wurde durch zahl- 
reiche, zum teil höchst w^ertvoUe Geschenke bereichert. Be- 
sonders Feldhoff machte sich um ihre Vervollständigung und 
Vermehrung sehr verdient, doch ist auch später noch manches 
hinzugekommen. Ein grofser Teil derselben sowie der ethno- 
graphischen Sammlung, die fast ganz durch Schenkungen 
entstanden w^ar, ist seit dem Jahre 1890 im städtischen 
Museum ausgestellt. 

Das Gymnasium besafs auch noch eine wertvolle Münz- 
sammlung, deren Grundstock, aus Münzen des Mittelalters 
und der Neuzeit bestehend, von Hartmann zusammengebracht 
war. Er war zunächst von dem Gedanken ausgegangen, die 
politische Zerrissenheit Deutschlands seit dem Jahre 1648 
auch an der Mannigfaltigkeit des Münzw^esens darzustellen; 
da sich aber mit der Zeit auch ältere und fremde Münzen 
einfanden, so erweiterte er den Plan. Ganz besonders richtete 
er sein Augenmerk auf Osnabrücker Stücke aus den ver- 
schiedenen Jahrhunderten Im Jahre 1862 vermachte de]* 
Regierungsrath Grüner, ein ehemaliger Schüler der Anstalt, 
ihr eine Sammlung von 126 älteren und neueren Münzen, 
welche der ebengenannten einverleibt w^urden,^) während 82 
antike, von denen 24 einst von dem Erblanddrosten von Bar 
auf Barenau geschenkt waren,^j in die sogenannte Schlede- 
haussche Sammlung kamen.^j 

Ein früherer Schüler des Batsgymnasiums nämlich, 
Chr. F. A. Schiedehaus, aus Achelriede gebürtig, war, 
nachdem er seine medizinischen Studien in Bonn und Göttin- 
gen beendigt, wegen seiner angegriffenen Gesundheit genötigt 



^) Michaelisprogramm von 1839, S. 6 f. 
2) Programm von 1867, S. 33; 1872, S. 32. 
^) Osterprogi-amm von 1828, S. 13. 
*) Programm von 1872, S. 32. 



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141 

gewesen, den Süden aufzusuchen, und hatte sich schliefslich 
in Ägypten niedergelassen, wo ihn der Vizekönig Mehemed 
Ali zum Arzte an der Militärkadettenanstalt in Kairo machte. 
Als er dieses Amt aufgeben mufste, da sein Leiden Fort- 
schritte machte, siedelte er sich in Alexandrien an und widmete 
sich dem Studium des Altertums, besonders der Numismatik. 
Er hatte vielfach Gelegenheit, alte, besonders ägyptische 
Münzen zu sammeln und zu erwerben, zumal er selbst Reisen 
den Nil liinauf, nach Nubien und Syrien machte. Die Resul- 
tate seiner Forschungen legte er in mehreren Aufsätzen, die 
er in numismatischen Zeitschriften veröifentlichte, nieder. Als 
seine Krankheit zunahm und er fühlte, dafs sein Ende heran- 
nahe, beschlofs er seine Sammlungen, die er jahrlelang mit 
grofser Liebe gepflegt hatte, der Stadt zu vermachen, deren 
Schule er einen grofsen Teil seiner Ausbildung verdankte. 
Bemerkenswert sind die Worte, die er am 19. November 1857 
an den Magistrat der Stadt Osnabrück schrieb : „Ich wünsche 
„einen Beweis geben zu können, dafs, wer durch Scliicksale 
„und Verhältnisse gezwungen wurde, fern vom Vaterlande zu 
„leben, es darum nicht weniger liebt als die, so daheim 
„bleiben. Sollte das, was ich dargeboten habe, den Lehrern 
„zur Anregung und zur Erweiterung ihres Gesichtskreises, den 
„Schülern zur Erläuterung und Veranschaulichung des Vorge- 
„tragenen, auch einmal zur Übung eines schlummernden 
„Talentes, endlich den kunstliebenden Bewohnern der Stadt 
„zur angenehmen Ausfüllung einer Mufsestunde dienen können, 
„so würde auch ich glauben können, dem Vaterlande genützt 
„zu haben." Die Sammlung wurde nach seinem am 19. April 
1858 erfolgten Tode noch in demselben Sommer von seinen 
Erben der Stadt überwiesen.^) 

Sie enthält im ganzen nahe an 5000 Münzen. „Der bei 
„weitem gröfste Teil von ihnen ist in Ägypten geprägt, und 
„es sind unter ihnen 650 Münzen der Ptolemäer in Gold, 
„Silber und Erz, mehrere Tausend sogenanter Alexandriner, 
„d. i. römische, in Alexandrien geprägte Kaisermünzen. 



') Programm von 1859, S. 34 if.; 1862, S. 32 f. 



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142 

„Nirgend vielleicht wird eine so vollständige Reihe der 
„ägyptischen Nomen- oder Gau-Münzen angetrotFen, deren 
„diese Sammlung 92 Stück aus 41 verschiedenen Gauen zählt. 
„Einzig in ihrer Art ist ferner die Eeihe der von Schlede- 
„haus zuerst bekannt gemachten ägyptisch-athenischen Typhon- 
„münzen. Aufserdem findet sich eine, ziemliche Anzahl 
„griechischer und römischer Autonom- und Kolonialmtinzen, 
„phönLzische, syrische, parthische u. s. w., und aus späterer 
„Zeit eine nicht unbeträchtliche Zahl von kufischen Münzen."^) 
Wenn auch in neuerer Zeit andere Institute, welchen 
bedeutende Mittel zur- Verfügung stehen — z. B. das British 
Museum in London — ihre Sammlungen vervollständigt haben, 
so nimmt doch die Schle.dehaussche, wenn auch nicht den 
ersten, so doch einen dei* ersten Plätze unter ihresgleichen 
ein. Sie sowohl wie die von Hartmann begründete ist seit 
1890 im städtischen Museum ausgestellt. 

3. Die Stiftungen. 

Eine Witwen- und Waisenkasse gab es am 
Ratsgymnasium bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts 
nicht : die Lehrer mufsten sehen, dafs sie auf irgendwelche 
andere Weise für ihre Angehörigen sorgten; doch trat wohl 
ein einzelnes Mal auch der Rat helfend ein, wie er z. B. 
schon im Jahre 1624 den Hinterbliebenen des Konrektors 
Thomas Sylvester 30 4 bewilligte. ^j Das im Jahre 1770 von 
der Witwe von Gülich gestiftete Kapital von 1000 «f bildete 
den Grundstock einer Witwenkasse,^) deren Vermögen im 
Jahre 1797 sich auf 1500 *f belief.^) Durch Schenkungen, 
Vermächtnisse und Beiträge der Lehrer ist sie dann im Laufe 
der Jahre auf 167849,84 c^ (am 31. März 1895) angewachsen. 

Eine Waisenkasse besteht erst seit der Mitte dieses 
Jahrhunderts. Am 9. Oktober 1852, dem Tage seiner silber- 
nen Hochzeit, schenkte der Stadtsyndikus Dr. A. Pagen- 



^) C. Stüve im Programm von 1862, S. 3. 
') Vgl. S. 41. 
'') Vg-l. S. 64. 
') Vgl. S. 64. 



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143 

Stecher eine Klubaktie von 100 ^f Gold zur Begründung 
eines Fonds für Kinder verstorbener Lehrer des Gymnasiums, 
eine Summe, die er durch verschiedene andere Zuwendungen, 
zuletzt im Jahre 1863 durch ein Vermächtnis von 150 i^, ver- 
mehrte.^) Durch Geschenke war sie dann noch weiter ange- 
wachsen, ist aber im Laufe des verflossenen Winters, als die 
Witwenkasse reorganisiert wurde, mit dieser vereinigt. 

Für ehemalige Schüler der Anstalt kommen noch zur 
Verwendung die Zinsen des vom Busscheschen Stipendienfonds, 
dessen Kapitalvermögen am 31. März 1895 46397,82 Ji betrug, 
und die des Wahlfeldschen, der an demselben Termin 5284,97 Ji 
Kapital hatte. Im Jahre 1890 hat dann der Ministerial- 
director Dr. Droop in Berlin ein Kapital von 6000 JC ge- 
schenkt, das der Verwaltung des Magistrats untersteht und 
dessen Zinsen als Stipendium einem besonders begabten, be- 
dürftigen jungen Osnabrücker evangelischen Bekenntnisses 
verliehen werden sollen, welcher auf dem Ratsgymnasium für 
das üniversitätsstudium ausgebildet wird. Das Stipendium 
kann auch für die Dauer des Universitätsstudiums verliehen 
werden. Endlich hat der am 27. April 1893 verstorbene 
Generaldirektor der Waggonfabrik Herbrandt & Co. zu Köln- 
Ehrenfeldt Wilhelm Hackländer, ein früherer Schüler 
der Anstalt, ein nach dem Tode seiner Ehefrau zahlbares 
Kapital von 10000 JC vermacht, dessen Zinsen zur Unter- 
stützung bedürftiger Schüler verwandt werden sollen. Die 
Witwe des Testators hat das Kapital bereits ausbezahlt ; die 
Verwaltung führt der evangelische Magistrat. 

Das Vermögen der Anstalt betrug am 31. März 1895 
151043,20 JC. An Gebäuden besitzt sie das am Domhof 
Nro. 12 gelegene Haupt- und das daneben liegende kleinere 
Nebengebäude. Die früheren Lehrerwohnungen sind bis auf 
eine sämtlich verkauft; die letztere, zuletzt von Woltmann 
und nach dessen Tode eine Zeitlang von seiner Witwe be- 
wohnt, ist das eben erwähnte, jetzt zu Klassenzimmern u. s. w. 
benutzte Nebengebäude. (Vgl. S. 128. 131.) 



^) Hartraann iin Programm von 1872, S. 29. 



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144 

Lehrer der Anstalt sind zur Zeit: 

Professor Dr. F. Knoke, Direktor, 

Dr. H. Hollander, Professor, 

H. Wendlandt, Professor, 

Dr. A. Wietfeldt, Professor, 

Dr. F. Ziller, Oberlehrer, 

A. Armbrecht, Oberlehrer, 

F. Runge, Oberlehrer, 

F. Zander, Oberlehrer, 

A. Vogt, Oberlehrer, 

Dr. F. Niemöller, Oberlehrer, 

Dr. H. Uthoff, Oberlehrer, 

R. Volkmar, wissenschaftlicher Htilfslehrer, 

F. Plathner, wissenschaftlicher Htilfslehrer, 

F. Kortejohann, a. g. Zeichenlehrer, 

J. Schurig, Oberturnlehrer, 

W. Bartels, Turnlehrer, 

H. Hertel, Turnlehrer. 



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Anlage 1. 




§1 

1^ 



Hora in Quarta et Ter- 
tia coniunctimexcepto 
5 die, quo quartani 
separabuntur et }} quo 
sextanis coniungentur 
> THora iu Quarta et Ter- 
'\tia conjunctim 



D: 

pi^ graecaeProsodiae, 

giae praemittenda 

er 

2 



rHora in Tertia separa- 
j Itim Aug-ustana confessio 
jcum repetitione Chem- 
Initiana 

2 f In ni et IV coniunetim 
tEvangelia graecaPosselii 



T^ertia separatim 

i 



1^ 



rtia et Quarta con- 
im Hesiodus 



^In Tertia et Quarta con- 
2 riunctim disputatio 



^. Prosodia et pro re 



i.;i, «rHora in Quarta et 
S ^5|Quinta conjunctim 



•sificatio 



es 



2^ 



In Quinta separatim 



Höre in Quinta 
separatim 



G; 



e> 



)ni Luther! uberior 



E ,e Graeci Evangelii 
E et Graecae Gram- 
m recitatio 



In Quarta et Quinta con- 
iunetim compendii Hutteri 
recitatio et explicatio.' 

In Quinta separatim coeptae 
Evangelii graeci resolu- 
tionis absolutio 



^ -< fHora in Quarta et 
2 iQuinta conjunctim 

2 |ln Quinta separatim 



arta et Quinta con- 

Q imOvidius,Prosodia 

^0 re nata yersi- 

n 

/^buiorum exercitatio 



Post preces vespertinas 
disputatio 



1=1 

1^ 



Hora in Sexta 



2 JHora in Sexta 



G 
ti 

c] 

^\^ 

E 
P 



tica latina et 
a 



rCatechesis Lutheri reci- 
Uatio et explicatio 



{Evangelii explicatio et 
resolutio eiusdemque 
domi pura descriptio 



03 



Hora in Sexta 



U 

M tica latina et coUo- 

6 

n 



Post preces vespertinas 
disputatio 



^on 1732. 



fortlaee 



VI 

Kantor Vatke 



vn 

Lehrer Biermann 



VIII 

Lehrer Leistmann 



konrektor 
Ibungen 



Latein 

Grammatik (Latein. Syntax) 

Privat Kantor 

Sentenzen aus „Kirchmann^ 
Lateinische Übnngen 



Latein 

Bepetition d. Deklinationen 

Privat Biermann 

iLateinische Stilttbungen 



Lateinische Vokabeln 
Deklination derselben 

Privat Leistmann 

Konjugation der Verben 
Lat. Syntax (Anfangsgründe) 



leginm 
|[onrektor 



Latein 

Grammatik (Latein. Syntax) 

Privat 

jGespräche des Terentius 



Latein 

Bepetition d. Konjugationen 

Privat 

Sentenzen aus „Kirchmann*' 

LateiD. Gespräche durchgen. 



Lateiaische Vokabeln 

Deklination derselben 

Privat 

Konjugation der Verben 

Lat. Übersetzung. a.Donatus. 



tms 



tnatik 
l^onrektor 



Luthers Katechismus 
Grammatik (Latein. Syntax) 

Privat 



Luthers Katechismus 
Lat. Etymologie u. Syntax 

Privat 



Luthers Katechismus 

Durchnahme der lat. Pro- 
nomina und Sentenzen 

Privat 



&. 



konrektor 
ibungen 



Latein 

Grammatik (Latein. Syntax) 

Privat 

Sentenzen aus „Kirchmann^ 

Lateinische Übungen 



Latein 

Bepetition d. Deklinationen 

Privat 

Deutsche Stilübungen 

Sentenzen aus „Kirchmann^ 



Lateinische Vokabeln 

Dekliuation derselben 

Privat 

Konjugation der Verben 

Lat. Syntax (Anfangsgründe) 



legium 

konrektor 

[Terentius 

Übungen 



Latein 

Grammatik (Latein. Syntax) 

Privat 



Gespräche des Terentius 



Latein 

Bepetition d. Konjugationen 

Privat 

Sentenzen aus „Kirchmann^ 

Latein. Gespräche durchgen. 



Lateinische Vokabeln 

Deklination derselben 

Privat 

Konjugation der Verben 

Lat. Übersetzung aus Donatus 



i. 



aus 
matik 

konrektor 



Luthers Katechismus 
Deutsche Stilttbungen 

Privat 



Luthers Katechismus 
Lat. Etymologie u. Syntax 

Privat 



Luthers Katechismus 

Durchnahme der lat. Pro- 
nomina und Sentenzen 



(Die Namen sind in dem Texte wie in dem Urtexte weggelassen.) 



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II 



7-8 

8-9 

9—10 

1-2 

2-3 

3-4 



Theologie . 
Latein . . 
Privat . . 



VII 



Anlage 3. 



VIII 



h 



Latein 
jatein 
Privat 
[jatein 
jatein 
iPrivat 



Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 



Latein . 

Latein 

Privat 

Latein 

Latein 

Privat 



. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 



7-8 

8-9 

9-10 

1-2 

2-3 

3-4 



Theologie .... ^'atein 

Latein Latein 

Privat Wvat 

Sittenlehre Rek^atein 
Latein . . . 



Jatein 
Mvat 



Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 



Latein . 
Latein . 
Privat 
Latein . 
Latein . 
Privat 



. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 



7—8 
8-9 
9—10 



Vemunftlehre .Religion 

Latein Religion 

Privat Privat . 



Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 



Religion . . Leistmann 
Latein . . . Leistmann 
Privat . . . Leistmann 



7-8 

8-9 

9—10 

1-2 

2-3 

3—4 



Vemunftlehre 
Latein. . . . 
Privat .... 
Beredsamkeit . Latein 

Latein Latein 

privat 



atein 
atein 
Mvat 



Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 



Latein , 
Latein . 
Privat . 
Latein . 
Latein . 
Privat . 



. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 



7-8 

8-9 

9—10 

1-2 

2-3 

3-4 



Griechisch . 
Latein . . . 
Privat . . . 
Griechisch . 
Latein . . . 



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7-8 
8-9 
9—10 



Griechisch 
Disputation 
Privat . . . 



Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 



Latein , 
Latein , 
Privat . 
Latein . 
Latein . 
Privat . 



. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
. Leistmann 
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. Leistmann 



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Rosengarten 
Rosengarten 
Rosengarten 



Religion . 
Latein . . 
Privat . . 



Leistmann 
Leistmann 
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albjahr 1800—1801. 



IL Nach den Stunden. 

Montags und Donnerstags. 

-8 Rektor, Adjunkt und erster Kollab. Religion. 

-9 'Konrekt. philos. Moral. Subkonr. prakt. Kenntnisse. Erst. Kollab. 5. lat. Kl. 

Zweit. Kollab. 6. lat. Kl. 
-10 Konrekt. 1. bist. Kl. Subkonr. 3. lat. Kl. Phaedrus und Gedicke. Kantor 4. lat. 

Kl. Nepos. Zweit. Kollab. 3 franz. Kl. Erst. Kollab. Leseübungen für die Kleinen. 
-2 Rekt. 1. und 2. lat. Kl. Horaz und Ciceros Reden. Subkonr. 1. Kl. der Natur- 

gesch. Adj. 2. Kl. der Naturgesch. 
-3 Konrekt. 1 franz. Kl. Zweit. Kollab. 2. franz. Kl. Adj. 2. geogr. Kl. 
-4 Konrekt. 2. engl. Kl. Subk. phys. Geogr. Kant. 3. und 4. lat. Kl. Bröder. Zweit. 

KoU. 5. und 6. lat. Kl. 



Dienstags und Freitags. 

-8 Konrekt. Mythologie. Subk. Naturgesch. Erst. Koll. 5. lat. Kl. Zweit. Koll. 

6. lat. Kl. 
-9 Rekt. 2. deutsche Kl. Konr. 1. und 2. lat. Kl. Tacitus und Cicero. Erst, und 

Zweit. Koll. wie Mont. und Donnerst. 9—10. 
-10 Rekt. 1. deutsche Kl. Subk. 3. lat. Kl. Kant. 4. lat. Kl. beide Stilübungen. 

Erst. Koll. 3. bist. Kl. 
-2 Rekt. 1. lat. Kl. Konr. 2. lat. Kl. beide Stilübungen. Kant. 3. und 4. lat. Kl.^ 

Nepos. Zweit. Koll. 5. und 6. lat. Kl. 
-3 Konrekt. 1. engl. Kl. Subk. Nichtengländer. Sallust oder Terenz. Adj. 1. geogr. 

Kl. Zweit. Koll. Repetitionsstunde. 
-4 Rekt. 1. arithmet. Kl. Adj. 2. arithmet. Kl. Subk. 1. und 2. lat. Kl. Plinius. 

Erst. KoU. 3. deutsche Kl. 

I Mittwochens und Sonnabends. 

-8 Konr. 1. und 2. lat. Kl. Virgil und Ovid. Erst. Koll. Mittw. 5. und 6. lat. Kl. 
! Sonnab. 3. Rel. Kl. Zweit. Koll. 2. franz. Kl. 

h9 Rekt. 1. griech. Kl. Konr. 2. bist. Kl. Subk. Nichtgriechen. Sallust oder Terenz. 
Adj. 4. und 5. lat. Kl. .Erst. Koll. 3. deutsche Kl. Zweit. Koll. 2. griech. Kl. 
LlO Rekt. röm. Altertümer. Subk. 3. und 4. lat. Kl. Adj. 3. arithmet. Kl. Erst. 
I Koll. Repetitionsstunde. 

Den Unterricht im Hebr. erteilt der Rektor in besondem zum öffentl. Unterricht ge- 
i Stunden. vDer Konrekt. erklärt Xenophons Cyropädie ebenfalls in solchen besondern 

Der Herr Dokt. med. Schelver hat sich erboten, den bisher den obem Klassen unent-. 

[ erteilten Unterricht in der hohem Naturgeschichte gütigst fortzusetzen. 

ber Herr Bauverw. Hollenberg wird in den bisher gewöhnl. Stunden wegen vermehrter 
die, die im Zeichnen Unterricht erhalten, in 2 Klassen teilen und der ersten Kl. An- 
zu geometr. und architekt. Rissen und zum Tuschen geben ; für die 2. Kl. aber die 

. zum Zeichnen mit dem Crayon fortsetzen in Verbindung mit den ersten Gründen der 

rie. Zu anderm mathemat. Unterricht ist derselbe erbötig Privatstunden zu geben. 

^er Kant. Adj. wird den bisher mit gutem Erfolge gegebenen Unterricht im musikali- 

lesange ebenfalls fortsetzen. 



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